Am Ende konnte man nun in der ersten Sitzung des Gemeinderates im neuen Jahr sogar versöhnliche und lösungsorientierte Töne hören. Dabei waren vor Weihnachten die Emotionen im Ort hoch gekocht: Einen Tag nach der Dezember-Sitzung des Gremiums hatte Bürgermeister Frank Lemke die Vorsitzende des Musikvereins Daisendorf/Stetten, Daniela Kümmerli, darüber informiert, dass die Gemeinde das Vereinsheim der Musiker brauche, um das gegenüberliegende Kinderhaus um eine weitere Krippengruppe zu erweitern. Die Musiker fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Denn innerhalb weniger Monate sollten sie aus ihrem Vereinslokal ausziehen, mitsamt ihren Instrumente und Gerätschaften. Die Übergangszeit bis zu einer neuen dauerhaften Lösung soll zwei bis drei Jahre dauern und als Ausweichort bekamen die Musiker den Bürgersaal angeboten.

In Musikeruniform im Ratssaal: Selten gab es ein solches Interesse an der Gemeinderatssitzung. Der Musikverein Daisendorf/Stetten zeigte Geschlossenheit bei der Entscheidung ihr Vereinsheim für das Kinderhaus umzubauen. <em>Bild: Mardiros Tavit</em>
In Musikeruniform im Ratssaal: Selten gab es ein solches Interesse an der Gemeinderatssitzung. Der Musikverein Daisendorf/Stetten zeigte Geschlossenheit bei der Entscheidung ihr Vereinsheim für das Kinderhaus umzubauen. Bild: Mardiros Tavit

Zur entscheidenden Gemeinderatssitzung, in der es um den Umbau des Vereinsheims ging, war der Musikverein jetzt ausdrücklich eingeladen. Deren Vorstand rief die Mitglieder auf, Geschlossenheit zu demonstrieren und in Uniform zu erscheinen. So waren im Zuschauerraum alle Plätze besetzt, als Bürgermeister Lemke seine Entscheidungsgrundlage formaljuristisch zusammenfasste: Kinderbetreuungsangebot als Pflichtaufgabe gegen die Unterstützung des Musikvereins als freiwillige Leistung der Gemeinde. Daniela Kümmerli trug noch einmal die Unzulänglichkeiten des Bürgersaals und ihre Befürchtung vor. Am Ende verabredete man sich für eine Begehung der möglichen Orte. Architekt Daniel Oberschelp sollte dabei sein. Ebenso Bürgermeister Daniel Heß aus Stetten, von der zweiten Partnergemeinde des Musikvereins.

Stettens Bürgermeister Daniel Heß hatte schon im Vorfeld signalisiert, dass auch in Stetten nach einer Lösung gesucht werde und das dortige Rathaus für Proben zur Verfügung stehe. Als eine weitere Lösung soll die Bogenhalle des Schützenvereins unter die Lupe genommen werden. Gemeinderat Otto Köhler brachte die Lösung ein, die kaum genutzte Bogenhalle umzubauen und mehrfach zu nutzen. Als Festhalle sowie als Vereinsheim und Probesaal der Musiker. Gemeinderat Thomas Ritsche wollte die Gemeinde Stetten an den Kosten für die Baumaßnahmen beteiligt wissen.

Die Entscheidung, eine weitere Kinderkrippengruppe einzurichten, Kinderhaus und Vereinsheim des Musikvereins umzubauen, fiel einstimmig.

Anmeldungen führen zu Erweiterung

Ein Blick zurück: Nach den verbindlichen Anmeldungen für die Kinderkrippe im Frühsommer 2016 hatten Bürgermeister und Gemeinderat die harte Entscheidung als notwendig angesehen, dem Musikverein sein Vereinsheim aufzukündigen, in dem er seit rund 30 Jahren zuhause ist. Denn die Betriebsgenehmigung des Kinderhauses gilt nur für eine Gruppe von maximal zehn Dreijährigen. Für sieben zusätzliche Anmeldungen wurde eine zweite Gruppe notwendig, dafür fehlt in den bestehenden Räumen der Platz. Ein Ausweichquartier musste her.

