Daisendorf – Es hätten einige Bürger mehr sehr können. Der Meinung waren die 20 Daisendorfer, die in den Bürgersaal des Rathauses gekommen waren. Daisendorfs Bürgermeisterin hatte Wochen vor dem Termin zum Treffen eingeladen. Die Daisendorfer waren aufgefordert, das Leitbild der Gemeinde aus dem Jahr 2001 zu überarbeiten und weiterzuentwickeln.

20 Bürger, davon sechs Gemeinderäte

Als Jacqueline Alberti die Veranstaltung eröffnete, waren 20 Bürger anwesend, davon sechs Gemeinderäte. Zur Bürgerversammlung im April, bei der der Prozess zum neuen Leitbild angestoßen worden war, waren 60 Daisendorfer gekommen.

Die Bürgermeisterin zog dennoch ein positives Fazit der Gruppenarbeit am Leitbild. "Die da waren, waren sehr aktiv und haben sich einiges überlegt. Es ist viel vom alten Leitbild überdacht worden. Außerdem hatten sich fünf Bürger entschuldigt, die sich noch einbringen wollen."

Kritik: "Sie wollen hier nur wohnen und nicht leben"

Aber eine Bevölkerungsgruppe wurde in der Runde schmerzlich vermisst. "Die jungen Familien haben gefehlt", sprach Uschi Kraus das aus, was ins Auge fiel. "Um diese Zeit am Abend kann doch ein Elternteil zu Hause bleiben und der andere könnte hier mit an der Zukunft des Dorfs planen", merkte sie an. Auch Jugendliche und junge Erwachsene waren an diesem Abend im Bürgersaal nicht zu sehen. "Was ich immer schon sagte", fasste Kraus ihren Unmut zusammen, "sie wollen hier nur wohnen und nicht leben. Schade, dass von der Seite zu wenig Interesse ist."

Elf Themenfelder zu beackern

Die Anwesenden steckten ihre Köpfe zusammen und machten sich ans Werk. Für die elf Themenfelder des Leitbilds waren elf Arbeitstische vorbereitet. Alle waren ausgestattet mit dem Text des aktuellen Leitbilds, einem übersichtlichen Ablaufdiagramm "Schritte bei der Formulierung des Leitbilds 2018" und einem Blanko-Protokoll für die jeweilige Arbeitsgruppe. Das Ablaufdiagramm verdeutliche auf einer Seite die vereinbarte Vorgehensweise und war in die Punkte "Ziele aus dem Leitbild 2001 und was daraus wurde", "Die heutige Situation", "bevorstehende Veränderungen" und "Textbeitrag zum Leitbild 2018" unterteilt. Entsprechend war das Blanko-Protokoll vorbereitet, in das die Diskussionen niedergeschrieben werden sollten. Transparenz für die Bürger war eines der Anliegen, die Alberti an den Prozess hatte und die sie im Wahlkampf zugesagt hatte.

Einige Themenfelder werden nachbearbeitet

Wegen der geringen Bürgerbeteiligung blieben die Themenfelder "Tourismus", "Arbeit und Wirtschaft" und "Straßen(Verkehr)" unbesetzt. Diese Themenfelder sollen aber ebenfalls bearbeitet werden. Einige der Anwesenden erklärten sich bereit, an zwei und mehr Themen mitzuarbeiten, zumal sich viele Inhalte überschnitten.

Dörflicher Charakter soll erhalten werden

Daisendorfs Bürgermeisterin Jacqueline Alberti unterstützte die einzelnen Arbeitsgruppen in ihren Themenbereichen, wie hier die Gruppe Energiekonzept mit Eckhard Kienscherf und Hermann Heuseler (von links).
Daisendorfs Bürgermeisterin Jacqueline Alberti unterstützte die einzelnen Arbeitsgruppen in ihren Themenbereichen, wie hier die Gruppe Energiekonzept mit Eckhard Kienscherf und Hermann Heuseler (von links). | Bild: Mardiros Tavit

Es zeigte sich jedoch schnell, wo das Hauptanliegen der Daisendorfer lag. Das Dorf sollte seinen dörflichen und ländlichen Charakter behalten. In allen Arbeitsgruppen wurde dieses Thema angeschnitten. Eine der Hauptarbeitsgruppen ist die "Siedlungs- und Landschaftsentwicklung". Sigrid Beier ergänzte in dieser Gruppe das Gemeinderatstrio Otto Köhler, Michael Hucht und Thomas Ritsche. Dieser Arbeitsgruppe gab schon die Richtung vor, in die die Gemeinde sich ihrer Ansicht nach entwickeln soll.

Platz für Kleingewerbe, Platz für Familien

Weit oben auf der Liste stand der Wunsch nach einer Forcierung des Kleingewerbes durch die Schaffung eines Mischgebiets. Im Wohnungsbau sollen einheimische junge Familien über einem Kriterienkatalog leichter die Möglichkeit haben, im Dorf zu bleiben. Auch die Forderung nach Grünflächen und Maßnahmen wie einer Allee, zur Hervorhebung des dörflichen Charakters, wurden als Vorschläge in das Leitbild aufgenommen.

"Charakter des Dorfes" heißt eine weitere Arbeitsgruppe. Dieter Batzlen leitete die Gruppe und hatte ein genaues Ziel. "Ich hätte gern eine Gestaltungssatzungssatzung für die Gemeinde", sagte er. Denn wegen des Mangels an Baufläche werde es eine Nachverdichtung geben. "Die soll aber nicht konträr zum Bild des Dorfes sein", ergänzte Batzlen.

Die Arbeitsgruppen und ihre Themenschwerpunkte

  • Die elf Arbeitsgruppen: Drei große Themen dominierten die Diskussion: der dörfliche Charakter und die Zukunft des Bauens, das Zusammenleben und die Auswirkungen neuer Technologien.
  • Die Themen im Einzelnen: Charakter des Dorfs: Der Arbeitskreis soll die Formulierungen ländlich-dörflicher Charakter und Wohngemeinde aus dem alten Leitbild überarbeiten; Wohnen und Leben: Themen sind hier unter anderem die Optik des Dorfs und die Freizeitanlage; Siedlungs- und Landschaftsentwicklung: Die Bauentwicklung ist unter diesem Kapitel zusammengefasst; Menschliches Zusammenleben: Hier finden die Themen soziale Unterstützung im Alltag, die Kommunikation zwischen den Bürgern und die Hilfe für sozial schwache Bürger ihren Niederschlag; Moderne Technik im Alltag: Die Auswirkungen und das Leben mit modernen Technologien sowie der Breitbandausbau, internetferne Bürger und Internethandel werden hier behandelt. Weitere Arbeitskreise befassen sich mit Umwelt und Natur, dem Energiekonzept, dem Tourismus, Arbeit und Wirtschaft, Kultur und Kunst sowie dem (Straßen)Verkehr.