Was macht man, wenn die Touristen wegbleiben? Man wirbt bei den Einheimischen mit den Vorzügen von „Urlaub daheim“. Wie naheliegend das am Bodensee ist, wo die Leute ja bekanntlich wohnen (dürfen), wo andere Urlaub machen, zeigt sich in diesem Sommer, der von der Corona-Krise und zahlreichen Beschränkungen geprägt ist. Ausländische Gäste bleiben nahezu ganz weg, allenfalls Tagestouristen strömen an den See.

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Einmal nicht selbst das Bett machen müssen und die eigene Region erkunden: So bewirbt beispielsweise die Internationale Bodensee Tourismus GmbH (IBT) ihre Aktion „Urlaub Zuhause“. Über 40 Hotels rund um den See bieten bis Jahresende exklusiv Einheimischen zwei Übernachtungen mit Frühstück in drei Kategorien von Komfort- bis Luxusklasse zu Festpreisen von 69 bis 129 Euro pro Person an. Buchungscode: Bodensee4you.

Neues Konzept der Erlebniskarte nutzt Daheimgebliebenen

Dass die Seeanwohner von Bregenz bis Konstanz und im Hinterland eine starke Zielgruppe sind, hat die IBT schon vorher erkannt. Bereits im vergangenen Jahr stellte die Tourismusgesellschaft, die sich eigentlich um die internationale Vermarktung der „Vierländerregion“ kümmert, die Bodensee-Erlebniskarte um. Mit dem neuen Konzept ist die „Bodensee Card plus“ seither auch für Einheimische attraktiv.

Mit der Bodensee Card plus ist an zwei beziehungsweise vier Tagen die Kursschifffahrt auf dem Bodensee ohne Aufpreis mit drin.
Mit der Bodensee Card plus ist an zwei beziehungsweise vier Tagen die Kursschifffahrt auf dem Bodensee ohne Aufpreis mit drin. | Bild: Achim Mende

Die ist in diesem Jahr wahlweise an drei oder sieben Tagen sogar bis zum 31. Dezember gültig. Ab 2021 soll sie ganzjährig angeboten werden. Wer mit der Bodensee Card plus für 69 oder 109 Euro pro erwachsener Person unterwegs ist, bekommt nicht nur gratis Eintritt bei 160 Attraktionen, sondern kann an zwei beziehungsweise vier Tagen die Ausflugsdampfer auf dem See ohne Aufpreis nutzen.

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Mit diesem Konzept habe die Karte einen Schub bekommen, stellte IBT-Geschäftsführer Jürgen Amann jüngst im Verwaltungsausschuss des Kreistags fest, in dem er über das Geschäftsjahr 2019 berichtete. Rund 20 000 Karten habe die IBT im vergangenen Jahr verkauft, davon allein 12 000 in den Ferienmonaten Juli und August. Mit einem Umsatz von 1,8 Millionen Euro kam trotz der Umstellung nicht weniger in die Kasse als vorher.

Bild: FEZE

Dafür blieben bei der IBT und auch bei den touristischen Partnern mehr Geld hängen als in den Vorjahren. Für 2020 rechnet Jürgen Amann coronabedingt allerdings nur mit der „halben Miete“: Gelänge es, wenigstens 10 000 Karten zu verkaufen, würde die IBT damit wenigstens keinen Verlust machen. Ziel sei, dass gerade viele Einheimische die Bodensee Card plus kaufen und im „Urlaub zuhause“ nutzen.

Vergünstigungen bei Ausflugszielen auch mit der „EBC-home“

Die Urlauber daheim hat auch die Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT) für sich entdeckt. Zusammen mit dem Verkehrsverbund Bodo gibt sie seit Beginn der Sommerferien erstmals die „EBC-home“ heraus.

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Eigentlich ist die „Echt Bodensee Card“ (EBC) eine Gästekarte für Touristen, die damit im Bodo-Gebiet kostenlos Bus und Bahn fahren können. Mit dem Pendant für die Einheimischen bekommen diese zwar bei fast allen 190 Leistungspartnern die gleichen Vergünstigungen wie die Feriengäste. Doch für das Bus- oder Bahnticket ist der Bodo-Einzeltarif fällig – allerdings mit einem Rabatt von 30 Prozent in den Sommerferien.

Wie steht es um die „Echt-Bodensee-Card“?

Vierländerregion braucht ein stärkes Miteinander

Für IBT wie DBT zeigt die Corona-Krise allerdings überdeutlich auf, dass Wachstum auch im Tourismus am Bodensee kein Selbstläufer, sondern auf Kooperationen und ein gemeinsames Markenverständnis angewiesen ist. Die bis 2019 stetig gestiegenen Zahlen haben allerdings „den Bedarf an Zusammenarbeit geschwächt und sind verantwortlich für eingetretene touristische Rückbildungen“, schätzt IBT-Geschäftsführer Amann in seinem Lagebericht für den Kreistag ein.

Die schwierige Aufgabe seiner Gesellschaft bleibt es, mit zehn Gesellschaftern und mehreren Destinationen in vier Ländern rund um den Bodensee eine gemeinsame Tourismusstrategie zu fahren – und das mit sehr begrenzten Mitteln. Er hält „ein stärkeres Miteinander“ für unabdingbar, um die Vierländerregion für die Zeit nach Corona „als wettbewerbsfähigen Gesamtraum“ aufzustellen, schrieb er im Lagebericht.

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Dabei scheitert das oft selbst am kleinräumigen Miteinander. Die EBC-Gästekarte gilt über das Verbundgebiet von Bodo hinaus noch nicht einmal im Nachbarlandkreis Konstanz. „Dafür haben wir bis heute keine Lösung“, bekennt Ute Stegmann. 1,10 Euro pro Übernachtung ab 2021 sei ein „sensibler Preis“ für die Gästekarte, um sich weitere Verkehrsverbünde einzukaufen. Die Problematik wird sich verschärfen, wenn im nächsten Jahr die EBC auch in Lindau ausgegeben wird und die Gäste damit keinen Anschluss nach Vorarlberg oder ins Allgäu bekommen.

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