Seit November 2017 ist Jacqueline Alberti nun Bürgermeisterin der 1600-Einwohner-Gemeinde Daisendorf. Zuvor hatte die Volljuristin sieben Jahre beim Landratsamt in der Schuldnerberatung gearbeitet. In Finanzfragen der Gemeinde schlägt dies immer wieder durch. Schon während ihres Wahlkampfs verneinte sie kategorisch eine Schuldenaufnahme, ließ sich aber bei den Verhandlungen für den Haushalt 2018 überzeugen, vorsorglich einen Kreditrahmen von 80 000 Euro in den Haushaltsplan einzustellen. Dieser wurde dank Einsparungen bei einigen Posten nicht benötigt. So steht Albertis Aussage „die Gemeinde ist weiterhin schuldenfrei“.

In Arbeitskreisen entwickeln die Bürger das Leitbild Daisendorf fort. Der Gemeinderat nimmt das neue Leitbild an. Danach soll ein Bürgerform installiert werden, worüber die Bürger Themen und Projekte in die öffentliche Diskussion einbringen können.
In Arbeitskreisen entwickeln die Bürger das Leitbild Daisendorf fort. Der Gemeinderat nimmt das neue Leitbild an. Danach soll ein Bürgerform installiert werden, worüber die Bürger Themen und Projekte in die öffentliche Diskussion einbringen können. | Bild: Mardiros Tavit

Die Finanzfragen eines öffentlichen Haushalts waren aber nicht die einzigen Punkte, in die sich die neue Bürgermeisterin schnell einarbeiten musste. Sie übernahm das Projekt Kindergartenausbau halbfertig von ihrem Vorgänger. Während des Umbaus kamen weitere Kosten auf die Gemeinde zu. Die Toilettenanlage musste komplett neu gemacht werden. Und eine nicht geplante Rutsche als zweiten Rettungsweg im Obergeschoss kam hinzu. „Die Kindergartenleitung musste die Wünsche auf das Notwendige kürzen, denn ich wollte im Budget bleiben“, betont Alberti.

Das Jahr 2018 wird in Daisendorf vom Narrenverein Sumpfgeister eröffnet. Zu Ehren von Martin Menner und seinem 50. Jubiläum als Narrenpolizist findet ein Narrenpolizistentreffen im Vorfeld des Jubiläumumzugs statt.
Das Jahr 2018 wird in Daisendorf vom Narrenverein Sumpfgeister eröffnet. Zu Ehren von Martin Menner und seinem 50. Jubiläum als Narrenpolizist findet ein Narrenpolizistentreffen im Vorfeld des Jubiläumumzugs statt. | Bild: Mardiros Tavit

Weitere Themen, die Alberti 2018 in Angriff genommen hat, hatte sie aus ihrem Wahlkampf mit in ihre tagesaktuelle Arbeit mitgenommen. Den Breitbandausbau hat die Gemeinde mit der Verlegung eines öffentlichen Wasserrohrs, das über ein Privatgrundstück verlief, verbunden. „Die Anwohner befürchteten hohe Erschließungskosten für die Wasserversorgung“, erklärt Alberti. Auch hier bestand die Hauptaufgabe darin, zu informieren. „In den beteiligten Unternehmen hatten wir ein Superteam. Die haben sich immer abgesprochen. Wie es gelaufen ist, war es ein schönes Projekt“, resümiert die Bürgermeisterin.

Bürgermeisterin Jacqueline Alberti vor dem neuen Spielplatz am Kinderhaus.
Bürgermeisterin Jacqueline Alberti vor dem neuen Spielplatz am Kinderhaus. | Bild: Mardiros Tavit

Bei der Frage der Bewahrung des Ortsbilds als Dorf kochten die Gemüter im Bürgermeisterwahlkampf hoch. Die Einwohner wollten ihr Dorf vor dem sogenannten Betongold geschützt wissen. Viele Neubauprojekte werden im Dorf als Bausünden angesehen. 2018 hat der Gemeinderat für die Baugebiete „Brunnenstube“ und „Wohrenberg 2018“ eine Veränderungssperre beschlossen. Besonders dringend wurde die Lage am Wohrenberg. Das Regierungspräsidium informierte die Gemeinde, dass der alte Bebauungsplan hinsichtlich der Höhenentwicklung bestandslos war. Es wurden in der Vergangenheit zu viele Ausnahmen zugelassen. Im Bebauungsgebiet mit See- und Alpenblick befürchteten die Daisendorfer Bauspekulanten und weitere Bausünden. Nun soll das Bebauungsgebiet neu überplant und die neuen Vorgaben strikt eingehalten werden.

