Schon die Gründung des Vereins verlief etwas holprig. Das Tourismus-Marketing im westlichen Bodenseekreis musste vor zwölf Jahren neu geregelt werden. Die touristische Betreuung der Gemeinden Frickingen, Salem, Daisendorf, Stetten, Owingen und Herdwangen-Schönach oblag der "Wirtschaftsförderung West" (WFG). Die Wirtschaftsförderung wurde in der Wirtschaftsförderung Bodenseekreis (WFB) neu organisiert, wobei die Touristik rausfiel. Der Tourismus sollte daraufhin ab Ende 2006 in den Händen des selbstständigen Vereines Bodensee-Linzgau-Tourismus (BLT) liegen. Bis zur Gründungssitzung mussten aber noch einige Hürden genommen werden.

Der Reichtum der Sankt-Martins-Kapelle sind die 500 Jahre alten Fresken eines unbekannten Meisters. Die "Heilige Sippe" über dem barocken Hochalter der Kapelle.
Der Reichtum der Sankt-Martins-Kapelle sind die 500 Jahre alten Fresken eines unbekannten Meisters. Die "Heilige Sippe" über dem barocken Hochalter der Kapelle. | Bild: Mardiros Tavit

So stieg die Gemeinde Stetten aus, sie wollte sich eher an Meersburg und einem seenahen Tourismuskonzept orientieren. Dafür stieg die Gemeinde Heiligenberg ein. Und beinahe scheiterte das Ganze an der Gemeinde Frickingen, damals mit ihrem Bürgermeister Joachim Böttinger. Es musste noch einmal über die Satzung gesprochen werden, denn die Stimmenanteile und die Betreuung der Angestellten passten Böttinger nicht. Alle Unstimmigkeiten wurden in einer Art Krisensitzung auf Bürgermeisterebene aus dem Weg geräumt. Bei Infoveranstaltungen wurde bei den Vermietern für den neuen Verein geworben.

2006 gab es 44 Gründungsmitglieder

Die Gründungssitzung ging dann am 22. November 2006 reibungslos über die Bühne. Neben den sechs Gemeinden Salem, Frickingen, Heiligenberg, Owingen, Herdwangen-Schönach und Daisendorf schrieben sich 44 Gründungsmitglieder in der Gründungsurkunde ein. Heute hat der Verein über 130 Mitglieder. Mit der Gemeinde Daisendorf hat nun ein Gründungsmitglied den Tourismusverein nach fast zwölf Jahren verlassen. Daisendorfs Bürgermeisterin Jacqueline Alberti konnte fristgerecht sechs Monate vor Jahresende, also vor dem 30. Juni 2018, gegenüber dem BLT das Kündigungsschreiben einreichen. Bis dahin wurde in der Gemeinde intern und öffentlich viel diskutiert.

Neuordnung schon im Bürgermeisterwahlkampf angekündigt

Schon im Bürgermeisterwahlkampf im Sommer 2017 hatte Alberti die Neuordnung des Tourismusmarketings der Gemeinde zur Diskussion gestellt. Mit der Haushaltsplanung für das Jahr 2018 kamen die 11 200 Euro, die die Gemeinde an den BLT zahlte, wieder zur Disposition. Entschieden wurde dann quasi im letztmöglichen Augenblick.

Entscheidung elf Tage vor Fristende

In der Gemeinderatssitzung am 19. Juni, also elf Tage vor Fristende, wurde der Tagesordnungspunkt sieben "Verbleib und Beschlussfassung – Beratung und Beschlussfassung" fünf Minuten diskutiert und der Austritt aus dem BLT zum 31. Dezember 2018 beschlossen. Von den bisherigen 11 200 Euro, die an den BLT überwiesen wurden, sollen 5000 Euro weiterhin für den Tourismus ausgegeben werden. Die Verwaltung wurde beauftragt, für das Jahr 2019 ein touristisches Konzept zu erarbeiten. Mit dem Rest soll eine bessere verkehrstechnische Anbindung mit einer Pendelbusverbindung erreicht werden.

Anfragen vor allem über das Internet

Die Gemeinderäte konnten den Beschluss nur deshalb so schnell fassen, weil Alberti vor der Gemeinderatssitzung die Bürger und besonders die Vermieter zum Meinungsaustausch über Verbleib und Austritt in den Bürgersaal eingeladen hatte. Von den 42 Vermietern kamen nur fünf. Womit nicht mal alle acht Vermieter kamen, die selbst im BLT Mitglied sind. Ihre Enttäuschung und auch ihren Ärger über die geringe Teilnahme der Vermieter äußerten fast alle Gemeinderäte in ihren Wortbeiträgen. Einig waren sich alle darin, dass die Anfragen von Gästen eher über das Internet reinkommen, somit der Internetauftritt der Gemeinde angepasst werden müsste.

Ein außergewöhnliches Fresko, obwohl in 500 Jahren sehr mitgenommen und verblasst. Rechts das Heiligenbild des Heiligen Martins von Tours. Links eine Vedute des Heiligen Sebastian, dessen Martyrium in den Bodensee verlegt wurde. Auf dem Pfeil ist die Stadt Konstanz zu erkennen.
Ein außergewöhnliches Fresko, obwohl in 500 Jahren sehr mitgenommen und verblasst. Rechts das Heiligenbild des Heiligen Martins von Tours. Links eine Vedute des Heiligen Sebastian, dessen Martyrium in den Bodensee verlegt wurde. Auf dem Pfeil ist die Stadt Konstanz zu erkennen. | Bild: Mardiros Tavit

Vermieterin Elisabeth Thomas, selbst BLT-Vorstandsmitglied, fasste die Interessen der Vermieter zusammen. "Die Buchungen kommen über das Internet. Unsere Gäste sind an der ruhigen seenahen Lage interessiert und wollen wissen, was sie von hier aus unternehmen können."

Gäste-Anfragen kommen künftig im Rathaus an

Ab 2019 verzichtet die Gemeinde auf die BLT-Dienstleistungen wie Zimmervermittlung, Beantwortung von Anfragen und die Bewerbung von Veranstaltungen in der Gemeinde Daisendorf. Elisabeth Thomas wies darauf hin, dass zukünftig alle Gäste-Anfragen im Rathaus auflaufen werden und nicht mehr bei der BLT, somit dort Personal aufgebaut werden müsste.