Der Bodenseekreis und der Landkreis Konstanz machen gemeinsame Sache. Als Region Westlicher Bodensee bewerben sie sich um Mittel aus dem EU-Programm Leader für die Förderperiode 2023 bis 2027. Beteiligt sind insgesamt 26 ländlich geprägte Kommunen: sechs aus dem Bodenseekreis, 20 aus dem Kreis Konstanz. Seit November 2021 wird an einem Entwicklungskonzept für die Region gefeilt. Dieses muss im Auswahlverfahren überzeugen, damit der Raum Westlicher Bodensee Aktionsgebiet werden kann.

Leader-Programm und kreisübergreifendes Projektgebiet

Irmtraud Schuster, Dezernentin für Umwelt und Technik im Landratsamt des Bodenseekreises, erklärte in ihrer Begrüßung beim Bürgerforum im Kultur|O in Owingen: „Es ist nicht irgendwas, sondern ein großes Ding.“ Im Juli werde die Bewerbung inklusive Entwicklungsprogramm bei der Landesregierung eingereicht. Dieses besteht aus drei Handlungsfeldern: 1. Resiliente Gemeinden, 2. Nachhaltiges Wirtschaften, 3. „GesundRegion“. In diesen Handlungsfeldern wurden jeweils vier Ziele definiert. Diese wiederum sind im Ganzen in 36 Teilziele unterteilt. Dazwischen können sich Querschnittsziele ergeben.

Die Handlungsfelder des Entwicklungskonzepts

Ein Beispiel: Ein Ziel im Handlungsfeld Resiliente Gemeinden lautet wohnortnahe Versorgung. Darunter findet sich als Teilziel: nachhaltige Mobilitäts- und Logistiklösungen als ÖPNV-ergänzende Angebote. Hier könnten sich etwa Projekte für Bürgerbusse und ähnliche Vorhaben einordnen. Josef Bühler vom begleitenden Büro Neuland Plus erklärte: „In vielen Bereichen gibt es schon sehr gute Projekte.“ Sie können über Leader Fördermittel erhalten – genauso neue Ideen Aufschwung gewinnen. Im Prinzip geht es darum, Potenziale zu entwickeln und „Risiken anders zu managen“, sagte Bühler. Mit Risiken sind zum Beispiel Wetterereignisse gemeint.

Projekte und Ideen können bereits integriert werden

Private und öffentliche Vorhabenträger können profitieren. Schon jetzt sind sie aufgefordert, ihre Vorschläge und Projekte einzubringen. Denn die Handlungsfelder werden mit konkreten Projektvorschlägen unterfüttert. Egal, ob bereits vorhanden oder erst in der Entstehung. „Leader ist eine partizipative Regionalentwicklung“, rief Gerda Peuling den Zuhörern zu. Ein Publikum gemischt aus Bürgern und Verwaltungsmitarbeitern.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie Leader funktioniert, zeigte sich anhand einer Wortmeldung im Plenum. Ein Besucher schlug vor, Ärzten finanzielle Anreize zu bieten. Gerade in den ländlichen Gemeinden besteht oft ein Mangel. Josef Bühler sagte: „Leader kann Ärzte unterstützen, wenn sie sagen, wir verändern unsere Gebäude oder bieten Ausbildung an.“ Leader könne nicht für einen Umbruch im Gesundheitsbereich verantwortlich sein, aber Projekte unterstützen. „Es ist kein Versorgungs-, sondern ein Ressourcenprojekt“, führte Bühler aus.

Für die neue Förderphase wird es in Baden-Württemberg Gerda Peulings Angaben nach voraussichtlich 21 Bewerbungen geben, 15 Regionen werden ausgewählt. Voraussetzung für die Bewerbung ist das regionale Entwicklungskonzept. Anfang des vierten Quartals könnte der Westliche Bodensee als Aktionsgebiet feststehen und Mitte 2023 über ein eigens eingerichtetes Regionalmanagement die erste Projektbewilligung vergeben werden.

Gerda Peuling von Neuland Plus (Zweite von links) debattiert mit Besuchern über das Handlungsfeld „GesundRegion“.
Gerda Peuling von Neuland Plus (Zweite von links) debattiert mit Besuchern über das Handlungsfeld „GesundRegion“. | Bild: Santini, Jenna

Für Philipp Gärtner, Umweltdezernent im Landratsamt des Landkreises Konstanz, hätte eine Zusage der Landesregierung zusätzlich zu einem finanziellen einen emotionalen Wert: „Die zwei Landkreise sind künstlich gespalten. Wir haben zwei verschiedene Regierungspräsidien, zwei verschiedene Regionalverbände.“ Aber eigentlich sei es ein Gebiet, das sehr stark zusammenhänge, sagte er in seinen Schlussworten. So sind im Logo „Leader Westlicher Bodensee“ auch keine Landkreisgrenzen eingezeichnet.