„Tiere stehen unter Schutz, Menschen nicht“, resümierte Elke Dilger, Vorsitzende des Verbands Badischer Berufsfischer am Bodensee, bei der Jahresversammlung im „Dorfkrug“. Damit umriss sie die Probleme des Berufsstandes durch die Kormorane und ihren Hunger sowie, damit zum Teil verbunden, der geringe Ertrag der Fischer. Daneben brachten Vorträge zum Thema Aal interessante Einblicke in Forschungsvorhaben. Die Mitglieder bestätigten bei den Wahlen den Vorstand.

Viele Aktivitäten bestimmten das Jahr der Vorsitzenden. Sie hatte sich mit Politikern jeglicher Parteien getroffen, an Fachtagungen teilgenommen, Vorträge gehalten, zu Anfragen des Landratsamts Stellung bezogen und Vieles mehr.

Schriftführerin Heike Winder erinnerte an die Veranstaltungen der Berufsfischer: Es gab unter anderem Treffen zum Thema Patente und deren Vergabe, Laichfischerei, Mikroplastik in Fischen und ein Fachforum über Felchen. Über ein kleines Plus freute sich Kassiererin Edith Dickreiter.

Quagga-Muschel vermehrt sich explosionsartig

Was 2018 bekannt wurde, wird auch künftig Thema sein, das Stichling-Vorkommen im Bodensee. Ein weiteres neues Neozoon ist die Quagga-Muschel. Sie vermehre sich „explosionsartig“ im See, so Elke Dilger. Ungeklärt ist, welche Auswirkungen sie im Bodensee haben wird.

Offensichtlich ist auch die Zunahme bei den Kormoranen, die mehr Fische verschlingen, als die Berufsfischer für den Verzehr fangen. Bei täglichem Appetit von bis zu 550 Gramm pro Tag und ausgewachsenem Kormoran – ein junges Tier frisst bis zu 350 Gramm -, mache das eine Gesamtmenge von 212 Tonnen bei 1833 Exemplaren am Bodensee aus, und die Kurve gehe stetig nach oben. Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Während die Österreicher und die Bayern die Kormorane vergrämen, flüchten diese ins Württembergische und Badische und haben ein ungestörtes Dasein in Naturschutzgebieten.

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Elke Dilger berichtete von den Maßnahmen gegen die hungrigen Vögel, wie dem österreichischen Vorzeigeprojekt im Einklang mit Naturschutzverbänden und Fischerei: Hier wird auf ein Level von 30 bis 60 Brutpaaren und etwa 300 Kormoranen geachtet – nach oben wie unten. Die Umsetzung europäischen Rechts – in diesem Fall die Vergrämung oder der Abschuss der Vögel -, scheitere im Badischen und Württembergischen an den Naturschutzbehörden.

Hier strebe man eine Übereinstimmung an, die Berufsfischer hoffen auf Gespräche. „Wir Bodenseefischer werden reduziert und dem Fischbestand angepasst, der Kormoran vermehrt sich ungebremst“, so Dilger. Stefan Riebel vom Untersee fordert hier permanenten Druck von der Basis, um EU-Recht zur Dezimierung umsetzen zu können. Der Kormoran fresse nicht nur viel, sondern verletze viele weitere Fische bei seinen Fangversuchen, sagte Ulrich Hargina vom Landesfischereiverband Berufsfischer und Teichwirte.

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Die Fischereipatente nehmen am ganzen See stetig ab: Waren es 1934 noch 218, 131 in 2015, so sind es 2019 noch 80. „Sollte man sich nicht lieber darum kümmern, dass wieder mehr Fische mit 'Tierwohl' heranwachsen können, anstatt die Fischer zu reduzieren?“, fragte Elke Dilger und verwies auf die Versorgung der zunehmend sensibilisierten Menschen, die hochwertige, gesunde, natürlich gewachsene und regionale Nahrungsmittel wollen, und das für den Tourismus wichtige Markenzeichen Bodenseefelchen.

Bodensee in einem Wandel

Der Bodensee befindet sich in einem Wandel und damit das Verhalten der Fische bezüglich Laichzeit und -orten, Fressen und Altersstruktur, bedingt durch Veränderungen, wie beim Nahrungsangebot im See und bei den Seepflanzen.

Deshalb forderte sie ein Mitsprache- und Stimmrecht in der Internationale Bevollmächtigen-Konferenz für die Bodenseefischerei, um schnellere und flexiblere Beschlüsse fassen zu können.

Sorge wegen Ausfall der Felchenlaichfischerei

Sorgen bereitete auch der Ausfall der Felchenlaichfischerei 2018 – nach mehr als 50 Jahren, die bisher die natürliche Reproduktion unterstützte. Hier fürchten die Fischer um den Felchen; der Laichfang müsse neu beobachtet und geregelt werden. Die staatliche Unterstützung der Fischbrutanstalt in Langenargen mit fünf Brutanstalten am Bodensee wird von den Berufsfischern sehr geschätzt.

Etwas Optimismus wollte Agrarwissenschaftler Jan Baer von der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg in Langenargen verbreiten. Die Naturverlaichung der Fische im See sorge auch für die Zukunft.

Aale sollen mit Sendern versehen werden

Er sowie Bertram Wanner, Vorsitzender des Angelsportvereins Konstanz, und Biologin Eva Baier aus St.-Gallen berichteten über den Aal, einen nicht erforschten Fisch, der in seiner Art ebenfalls gefährdet ist. Die Fischer wurden über Bestand, Maßnahmen zum Erhalt, Gefahren für die Tiere und die Entwicklung von Sendern informiert, mit denen man die Aale eventuell bestücken und dann ihre über 5000 Kilometer lange Reise zum Laichen an die Sargasso-See verfolgen kann.