Etwas unscheinbar hängt er über dem Schreibtisch von Erik Klaas im überschaubaren Großraumbüro. So unscheinbar das schlicht eingerahmte Datenblatt aussieht, so wichtig ist es für die Vermarktung und den Vertrieb von Klaas' Produkt. Der Flugzeughersteller Airbus empfiehlt darin Klaas' 3D-Scanner bei der Überprüfung von Dellen und Beulen an seinen Maschinen. Genauer gesagt. Es ist die Erweiterung der Empfehlung. „Schon Ende 2016 hat uns Airbus empfohlen. Mit der Erweiterung dürfen jetzt die Wartungsingenieure nicht nur metallische, sondern auch Oberflächen aus Verbundstoff mit unserem Gerät überprüfen“, sagt Klaas.

Die Sicherheit des Fluggerätes steht in der Luftfahrt an oberster Stelle. Die Toleranzen beim Bau und der Wartung der Maschinen sind oft im Zehntelmillimeter-Bereich. Im Vergleich: Ein Haar hat einen Durchmesser von etwa 0,08 Millimeter. Der „dentCHECK 8TR-DC-002“ kann innerhalb von einer Zehntelsekunde Verformungen von 0,05 Millimeter messen. So weit dürfen Nieten herausstehen, um die Aerodynamik nicht zu beeinflussen. Ein großer Fortschritt für die Entscheidung, ob ein Flugzeug weiterfliegen darf, wenn die Außenhaut durch Hagel oder Vogelschlag beschädigt wurde. Mit herkömmlichen manuellen Messmethoden war das bis jetzt nur sehr umständlich und zeitraubend zu leisten.

Das Innenleben des dentCheck. Mit ihm können Oberflächen mit höchster Genauigkeit gemessen werden.
Das Innenleben des dentCheck. Mit ihm können Oberflächen mit höchster Genauigkeit gemessen werden. | Bild: Mardiros Tavit

„Ich habe mir überlegt, ob dieser Vorgang mit modernen Methoden nicht schneller zu erledigen ist“, erinnert sich Erik Klaas. Der Fotoingenieur tüftelte in seinem Keller in Daisendorf. Heraus kam ein optischer 3D-Scanner, der mehr leisten konnte als die handelsüblichen Scanner. „Diese messen und liefern ihre Ergebnisse in Punktewolken, die erst wieder umständlich ausgewertet werden müssen“, erklärt Klaas. Sein Scanner wirft das Ergebnis in Farbe auf die gescannte Oberfläche zurück. Die Fluggesellschaften TAP Air Portugal und die britische Easyjet berichten, dass ihre Wartungsingenieure 90 Prozent der Zeit bei der Beurteilung von Beschädigungen einsparen. Statt 16 Messungen mit der manuellen Methode können sie jetzt 240 Messungen die Stunde vornehmen. Die Fluggesellschaften machen dabei eine einfache Rechnung auf: Je schneller die Flugmaschinen wieder fliegen können, umso schneller können sie wieder Geld verdienen.

2012 gründete Erik Klaas seine Firma. Schon dabei dachte er an den internationalen Markt. „Für die Chinesen ist die Zahl acht eine Glückzahl“, weiß er: Er gab seiner Firma den Namen „8tree“. Den ersten Prototypen verkaufte er 2013. Erst zwei Jahre später gründete er die GmbH. Seit den Anfängen entwickelt sich das noch junge Start-up-Unternehmen in enormen Schritten. Mit Arun Chhabra hat Erik Klaas in den USA einen Mitgesellschafter, der den amerikanischen Markt betreut. Zu ihren Kunden zählen Flugzeugwartungsfirmen, Werkstätten an Flughäfen und die Fluggesellschaften selber. Klaas zählt auf Anhieb die British Airways, die FedEX mit über 700 Maschinen, Qatar Air, Delta Air, TAP, Singapore Airlines und SR Technics am Flughafen in Zürich auf. Namhafte Unternehmen der internationalen Luftfahrtbranche.

