Bürgermeister Jacqueline Alberti, seit November im Amt, arbeitet weiter ihre Wahlversprechen ab. Im Wahlkampf hatte sie die Überarbeitung des Leitbildes der Gemeinde und eine höhere Bürgerbeteiligung versprochen. Nun stellte sie auf ihrer ersten Bürgerversammlung als Bürgermeisterin ihr Konzept vor. Die Daisendorfer kamen bei dem sommerlichen Freitagabend zwar nicht in Scharen, aber rund 60 interessierte Bürger fanden doch noch den Weg in den Bürgersaal im Daisendorfer Rathaus. Darunter auch viele, die schon bei der ersten Ausarbeitung des noch aktuellen Leitbildes von 2001 mitgearbeitet hatten.

Für Alberti soll das neue Leitbild der Gemeinde zwei Funktionen erfüllen. "Es soll der Daisendorfer Kommunalpolitik eine Richtung geben. "Und ich will mich nach acht Jahren an dem Erreichten messen lassen", so Alberti. Dabei will sie den Vorteil einer kleinen Gemeinde ausnutzen, und direkt mit den Bürgern in Kontakt treten. In der Vorstellung des aktuellen Leitbildes zeigte sich, dass es trotz seiner 17 Jahre noch ziemlich aktuell war.

"Das Leitbild wurde nicht gelebt", bemängelte Peter Boese. Nach zehn Jahren habe er den früheren Bürgermeister darauf aufmerksam gemacht. "Sowas gibt es? Muss ich mal lesen", soll dessen Antwort gewesen sein. Hartmut Siemann hatte 2001 die Redaktion für die Schlussfassung des Leitbildes geleitet, pflichtete seinem Mitbürger bei: "Im aktuellen Leitbild steht, dass zu Beginn des Kalenderjahres ein Bericht zur Umsetzung des Leitbildes erstellt werden muss. Ich kenne keinen Bericht."

Rund 60 Bürger nahmen an der Bürgerversammlung zur Neufassung des Daisendorfer Leitbildes teil. Bild: Mardiros Tavit
Rund 60 Bürger nahmen an der Bürgerversammlung zur Neufassung des Daisendorfer Leitbildes teil. Bild: Mardiros Tavit

Alberti stellte das aktuelle Leitbild zum bessern Verständnis vor. Einige Punkte stellte sie dabei gleich in Frage. Über den ländlich-dörflichen Charakter und über den Begriff Wohngemeinde müsse diskutiert werden. "Die Themen Jugend und Alter kommen im Leitbild nicht vor", so Alberti.

Bei der Ideensammlung für das neue Leitbild waren dann die Bürger gefragt. Dabei zeigte sich, dass einige Vorschläge, die wenig mit dem Leitbild zu tun hatten, direkt umgesetzt werden konnten. So ein Briefkasten für Verbesserungsverschläge. "Das brauchen wir nicht in das Leitbild aufnehmen", nahm Alberti den Vorschlag auf. Ebenso wurde der Vorschlag nach einem öffentlichen Bücherregal behandelt. Alberti notierte alle weiteren Bürgerbeiträge. Die einzelnen Punkte wurden Themenbereichen zugeordnet.

 

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse der Bürgerversammlung werden veröffentlicht und die Daisendorfer bleiben weiter aufgerufen, sich an der Erstellung des neuen Leitbildes der Gemeinde zu beteiligen. Im nächsten Schritt werden Arbeitskreise gebildet. Ob diese an einem gemeinsamen Abend ihre Arbeit aufnehmen oder jeder unabhängig beginnt, ist aktuell nicht geklärt. Die Arbeitskreise bearbeiten ihre Themen dann eigenständig in öffentlichen Sitzungen und dokumentieren ihre Ergebnisse. Sie leiten aus ihrer Arbeit konkrete Ziele ab. Die Ergebnisse aller Arbeitskreise werden zum neuen Leitbild zusammengefasst. In einer zweiten Bürgerversammlung im Herbst wird dieses Leitbild vorgestellt. (mt)

 

Größere Diskussionen entwickelten sich bei den Themen Bauen und die Folgen neuer Technologien. Dabei zeigte sich, dass viel Fachwissen in der Bürgerschaft vorhanden ist. Wie beim ehemalige langjährigen Gemeinderat Heinrich Straub zum Beispiel. Er betreut auf der Insel Mainau das Umweltmanagement und die Arbeitssicherheit. Davor arbeitete er bei der Nachbargemeinde Uhldingen-Mühlhofen im Umweltmanagement. Er erklärte sich bereit das Kapitel "Menschliches zusammenleben" zu leiten. Schon beim ersten Leitbild hatte er mitgewirkt. "Ich bin gespannt was wir auf den Weg bringen", so Straub. "Die Bürgerbeteiligung soll die Arbeit des Gemeinderats nicht schmälern, sondern unterstützen".

