Die Einstellung von Shqipe Syla sollte sich im Nachhinein als goldrichtig erweisen. "Sie ist ein Glücksfall für uns", bestätigt Manuela Kohler, Leiterin des Daisendorfer Kindergartens. Als eine neue Erzieherin eingestellt werden sollte, fiel die Entscheidung auf die Deutsche mit albanischen Wurzeln. Sie hatte bei ihrer Erzieherinnenausbildung den Schwerpunkt "interkulturelle Erziehung" gewählt. Kurz nach ihrer Einstellung bekam der Kindergarten ein Flüchtlingskind.

Das Kind aus Mazedonien war nur mit der Großmutter nach Deutschland gekommen. Die Herkunft der Erzieherin erleichterte dem Kindergarten, das Kind richtig zu betreuen: "Für das gegenseitige Verständnis ist der kulturelle Hintergrund sehr wichtig", sagt Syla. Denn das Kind habe oft anders als die einheimischen Kinder reagiert. Es habe keine Spielzeuge gekannt und sich teilweise auch vor Stofftieren gefürchtet. Eine weitere Herausforderung sei die Sprachbarriere gewesen.

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Vertrauensverhältnis als wichtigste Grundlage

Shqipe Syla übernahm die Brückenfunktion zwischen dem Kind, der Großmutter und ihren Kolleginnen. "Sie erklärte uns die Sitten und Gebräuche auf dem Balkan", erzählt Manuela Kohler. Dabei sei es vorrangig darum gegangen, ein Vertrauensverhältnis zu schaffen, wofür die gemeinsame Sprache die wichtigste Grundlage gewesen sei.

Mit der Erzieherin an seiner Seite habe sich das Kind schnell in die Gruppe eingefunden. Umso trauriger sei die Situation für alle Beteiligten gewesen, als das Kind von heute auf morgen weg war. "Niemand wusste Bescheid, wo das Kind war", erinnert sich Kohler. Ein Anruf eines Hamburger Kindergartens habe Klärung gebracht. Die Familie sei in die Hansestadt gezogen.

Kultur ist das Einzige, was vielen Flüchtlingen in der Fremde bleibt

Für Shqipe Syla eine nachvollziehbare Sache: "Alle wollen dort leben, wo sie sich wohlfühlen. Sie suchen dafür ihre Familie und mindestens Freunde aus dem gleichen Kulturkreis auf." Denn ihre Kultur sei oft das Einzige, was den Flüchtlingen in der Fremde bleibe.

Erzieherinnen bilden sich in interkultureller Spracherziehung fort

Um auf die Flüchtlingskinder besser vorbereitet zu sein, bildeten sich drei Erzieherinnen in "interkultureller Spracherziehung" fort. Ein wichtiger Aspekt dieser Fortbildung war das Coaching durch die Dozentin im Kindergarten. "Das hat sich als besonders wertvoll gezeigt", sagt Kohler. Ziel für die Erzieherinnen ist es nun, dass alle sich in diesem Bereich fortbilden. "Alle haben davon profitiert", ist Kohler überzeugt. Der Austausch zwischen denen, die die Fortbildung schon hinter sich haben, und den anderen habe das Team auf eine neue Stufe gehoben.

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Team belegt Arabischkurs

Mit viel Einsatz reagierten auch andere Kindergärtnerinnen auf die angekündigten Flüchtlingskinder. "Wir haben uns überlegt, was wir tun können", erinnert sich die Leiterin des Katholischen Kindergartens Frickingen, Cynthia Gäng. Ihr Team belegte daraufhin einen Arabischkurs bei der Volkshochschule in Meckenbeuren.

Die Erzieherinnen wollten die Familien in deren Muttersprache begrüßen. Zwar nennt Cynthia Gäng den Kurs eine gute Erfahrung, "aber im Nachhinein betrachtet wäre er nicht notwendig gewesen". Dennoch konnten sie dabei etwas von dem nachempfinden, was auf die Flüchtlinge in Deutschland zukommt: eine fremde Sprache mit einer fremden Schrift. "Das erste Wort von uns war 'Willkommen'", erzählt Gäng. Aber das Sprachproblem gebe es meist nur für die Erwachsenen.

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"Kinder lieben Kinder"

Dieser Meinung ist auch Sonja Schembera, Leiterin des Stettener Kindergartens. "Man sollte daraus kein großes Problem machen", weiß sie aus Erfahrung. "Kinder lieben Kinder", fasst sie ihre Sichtweise zusammen. Sie schauten sich vieles ab, die Kleinen lernten von den Großen. Viel wichtiger sei es, ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern zu schaffen. Und das beginne schon beim Aufnahmegespräch. "Dann ist auch immer ein Dolmetscher dabei", so Schembera.

Denn es sei wichtig, dass die Eltern wüssten, dass auch der Kindergarten Erwartungen an die Eltern habe. Das Wissen um diese und der Respekt vor der Person und ihrer Kultur sei dabei sehr wichtig. Letztendlich zähle für Erzieherinnen und Eltern das Wohl des Kindes. "Wenn es den Kindern gut geht, dann geht es auch den Eltern gut. Und so, wie die Eltern uns sehen, so macht das Kind bei uns mit", fasst die Leiterin den Vertrauenskreislauf zusammen.

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Kinder sollen sich angenommen fühlen

Genauso sieht es auch Irene Hummel, Leiterin des Salemer Kindergartens Föhrenbühl. Ihr Kindergarten hat die Besonderheit, dass dort immer schon viele Kinder mit Migrationshintergrund zusammenkommen. "Wir hatten schon immer unterschiedliche Kulturen bei uns", erzählt sie.

Da fielen die vier Flüchtlingskinder gar nicht auf. Wichtig für die Erzieherinnen sei es, dass sich die Kinder angenommen fühlen. Darauf verwendeten sie viel Zeit. "Auch die muslimischen Feste stehen bei uns im Kalender." Das erste Fest des Kindergartenjahres sei das Erntedankfest. "Die muslimischen Eltern kennen das nicht, sind davon begeistert und machen mit", sagt Hummel.