Für gewöhnlich bekommen neue Amtsträger von der Bevölkerung und der Presse eine Einarbeitungszeit von 100 Tagen zugesprochen. Umgangssprachlich wird diese Zeit humorig auch als "Welpenschutz" bezeichnet. Die Einarbeitungszeit von Jacqueline Alberti als neue Bürgermeisterin von Daisendorf ist vorbei. Im SÜDKURIER-Gespräch blickt sie auf die erledigten und die kommenden Aufgaben.

Als Alberti im Spätherbst das Amt antrat, fand sie viel Arbeit vor. Den aufgrund der langfristigen Erkrankung ihres Amtsvorgängers blieb vieles liegen. So drängten die Narrenzunft Sumpfmeister darauf, die straßenrechtlichen Anträge für ihre Umzüge zu bearbeiten. Die Sumpfgeister feiern dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen und benötigten Planungssicherheit. Doch viel schwerwiegender waren die Haushaltsplanungen. Im 4,2-Millionen-Euro-Haushalt blieb kein Spielraum. Nach Investitionen in die Kindergartengartenerweiterung, den Breitbandausbau, neue Wasserleitungen und die Feuerwehr blieb am Ende immer noch ein kleines Minus. Im Wahlkampf hatte Alberti versprochen, die Gemeinde schuldenfrei zu führen, nun war sie gezwungen, zur Deckung des Haushalte schon in ihrem ersten Amtsjahr ein Darlehen über 90 000 Euro aufzunehmen. Zusätzlich wurden die kommunalen Abgaben erhöht. Die Hebesätze für die Grundsteuer, die Hundesteuer und die Wassergebühren wurden nach Jahren erhöht. Als nächstes stehen die Kindergartengebühren zur Diskussion und Neuberechnung an. In den Haushaltsangelegenheiten weißt sie den Gemeinderat hinter sich.

Zügig schreitet auch der Breitbandausbau in der Gemeinde voran, hier in der Straße Am Worenberg, wo gleichzeitig eine Wasserleitung über Gemeindegrund neu verlegt wird, die bisher über Privatgrundstücke lief – was der Gemeinde bei Wartungsarbeiten Probleme bereitete.
Zügig schreitet auch der Breitbandausbau in der Gemeinde voran, hier in der Straße Am Worenberg, wo gleichzeitig eine Wasserleitung über Gemeindegrund neu verlegt wird, die bisher über Privatgrundstücke lief – was der Gemeinde bei Wartungsarbeiten Probleme bereitete.

Mehr Termine im Festkalender

Im Rahmen der Etatverhandlungen hatte Alberti die Frage aufgeworfen, ob die Mitgliedsgebühr in Höhe von 17 000 Euro für den Tourismusvermarkter "Bodensee-Linzgau Tourismus" gerechtfertigt sei. Das Thema Tourismus nimmt sie auch als Bespiel für ihr aktuell größtes Vorhaben.

Im Wahlkampf hatte sie mehr Transparenz im politischen Handeln und mehr Bürgerbeteiligungen versprochen. "Ich möchte auf alle Fälle noch im März eine Bürgerversammlung einberufen", kündigt Alberti an. Die Bürgerversammlung leitet den Prozess für ein neues Leitbild der Gemeinde ein. "Das alte Leitbild ist 17 Jahre alt und muss angepasst werden", sagt sie, "grundsätzlich sollte das Leitbild zu Beginn der Amtsperiode für den Bürgermeister erstellt werden. Es würde dann, wie Mitarbeiter-Zielvereinbarung in der freien Wirtschaft, eine solche mit dem Bürger sein." Denn für sie ist das Leitbild der Gemeinde "Fahrplan und Wegweiser" für ihre Arbeit als Bürgermeisterin, woran sie sich messen lassen möchte.