Daisendorfs neue Bürgermeisterin Jacqueline Alberti (Mitte, in Rot) leitete ihre erste Bürgerversammlung. Ihr Gemeinderat saß mit am Leitungstisch: (von links) Thomas Ritsche, Markus Löchle, Michael Hucht. Jacqueline Alberti, Siegfried Willibald, Birgit Schley, Otto Köhler. Bild: Mardiros Tavit
Daisendorfs neue Bürgermeisterin Jacqueline Alberti (Mitte, in Rot) leitete ihre erste Bürgerversammlung. Ihr Gemeinderat saß mit am Leitungstisch: (von links) Thomas Ritsche, Markus Löchle, Michael Hucht. Jacqueline Alberti, Siegfried Willibald, Birgit Schley, Otto Köhler. Bild: Mardiros Tavit

Die Veranstaltung und das Vorhaben kamen bei den interessierten Bürgern gut an. So auch bei Wolfgang Gerieke. Der Rentner lebt seit 2012 in der Gemeinde. "Ich liebe das Dorfleben", erklärte der Berliner, und findet es richtig, wenn die Bürger sich einbringen. Aber ihm fehlten die jüngeren Generationen. "Das Thema ist trocken und das Wetter war schön. Die Jugend engagiert sich eher in den Vereinen. Das Interesse an einer lebendigen Gemeinde besteht", meinte Johanna Menner. Mit 31 Jahren war sie die Jüngste aus der Bürgerschaft.

Für die mangelnde Teilnahme der Generation zwischen 30 und 60 Jahren hatte Bürgermeister-Stellvertreterin Birgit Schley wenig Verständnis: "Die jungen Familien haben mir gefehlt. Es geht doch um ihre Zukunft in der Gemeinde." Sie selbst würde beim Thema Kultur und Kunst mitmachen. "Das Leitbild steht und fällt mit den Bürgern", ergänzte ihr Gemeinderatskollege Markus Löchle. Auch Alberti war das Fehlen der jüngeren Generation aufgefallen. "Ich werde noch einige Bekannte direkt ansprechen", kündigte sie an. Aber insgesamt war sie mit der Veranstaltung zufrieden. "Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat. Es ist ein spannendes Experiment. Wir haben jetzt elf Punkte erarbeitet, das ist jede Menge". Am Ende gebe es einen Leitfaden. an dem sie sich messen lassen möchte.

 

Elf Kapitel für elf Arbeitskreise

Das neue Leitbild für Daisendorf ist in elf Kapitel unterteilt, die in elf Arbeitskreisen bearbeitet werden. Die zehn Gemeinderäte arbeiten jeweils in einem mit, die Bürgermeisterin übernimmt den freien. In der Bürgerversammlung erklärten sich bereits einige Bürger und Gemeinderäte zur Betreuung bestimmter Themenbereiche bereit. Drei große Themen dominierten die Diskussion: Der dörfliche Charakter und die Zukunft des Bauens, das Zusammenleben und die Auswirkungen neuer Technologien. Die Themen im Einzelnen:

  • "Charakter des Dorfes". Dieter Batzlen betreut diesen Arbeitskreis, der die Formulierungen "ländlich-dörflicher Charakter" und "Wohngemeinde" aus dem alten Leitbild überarbeitet soll.
  • "Wohnen und Leben". Themen hier sind die unter anderem die Optik des Dorfes und die Freizeitanlage.
  • "Siedlungs- und Landschaftsentwicklung". Die Bauentwicklung ist unter diesem Kapitel zusammengefasst.
  • "Menschliches Zusammenleben". Heinrich Straub und Siegfried Willibald betreuen diese Kapitel. Hier sollen die Themen soziale Unterstützung im Alltag, die Kommunikation zwischen den Bürgern und die Hilfe für sozial schwache Bürger ihren Niederschlag finden.
  • "Moderne Technik im Alltag". Die Auswirkungen und das Leben mit modernen Technologien hat sich Hartmut Siemann auf die Fahne geschrieben. Er möchte Themen wie Breitbandausbau, internetferne Bürger und Internethandel unter einen Hut bringen.
  • Weitere Arbeitskreise befassen sich mit Umwelt und Natur, dem Energiekonzept, dem Tourismus, Arbeit und Wirtschaft, Kultur und Kunst, dem Straßenverkehr. Die Themenüberschneidungen sollen erst in der Beschlussfassung des Leitbildes behandelt werden.