Die Gemeinde Daisendorf tritt aus dem Touristivermarkter Bodensee-Linzgau-Tourismus aus. Führungen in der 500 Jahre alten Sankt-Martins-Kapelle waren ein fester Programmpunkt.
Die Gemeinde Daisendorf tritt aus dem Touristivermarkter Bodensee-Linzgau-Tourismus aus. Führungen in der 500 Jahre alten Sankt-Martins-Kapelle waren ein fester Programmpunkt. | Bild: Mardiros Tavit

Aufsehen erregte die Gemeinde, als sie aus dem Tourismusvermarkter „Bodensee-Linzgau-Tourismus“ (BLT) austrat. „Auch ein Thema, das ich zuvor anders eingeschätzt hatte und mir im Wahlkampf zugetragen wurde“, schaute Alberti zurück. Im neuen Amt stieß sie gleich die Diskussion um die BLT bei den Daisendorfer Vermietern an. Es folgte eine Bürgerversammlung. Ernüchtert von der geringen Teilnahme der Vermieter entschied der Gemeinderat für den Austritt. Er beschloss gleichzeitig, dass in der Gemeindeverwaltung ein eigenes Touristikkonzept erstellt werden muss.

Alles Verteilerkästen werden in 2018 an das Breitbandnetz angeschlossen.
Alles Verteilerkästen werden in 2018 an das Breitbandnetz angeschlossen. | Bild: Mardiros Tavit

Ein großes Projekt war Albertis persönliches Anliegen. Sie wollte das Leitbild von 2001 erneuern. „An den erreichten Zielen des Leitbilds möchte ich mich am Ende meiner Legislatur messen lassen“, sagte Alberti immer wieder. Ihre Verwaltung solle einen Kompass für die kommenden Jahre erhalten. Mit einer Bürgerversammlung wurde das Projekt angestoßen. Über das Jahr hinweg folgten Arbeitskreissitzungen. Als der Text fertig war, wurde das neue Leitbild vom Gemeinderat angenommen. Der Kernpunkt des Leitbilds ist das neue Bürgerforum. Hierüber können die Bürger Anfragen und Projekte in die Diskussion bringen. Die Möglichkeit der Bürger, auf die Gemeindearbeit Einfluss zu nehmen, soll niedrigschwellig gehalten werden.

Auch in Zukunft Kommunikationswege kurz halten

Die Bereitschaft zur Einbindung der Bürger in die Gemeindearbeit und ihr Kostenbewusstsein kristallisieren sich bei Alberti als ihre persönlichen Charakterzüge am Ende ihres ersten Amtsjahrs heraus. Auch in Zukunft möchte Alberti für die Vereine die Kommunikationswege kurz halten.

Das Jahr 2018 in Daisendorf

  • Januar: Der Narrenverein Sumpfgeister feiert sein 50. Jubiläum mit einem großen Festumzug.
  • Februar: Für das Bebauungsgebiet Wohrenberg wird eine Veränderungssperre verhängt.
  • März:Alberti ist 100 Tage im Amt.
  • April: Bei einer Bürgerversammlung wird die Neufassung des Leitbilds von 2001 angestoßen.
  • Mai: Die Gemeinde hat den Reinigungsdienst für das Rathaus gekündigt und stellt stattdessen zwei Kräfte auf 450-Euro-Basis ein. Erwartete Ersparnis: 16 000 Euro.
  • Juni: Die Gemeinde tritt aus dem Touristikvermarkter „Bodensee-Linzgau-Tourismus“ aus. Die Freiwillige Feuerwehr Daisendorf feiert im kleinen Rahmen ihr 90-jähriges Bestehen.
  • Juli: Das von allen Daisendorfer Vereinen veranstaltete Dorffest feiert 20. Jubiläum.
  • August: Daisendorfer und Gäste feiern mit verschiedenen Festen durch den Sommen.
  • September: Die Erweiterung des Kinderhauses wird in Betrieb genommen. Das neue Gemeindemobil wird in Dienst genommen. Der Musikverein Daisendorf/Stetten feiert mit einem Herbstfest sein 40-jähriges Bestehen.
  • Oktober: Die Gemeinde Daisendorf kündigt den Vertrag über die Meersburger Stadtbuslinie, weil keine Haltestelle auf der Gemarkung Daisendorf eingerichtet wurde.
  • November: Der Narrenverein Sumpfgeister feiert sein 50-jähriges Bestehen.
  • Dezember: Mit dem Christbaumloben am ersten Advent und dem Weihnachtsständchen des Musikvereins Daisendorf/Stetten geht das Jahr zu Ende.