In geselliger Runde essen und plaudern, einen interessanten Vortrag hören und Sachen, die man nicht mehr braucht, gegen etwas anderes tauschen. Das Konzept des Nachtcafés für Frauen – zum dritten Mal veranstaltet von der evangelischen Chrischona-Gemeinde Meersburg – findet Anklang. Rund 50 Interessierte kamen zu Hermannsdorfers ins Schützenhaus.

Gibt es das Klischee des typisch Weiblichen überhaupt noch?

Elke Stein, Bankkauffrau aus Konstanz, referierte zum Thema des Abends "Meine Weiblichkeit – wie lebe ich sie?" Gibt es das Klischee des typisch Weiblichen überhaupt noch "in einer Zeit, in der Frauen schnelle Autos fahren, Unternehmen leiten und mit der Bohrmaschine hantieren?", fragte sie anfangs. Die Antwort fände sich auf dem Tauschtisch, meinte die Referentin. Dort lägen eben keine Bohrmaschinen oder Boxhandschuhe, sondern Schmuck, Stoffe und Parfums. Frauen sollten sich weder für die Gleichheit verbiegen, noch sich nur über ihr Äußeres definieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Es gäbe kein Idealmodell der Frau, machte sie den Frauen Mut. Auch den Kindern solle in der Zeit der "Gender-Theorien" nicht die Identität genommen werden. "Wir sind keine geschlechtslosen Wesen", sagte Stein im Hinblick auf eine Vorschule in Schweden, wo es keine Märchenbücher mehr gäbe, sondern Bücher mit Geschichten von "zwei Giraffen-Männchen, die ein Krokodil-Baby adoptieren". Ohne Vorurteile gegen Homosexualität zu haben, meinte sie: "Es ist nun Mal ein Alleinstellungsmerkmal, dass nur Frauen Kinder gebären können."

Marion Hund (links) vom Veranstaltungteam der Chrischona-Gemeinde dankt der Referentin.
Marion Hund (links) vom Veranstaltungteam der Chrischona-Gemeinde dankt der Referentin. | Bild: Lorna Komm

Margit Bonstein-Wulf lobte die Veranstaltung. Vor einem halben Jahr neu an den Bodensee gezogen, nutzte die 72-Jährige die Gelegenheit, um mit anderen Frauen ins Gespräch zu kommen. Sie legte feministische Bücher aus den 80er Jahren auf den Tauschtisch. "Die Bücher habe ich mitgebracht, weil sie mir damals sehr geholfen haben, als ich mir viele Fragen gefallen lassen musste, warum ich arbeite und nicht zu Hause bei den Kindern bleibe", sagte Margit Bonstein-Wulf. Sie nahm dafür ein selbstgemachtes Quitten-Öl gegen trockene Haut mit. "Selbstgemachtes finde ich besonders schön", sagte die agile Frau.