Daisendorf – Der Gemeinde Daisendorf ist ihr Kinderhaus lieb. Und teuer. Zuletzt wurden die Gebühren für den Kindergarten und die Krippe 2015 erhöht. Zum 1. Oktober steigen nun die Gebühren für Kinderkrippe, die unter Dreijährigen, um bis zu 27,7 Prozent. Betreuungsplätze für die über Dreijährigen werden bis zu 5,6 Prozent teurer. Die Gemeinderäte taten sich in ihrer jüngsten Sitzung mit dem Beschluss sichtlich schwer. Nach Austausch aller Argumente fiel die Entscheidung jedoch einstimmig.

Bürgermeisterin Jacqueline Alberti hatte die Vorlage für die Gemeinderäte gut vorbereitet. Die gesetzlichen Bestimmungen schreiben vor, dass die Daten in angemessener und methodisch einwandfreier Weise erarbeiten werden, damit sie einer richterlichen Überprüfung Stand halten. "Die Kostenrechnung wurde zusammen mit den Kämmerern in Meersburg nach den Richtlinien der Kirchen und des Städte- und Gemeindetages erstellt", erläuterte Alberti das umfangreiche Zahlenwerk. So wurden alle Personal- und Sachausgaben für den Kindergarten erhoben und anteilig auf die beiden Betriebsteile Krippe und Kindergarten verteilt. Daraus wurden die Gebührensätze für die jeweils fünf Betreuungsstufen ermittelt.

2017: 8,3 Prozent der Kosten durch Gebühren gedeckt

Das Ergebnis war ernüchternd, wie Alberti darstellte. 2017 beliefen sich die Gesamtausgaben für den Kindergarten auf 680 000 Euro, die Gemeinde musste 420 000 Euro zuschießen. Für 2018 werden Kosten von 870 000 Euro erwartet und ein Zuschussbedarf von 520 000 Euro. Nach den Richtlinien der Kirchen und des Städte- und Gemeindetages sollten die Kosten von Kinderbetreuungseinrichtungen zu 20 Prozent durch die Gebühren gedeckt werden. In Daisendorf lag der Deckungsgrad im vergangenen Jahr bei 8,3 Prozent. Nach der Gebührensteigerung erhöht sich dieser Satz auf elf Prozent.

Elternvertreterin Nadine Koller: "Das ist nicht verhältnismäßig"

Bevor die Gemeinderäte über die Sachlage beraten konnten, wurde satzungsgemäß Nadine Koller als Vertreterin des Kinderhaus-Elternbeirats angehört. "Wir als Eltern verstehen und sehen die Notwendigkeit", begann Koller ihre Stellungnahme. "Wir bezweifeln, ob die Erhöhung in dieser Höhe und Kurzfristigkeit sein muss", fuhr sie fort, um ihr Anliegen mit Zahlen darzustellen. Während die Gebühren für die Halbtagskinder mit einer Betreuung bis 12 Uhr um durchschnittlich 15 Prozent steigen, erhöhe sich bei den Krippenkindern die Gebühr um 19,5 Prozent, bei jenen mit verlängerten Betreuungszeiten sogar um 27 Prozent. "Das ist nicht verhältnismäßig", sagte Koller. Auch die Gebührenerhöhung für das Mittagessen fand Koller nicht nachvollziehbar. "Der Caterer hat die Preise um 15 Prozent erhöht, für die Eltern werden sie aber um 37 Prozent erhöht."

Alberti: August wird nicht mehr in Rechnung gestellt

Alberti ergänzte, dass künftig der Monat August den Eltern nicht mehr in Rechnung gestellt werde und die Gebühren sich an der Empfehlung der Kirchen und des Städte- und Gemeindetages orientierten. "Bei der Empfehlung, dass die Eltern 20 Prozent der Kosten übernehmen, liegen wir noch darunter", stellte die Bürgermeisterin klar. In der Diskussion wurde die Einführung der Gebührenerhöhung auf Vorschlag von Marion Kaya (CDU) um einen Monat auf den 1. Oktober verschoben.

Gemeinderäte: Gebühren wurden zu lange nicht angehoben

Dass die Gebührenerhöhung so deutlich ausfällt, führten die Gemeinderäte selbstkritisch darauf zurück, dass die jährliche Anpassung unterlassen worden sei. Birgit Schley (FWV) wollte nicht nur den Kostenaspekt betrachtet wissen. "Wir haben einen tollen Kindergarten mit einem tollen Konzept. Die Eltern bekommen was für ihr Geld."

Willibald: "Hier wird informiert, und wo sind die Eltern?"

Für diese Aussage erhielt sie Unterstützung aller Gemeinderräte. Thomas Ritsche (CDU) wollte die Eltern so schnell als möglich informiert wissen. Daraufhin zeigte Siegfried Willibald (FWV) auf die leeren Besucherstühle: "Hier wird informiert, und wo sind die Eltern?"

Eine Sozialkomponente der Gebührensätze für Familien mit geringem Einkommen wurde verworfen. Dies müssten die Betroffenen über Jugendamt oder Jobcenter beantragen. Die Bürgermeisterin wies darauf hin, dass zukünftige Kostenrechnungen und Gebührenanpassungen jährlich in Zusammenarbeit mit Meersburg berechnet würden.