Stellen den weltweit einzigartigen 3D-Scanner mit Airbus-Empfehlung her (von lins): Hans Woerner (Software-Entwicklungsleiter), Mariam Mahmood, Jonas Eberhard (Software-Entwickler), Pia Böttcher (Betriebsleiterin) und Erik Klaas (Geschäftsführender Inhaber).
Stellen den weltweit einzigartigen 3D-Scanner mit Airbus-Empfehlung her (von lins): Hans Woerner (Software-Entwicklungsleiter), Mariam Mahmood, Jonas Eberhard (Software-Entwickler), Pia Böttcher (Betriebsleiterin) und Erik Klaas (Geschäftsführender Inhaber). | Bild: Mardiros Tavit

Bis Erik Klaas und Arun Chhabra so einen illustren Kundenstamm zusammen hatten, war viel Überzeugungsarbeit notwendig. Mit dem dentCHECK hatten sie bis jetzt weit über 100 Vorführungen. Mit der Airbus-Empfehlung bekam der Absatz einen Schub. Um den weltweiten Patentschutz hatte sich Klaas gleich als erstes gekümmert. Konnte er die Entwicklung und den Patentschutz noch aus seinem Keller heraus machen, so stand er schnell vor der Entscheidung der Weiterentwicklung seiner Firma. „Ich wäre gerne in Daisendorf geblieben, aber ich bekam keinen schnellen Internetanschluss“, erzählt Klaas. Wollte er sein Unternehmen international aufstellen, waren erstens das schnelle Internet und zweites die Fachkräfte ein Muss. Er entschied, mit der Firma nach Konstanz zu gehen und fand im Neuwerk seinen Standort. „Hier haben wir das technische Umfeld. Und durch die Nähe zu den Hochschulen können wir die nötigen Mitarbeiter akquirieren“, sagt der Ingenieur.

In der Zwischenzeit hat Erik Klaas ein kleines internationales Team zusammen. „Alle, die bei uns eine Master-Arbeit geschrieben haben, konnten wir übernehmen“, sagt Klaas. So wird in der Firma Arabisch, Türkisch, Englisch, Hindi und selbstverständlich Deutsch gesprochen. In Konstanz sind es aktuell sieben Angestellte, es kommen aber noch Praktikanten hinzu. Auch in den USA arbeitet neben Mitgesellschafter Chhabra eine weitere Kraft. „Wir wollen gerne weiter wachsen, aber es ist sehr schwierig, passende Mitarbeiter zu finden“, klagt Klaas.“ Verstärkung brauchen wir insbesondere bald für die Administration in unserem Büro in Konstanz. Schon im April werden wir in größere Räume im Neuwerk umziehen.“

 

Der 3D-Scanner

Weltweit ist der 3D-Scanner „dentCHECK“ einzigartig und patentiert. Mit ihm können Oberflächen mit höchster Genauigkeit gemessen werden. So dürfen im Flugzeugbau die Nieten, die die Außenhaut der Maschine zusammen halten, nicht mehr als 0,05 Millimeter herausragen, um nicht die Aerodynamik zu beeinflussen. Erik Klaas wollte ein Gerät bauen, das leicht bedienbar ist und die Messergebnisse schnell ermittelt und auch grafisch wiedergibt. Sein Scanner zeigt sofort auf dem Messfeld an, wo die Veränderungen in der Oberfläche sind und wie tief diese sind. Aktuell wird sein dentCHECK im Flugzeugbau und Automobilbau eingesetzt. Flugzeugbauer Airbus hat den 3D-Scanner zur Wartung seiner Flugzeuge offiziell empfohlen, was zu einer erhöhten Nachfrage geführt hat. Der 3D-Scanner wurde auch eingesetzt, als der Zeppelin in einen Hagelschauer geriet. So wurden die Beschädigungen am Leitwerk mit dem dentCHECK ermittelt. Im Internet: http://www.8-tree.com