Selten hat ein Artikel des SÜDKURIER so viel Resonanz bei unseren Lesern erzeugt, wir der über die Informationspolitik von Landrat Lothar Wölfle zu den Corona-Daten. Bis Ende vergangener Woche weigerte sich das Landratsamt Bodenseekreis, täglich die Zahlen der Covid-19-Infektionen für die Gemeinden zu veröffentlichen, was in umliegenden Landkreisen eine Selbstverständlichkeit ist. Weil der SÜDKURIER am Thema dran blieb, gibt es nun tagesaktuelle Zahlen, die Transparenz schaffen. Aber Landrat Lothar Wölfle weigert sich weiter, Daten der kleinen Kommunen zu veröffentlichen.

„Intransparente Informationen erschüttern das Vertrauen der Bürger“

Knapp 30 Briefe und E-Mails erreichten bis Mittwoch die Redaktion, viele aus dem Bodenseekreis, aber auch aus dem entfernteren Verbreitungsgebiet. Von einer „Ohne Wenn und Aber“-Politik Wöfles spricht etwa Herbert März aus Uhldingen-Mühlhofen. „Intransparente Informationen erschüttern das Vertrauen der Menschen in die von ihnen gewählten Kreistagsvertreter und insbesondere ihren Vorsteher Wölfle„, schreibt März. Er könne nicht fassen, dass der Landrat auf die Nachfragen dieser Zeitung „unter mehrheitlicher Zustimmung der Kreisräte von der Grenze zwischen Transparenz und Persönlichkeitsrecht“ fabuliere. „Lothar Wölfle sollte einmal über seine ‚Ohne Wenn und Aber‘-Politik gründlich nachdenken“, schreibt Herbert März.

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„Der Landrat sollte auch die Zahlen der kleinen Gemeinden veröffentlichen“

Thomas Rausch aus Markdorf findet, dass es „oberste Pflicht eines Landrats“ sei, die Bevölkerung mit maximaler Transparenz zum Verlauf der Pandemie zu informieren. „Nur wer gut informiert ist und ein realistisches Bild über den tagesaktuellen Verlauf des Infektionsgeschehens in allen Gemeinden erhält, kann sich den Anforderungen entsprechend optimal schützen“, findet Rausch.

Es mache ihn traurig, dass auch die Fraktionen im Kreistag „anscheinend kein Interesse an einer optimalen Informationsversorgung ihrer Wähler haben“. Nun müsse der Landrat Größe zeigen: „Wenn Herr Wölfle eingesteht, dass er ungeschickt agiert hat und gleichzeitig die vollständige Information zum Pandemieverlauf auch in kleinen Gemeinden ermöglicht, wäre das sehr lobenswert!“, schreibt Thomas Rausch.

Das Landratsamt als Katastrophenschutz-, Gesundheits- und Sozialbehörde arbeitet nicht aus dem Home Office. Landrat Lothar Wölfle muss derzeit von einer Krisensitzung zur nächsten.
Das Landratsamt als Katastrophenschutz-, Gesundheits- und Sozialbehörde arbeitet nicht aus dem Home Office. Landrat Lothar Wölfle muss derzeit von einer Krisensitzung zur nächsten. | Bild: Robert Schwarz/Landratsamt

„Bürger sind weitsichtiger, als es manchen Politikern lieb ist“

SÜDKURIER-Leserin Eliana Beck aus Oberteuringen findet es „erschreckend“, dass fast alle Kreistagsfraktionen diesen intransparenten Kurs bisher mitgetragen haben. „Aber die Wahrheit könnte den (doch hoffentlich nicht allzu mündigen!) Bürger vielleicht verunsichern. Wobei der Bürger sehr oft weitsichtiger zu sein scheint, als es manchen Politikern lieb sein kann“, findet Eliana Beck.

