Dass der Bodensee komplett zugefroren war und Schlittschuhläufer sich auf dem Eis bewegen konnten, ist lange her: Eine Seegfrörne gab es zuletzt 1963, also vor 58 Jahren.

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Damit ein Gewässer zufriert, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Welche das sind, erläutert Jürgen Schmidt, Meteorologe und Geschäftsführer von Wetterkontor: „Es kommt unter anderem darauf an, wie groß das Gewässer ist. Die Wassertemperatur muss erst einmal unter null Grad sinken. Je größer das Gewässer ist, desto länger dauert der Prozess. Wasser kühlt sich deutlich langsamer ab als der Erdboden.“

Schlittschuhfahrer sind im Januar 2017 zwischen Rotachmündung und Eriskircher Ried auf dem Eis unterwegs.
Schlittschuhfahrer sind im Januar 2017 zwischen Rotachmündung und Eriskircher Ried auf dem Eis unterwegs. | Bild: Bömelburg, Christina

Dauerfrost notwendig

Damit also ein heimisches Gewässer wie momentan der Schlosssee in Salem zufriert, muss es auf jeden Fall eine längere Periode mit Dauerfrost geben. Die Temperatur sollte tagsüber nicht zu lange und nur wenig im Plus-Bereich sein und bestenfalls sind auch die Nächte klar und sehr kalt.

Das bestätigt Tatjana Erkert, Pressesprecherin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Die LUBW betreibt das Institut für Seenforschung in Langenargen. „Je mehr und je länger die Lufttemperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, umso mehr frieren zunächst die flachen Seeteile zu“, sagt Erkert.

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Eisdecke sollte mindestens 15 Zentimeter dick sein

Wenn ein Gewässer zugefroren ist, empfiehlt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) dieses erst zu betreten, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist. Bei einem fließenden Gewässer nur, wenn das Eis mindestens eine Dicke von 20 Zentimetern erreicht hat. „Die Dicke der Eisdecke kann anhand von Bohrlöchern festgestellt werden. Auch ein vorsichtiger Test ist möglich. Dünnes Eis schwingt beim Betreten“, sagt Armin Förster von der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen.

Welche Bereiche besonders gefährlich sind

In Baden-Württemberg gilt: Jeder, der aufs Eis geht, macht dies auf eigene Verantwortung. Das Eis werde laut Armin Förster schon seit Jahren nicht mehr freigegeben. Da ein Laie das Risiko nur schwer abschätzen könne, sollte die Eisdecke fortlaufend beobachtet werden, da der See nicht von heute auf morgen zufriere. Besonders gefährliche Stellen seien die Bereiche, an denen Bäche oder Quellen in den See münden, erklärt Förster: „Überall da, wo Wasser nachfließt. An diesen Stellen gefriert das Wasser, da es in Bewegung ist, schlechter beziehungsweise langsamer. Dasselbe gilt für Wind, auch hier ist das Wasser in Bewegung. Und Vorsicht: Wärmeres Wasser kann auch von unten nachströmen.“

Still und starr ruht der See: Der Yachthafen in Friedrichshafen war im Februar 2018 in Ufernähe zugefroren.
Still und starr ruht der See: Der Yachthafen in Friedrichshafen war im Februar 2018 in Ufernähe zugefroren. | Bild: Kipar, Sandro
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Nie alleine aufs Eis

Wer sich mit Schlittschuhen aufs Eis traut, sollte nie alleine losziehen. Optimal sei ein Beobachter am Ufer mit Eis-Rettungsgerät, zum Beispiel einer Leiter oder einem Seil, sagt Armin Förster. Schlittschuhläufer sollten auf dem Eis außerdem eine Schwimmweste tragen und bei schlechter Sicht die Eisfläche erst gar nicht betreten.

„Je dünner die Eisdecke, desto geringer die Tragfähigkeit, desto größer sollten die Abstände der einzelnen Personen zueinander sein.“
Armin Förster, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen

Bodensee könnte noch teilweise zufrieren

Bisher habe es in diesem Jahr am Bodensee keine Vorfälle mit eingebrochenen Menschen gegeben, berichtet Armin Förster. Doch wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Bodensee in diesem Winter noch teilweise zufriert? Meteorologe Jürgen Schmidt gibt eine Einschätzung: „Grundsätzlich besteht die Möglichkeit noch, da wir jetzt im Januar erst in die normalerweise kälteste Phase bei einem durchschnittlichen Winter kommen. Ab Mitte oder Ende Februar wird es dann aber in der Bodenseeregion eher schon wieder zu warm, damit sich dann noch einmal auch auf größeren Gewässern eine tragende Eisdecke entwickeln kann.“

Blick auf den noch eisfreien Bodensee und das verschneite Pfahlbaumuseum in Unteruldingen im Hintergrund.
Blick auf den noch eisfreien Bodensee und das verschneite Pfahlbaumuseum in Unteruldingen im Hintergrund. | Bild: Hilser, Stefan