Mehrere Möglichkeiten waren im Gemeinderat nicht-öffentlich diskutiert worden. Ein sofortiger Ausbau des Kinderhauses kam nicht in Frage, weil die Baumaßnahme zu lange gedauert hätte und nicht sicher ist, dass in drei Jahren noch Bedarf besteht. Aus den gleichen Gründen wurde die zeitweise Errichtung von Containern auf dem Feuerwehrparkplatz vor dem Kinderhaus abgelehnt. Die hätten etwa 350 000 Euro gekostet und ihre Nachnutzung wäre fraglich gewesen. Zudem hatte die Feuerwehr ein Veto eingelegt. Wegen den zugestellten Parkplätze wäre die rechtzeitige Anfahrt der Brandbekämpfer nicht gewährleistet.

Blieb für die Problemlösung nur das einzige Gebäude, das noch in gemeindlichen Besitz ist, und das günstig gegenüber dem Kinderhaus liegt: Das Vereinsheim. Dem Musikverein wurde der Bürgersaal für seine Proben und als Abstellmöglichkeit für Instrumente angeboten, in den freien Lagerräumen sollten die Gerätschaften untergebracht werden. Die Musiker lehnten diesen Vorschlag als unzureichend ab. Das Gebäude sei zu offen, der ständige Auf- und Abbau der Instrumente zu umständlich, am zusätzliche Aufwand könnte der Verein auseinander fallen.

Das Kinderhaus und der Umbau

  • Daisendorf ist Vorreiter: Daisendorf war bereits im Jahr 2009 Vorreiter mit der Betreuung von Kleinkindern im Alter von unter drei Jahren. Der gesetzliche Anspruch auf einen solchen Betreuungsplatz kam erst im Jahre 2013. Die Gemeinde möchte Schadensersatzansprüche wegen eines fehlenden Betreuungsplatz' vermeiden.
  • Die Angebotsquote: Die Gemeinde Daisendorf erreicht mit den möglichen Plätzen eine Angebotsquote von 70 Prozent. Im Vergleich dazu wird von gesetzlicher Seite eine Angebotsquote von 30 Prozent empfohlen. Es spricht für die Qualität des Kinderhauses und ihrer elf Erzieherinnen, dass so viele Eltern ihre Kinder dort bis zu 45 Wochenstunden unterbringen möchten.
  • Das Kinderhaus ist in die Kinderkrippe für bis Dreijährige und in den Kindergarten für über Dreijährige aufgeteilt. Die Krippe hat zur Zeit zehn Plätze, der Kindergarten 45. Im letzten Frühsommer lagen für das Jahr 2017 insgesamt 17 verbindliche Anmeldungen für die Kinderkrippe vor. Für die sieben zusätzlichen Anmeldungen muss jetzt eine neue Gruppe eingerichtet werden, für die der Platz im Kinderhaus noch fehlt. Daher sollen aus dem Kinderhaus der Bewegungsraum und ein Verwaltungsraum in das Musikerheim umziehen. In den frei werdenden Flächen wird die zusätzliche Krippengruppe untergebracht.
  • Die Entwicklung: Zehn bis zwölf Geburten jährlich gab es in Daisendorf bis 2015. Letztes Jahr hat sich die Geburtenzahl plötzlich auf sechs halbiert. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die Geburtenzahl weiterhin niedrig bleibt. Die jetzigen Maßnahmen wären dann nur für die kommenden zwei bis drei Jahre nötig. Das Gebäude wird jetzt auch so umgebaut, dass mit wenig Aufwand und Kosten der Rückumbau zum dann bestens sanierten Vereinslokal möglich ist. Architekt Daniel Oberschelp kalkuliert in seinem ersten Kostenvoranschlag mit 360 000 Euro für den Umbau. (mt)