„So treibt man Menschen den Querdenkern in die Arme“

Berthold Hermle aus Markdorf schreibt von einer „Frechheit, mit welcher Arroganz Landrat Lothar Wölfle seine Informationspflicht vernachlässigt.“ Hermle hätte sich mehr Offenheit gewünscht. „Die Behörden verabschieden Gesetze und Verordnungen, verurteilen die Querdenker und sind nicht bereit, der Bevölkerung durch Zahlen aufzuzeigen, wie ernst die Lage ist. Dabei entsteht der Eindruck, dass sie etwas zu verheimlichen haben. Dann wundern sich unsere Politiker, dass die Zahl der Querdenker ansteigt.“

„Gemeindescharfe Veröffentlichung schafft eine bessere Einschätzung der Gefahrenlage“

Silvia Haberkern aus Meersburg glaubt, dass die Veröffentlichung der Gemeindezahlen zur Akzeptanz der Corona-Maßnahmen beitragen würden. Sie schreibt, dass es immer wieder Stimmen gebe, die sagten: „Das ist doch alles übertrieben“. Nur eine gemeindescharfe Veröffentlichung schaffe daher ihrer Meinung nach Transparenz und eine bessere Einschätzung der Gefahrenlage der Bürger. Auch SÜDKURIER-Leserin Christiane Schnell ist der Meinung, dass die Zahl der Corona-Infektionen auch der kleinen Gemeinden veröffentlicht werden sollten. „Durch Ihren Artikel bin ich erst auf diese Problematik aufmerksam geworden! Die Gegenargumente von Landrat Wölfe sind für mich absolut nicht nachvollziehbar“, schreibt Christiane Schnell.

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„In einem kleinen Dorf brodelt die Gerüchteküche leicht über“

Landrat Lothar Wölfle erhält aber auch Zustimmung für seine bisherige Politik. So schreibt uns Birgit Brandl aus Waldshut-Tiengen, dass sie großes Verständnis für die Position von Landrat Wölfle habe. „Wer glaubt, dass es in einem Dorf mit rund 1000 Einwohnern mehr soziodemografische Angaben bräuchte, hat keine Ahnung vom Dorfleben. Wirklich! Sie haben ja keine Vorstellung davon, was neugierige Leute alles herausbekommen“, so Brandl. Die Gerüchteküche zu befeuern nütze niemandem.

Dem setzt Leserin Martina Görlach entgegen, dass die Bürger ein Recht auf Aufklärung hätten. „Für mich ist es eine faule Ausrede, wenn es vom Landrat heißt, er wolle nicht, dass in kleinen Gemeinden niemand denunziert wird.“ Sie dankt dem SÜDKURIER dafür, hartnäckig am Thema drangeblieben zu sein.

„Landrat Lothar Wölfle hat die Aufgabe die Bevölkerung zu schützen“

Marc Brodbeck aus dem Deggenhausertal hat unser Artikel schockiert. „Die Argumentation des Landrats ist sehr wohl überzeugend, denn er tut das, was seine Aufgabe ist. Nämlich seine Bevölkerung beschützen.“ Er kritisiert, dass die Daten auf Gemeindeebene kein Beitrag zu Transparenz seien. „Warum werden diese absoluten Zahlen beim SÜDKURIER nie in das Verhältnis gesetzt zu der Anzahl der Tests?“, fragt Brodbeck. Dazu kann festgestellt werden, dass das Landratsamt auch die Zahl der Tests nicht veröffentlicht und auch auf Nachfrage dieser Zeitung nicht in absoluten Zahlen nennt. Brodbeck kritisiert ebenfalls, dass unsere Zeitung nicht recherchiere, „wie viele Menschen mit positiven Test in den Krankenhäusern tatsächlich wegen Covid-19 im Krankenhaus sind.“ Dazu ist aus Sicht des SÜDKURIER festzustellen: Auch diese Fakten gibt das Landratsamt mit dem Hinweis auf den Daten- und Patientenschutz nicht heraus.

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