Das Thema Tourismus führt sie nicht weiter öffentlich aus. "Der Gemeinderat wird sich damit in seiner kommenden Sitzung beschäftigen, dem möchte ich nicht vorgreifen", lautet ihr Kommentar dazu. Auch wenn sie das neue Touristikkonzept noch im Dunkeln lässt, hat Alberti für die kommende Touristiksaison schon zusätzliche Termine im Festkalender der Gemeinde eingeplant. Am 29. August gibt das Bodensee-Akkordeon-Orchester Fiorini wieder ein Konzert in Daisendorf. Und am 19. September soll es ein Saison-Abschlussfest geben, wobei die Einzelheiten noch nicht fix sind. Unter dem Motto "Daisendorf bewegt sich – kulinarisch" ist eine Wanderung durch das Dorf zu kulinarischen Orten wie Bäckerei Mayer, Weinhandlung Bernhard und den Wirtschaften Deifel, Dorfkrug und Hermannsdorfer geplant. "Die Termine sind dadurch entstanden, dass Bürger auf mich zugekommen sind. " Alberti baut auch in ihrer zukünftige Arbeit auf die Daisendorfer Bürger.

Ein Vorhaben, das den Bürgern im Wahlkampf auf dem Herzen lag, und womit sie im Gemeinderat offene Türen eingerannt ist, hat sie auch schon umgesetzt: eine städtebauliche Veränderungssperre am Gebiet Wohrenberg. "Das Regierungspräsidium hat uns mitgeteilt, dass der Bebauungsplan am Wohrenberg teilweise funktionslos ist. Um den Bestand zu schützen und eine ausufernde Neubebauung zu verhindern, haben wir in diesem Gebiet eine Veränderungssperre beschlossen", so Alberti. Denn sobald Grundstücke zum Verkauf angeboten werden, würden Spekulanten zuschlagen, Einheimische hätten dann keine Chance. "Das Gebiet mit Alpenblick hat eine exponierte Lage", sagt Alberti. Für die Überplanung des Wohrenbergs hat die Gemeinde jetzt zwei Jahre Zeit mit der Möglichkeit der Verlängerung dieser Planungszeit.

Der Weg zum neuen Leitbild für Daisendorf

  • Das Leitbild Agenda 21 der Gemeinde Daisendorf wurde im September 2001 angenommen. Jacqueline Alberti hatte im Wahlkampf damit geworben, dass sie es in Zusammenarbeit mit den Bürgern aktualisieren möchte. Hierfür soll im ersten Schritt Ende März eine Bürgerversammlung stattfinden. Darin werden Ideen für die Themenbereiche des Leitbildes gesammelt, wobei die alten Themen weiterentwickelt und mit Jugend und Tourismus neue Themen aufgenommen werden könnten.
  • Im zweiten Schritt werden zum Ausarbeiten der einzelnen Themenbereiche Arbeitskreise gebildet. Jeder Bürger kann in den Arbeitskreisen mitarbeiten. Idealerweise soll an jedem Arbeitskreis ein Mitglied des Gemeinderates oder der Verwaltung teilnehmen. Die Arbeitskreise tagen öffentlich, und auch die passive Teilnahme an den Arbeitskreis-Sitzungen ist möglich. Ihre Arbeit wird dokumentiert, die Protokolle sind für die Bürger einsehbar.
  • Eine weitere Bürgerversammlung ist der abschließende Schritt zum neuen Leitbild. Nach sechs bis sieben Monaten sollen die Ergebnisse vorgestellt und die Themenhintergründe und die Vorgehensweise der Arbeitskreise erläutert werden. Am Ende werden die Themen zum neuen Leitbild zusammengefasst.
  • Aus der Agenda 21, dem aktuellen Leitbild der Gemeinde, sind die Energiekonzeptgruppe und die Umwelt-Amphibien-Gruppe hervorgegangen. Jacqueline Alberti erhofft sich für das neue Leitbild ähnliche Gruppenbildungen, die die Themen eigenständig weiterentwickeln, zum Beispiel im Bereich Tourismus.