Sie heißen Irene, Anne, Tine, Doris und Margarete und sind fast alle 69 Jahre alt. Tine ist mit 56 Jahren die Jüngste im Bunde. Im August 2019 wurde sie Großmutter: „Das ist für mich aber auch eine zusätzliche wichtige Motivation, mich gegen Missstände und bedenkliche Entwicklungen zu stellen und meine Stimme zu erheben.“ Bedingung, um eine „Oma gegen Rechts“ zu werden, ist es allerdings nicht, tatsächlich Enkelkinder zu haben.

Frauen mit Lebenserfahrung wollen Präsenz zeigen

Es geht vielmehr um die Präsenz von Frauen mit Lebenserfahrung, die politisch aktiv sind, um die Bandbreite der Gesellschaft abzubilden. So war die Gruppe beispielsweise auch bei einer AfD-Veranstaltung mit der Bundestagsabgeordneten Alice Weidel in Ettenkirch vor Ort. „Ich denke, ich muss jungen Leuten, also auch meinen Enkeln, Engagement und Zivilcourage vorleben, auch wenn es nicht immer bequem ist“, erklärt die ehemalige Volksschullehrerin Anne aus Lindau ihre Motivation. Das sei vor allem jetzt wichtig, in dieser Zeit, in der wieder Gefahr von Rechts drohe: „unerträglich und Angst machend für mich!“ Irene, die gemeinsam mit Margarete die Omas gegen Rechts Lindau ins Leben gerufen hat, sieht „Wehret den Anfängen“ als wesentlichen Punkt. Das habe sie, ebenfalls ehemals Lehrerin, auch immer versucht, ihren Schülern zu vermitteln: „Gerade deswegen finde ich es auch wichtig, Haltung gegen alle Formen von ‚-ismus‘ zu zeigen.“

Akteurinnen schlägt teils Aggression entgegen

Haltung und Gesicht bei Gegendemonstrationen zu zeigen, ist das Ziel der Omas gegen Rechts. Gleichzeitig möchten die meisten von ihnen lediglich ihre Vornamen nennen. Als Grund nennen sie nicht nur die Privatsphäre, sondern vor allem die aggressive Stimmung, die ihnen entgegenschlage. Besonders einprägsam war die „Klardenken“-Veranstaltung in Lindau etwa für Tine: „Ich bin eigentlich keine besonders ängstliche Frau, aber gerade dieses Erlebnis bewegt mich dazu, nur meinen Vornamen zu nennen.“

Doris und Margarete der Omas gegen Rechts sprechen bei der Gegenveranstaltung in Ettenkirch.
Doris und Margarete der Omas gegen Rechts sprechen bei der Gegenveranstaltung in Ettenkirch. | Bild: Lena Reiner

Auch die 69-jährige Margarete, die die Omas gegen Rechts in Lindau initiiert hat, hatte ein solches Erlebnis. Erschüttert habe sie die Aussage eines AfD-Sympathisanten in Weingarten: „Jetzt wird es Zeit, sich gegen das Gesockse zu bewaffnen.“ Mit „Gesockse“ habe er sie gemeint, die Omas gegen Rechts, die Studis für Weingarten und die übrigen Gegendemonstranten: „An dieser Stelle erklärt sich, warum es mutig genug ist, zu Demos zu gehen. Der volle Name muss da nicht auch noch genannt werden.“ Zur Gründung inspiriert habe sie das Buch „Omas gegen Rechts“ der Österreicherin Monika Salzer: „Ich war total gefesselt und habe sofort einer Freundin davon erzählt.“ (Mehr Infos zur Gründungsgeschichte gibt es auf der Webseite der österreichischen .)

Video: Lena Reiner

Was sich die Omas gegen Rechts für eine Gesellschaft wünschen? Das erklärt die Kressbronnerin Doris: „Meine Utopie ist eine Gesellschaft, in der Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, Ausgrenzung jeder Art keinen Raum finden.“ Und der Paul-Spiegel-Preis? Den sieht die Gruppe als Anerkennung und Motivation. „Das ist natürlich eine enorme Wertschätzung und Anerkennung, es ist uns eine Ehre!“, sagt Doris und äußert die Hoffnung, dass er ihnen auch Zulauf bringen werde.

Eine Kontaktaufnahme ist per E-Mail an ogr.bodensee@web.de möglich.