Die Hilfsbereitschaft für die Menschen in der Ukraine ist groß: Vielerorts werden Spenden und Hilfsgüter gesammelt, erste Transporte sind unterwegs. In Friedrichshafen etwa haben Ärzte aus dem Klinikum innerhalb weniger Stunden eine Lieferung mit medizinischem Material auf den Weg gebracht. Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfallhilfe oder die Caritas nutzen hingegen vor allem ihr internationales Netz.

Petra Demmer, Caritasverband Linzgau
Petra Demmer, Caritasverband Linzgau | Bild: Hanspeter Walter

Beim Caritasverband im Dekanat Linzgau mit Sitz in Überlingen laufen derzeit die Absprachen mit Partnern vor Ort und dem Dachverband. Hilfsgüter sammelt die Caritas in der Bodenseeregion aktuell nicht, sagt Petra Demmer, Geschäftsführerin des Caritasverbands für das Dekanat Linzgau. „Wenn kleinere Aktionen vor Ort entstehen, dann unterstützen wir hier gern“, sagt sie und nennt ein Beispiel: Einige Menschen aus der Region würden Hilfstransporte auf privatem Wege vorbereiten. Hier könne man vermitteln und bei Bedarf Kontakte herstellen. Darüber hinaus verweist Petra Demmer auf die Caritas International in Freiburg. Dort gebe es Fachleute für solche Einsätze, die entsprechend schnell reagieren könnten.

Welche Hilfen jetzt gebraucht werden

Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) wurde über das Zentrallager in Berlin ein erster Hilfstransport organisiert. „Im Bodenseekreis sammeln wir derzeit aber keine Hilfsgüter“, sagt Jörg Kuon, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands. Die Johanniter-Unfallhilfe nimmt ebenfalls keine Sachspenden an. „Da wir leider nicht die Möglichkeit haben, diese in großen Mengen zu lagern, zu sortieren und in die Region zu transportieren. Wenn möglich, werden Hilfsgüter grenznah oder mindestens zentral beschafft“, erklärt Claudia Bangnowski vom Johanniter-Regionalverband Oberschwaben/Bodensee.

Jörg Kuon, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands
Jörg Kuon, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands | Bild: DRK

Die meisten großen Hilfsorganisationen sammeln derzeit vor allem Geldspenden, um gezielt helfen können. Das DRK-Generalsekretariat sieht darin gegenüber Sachspenden eine effektivere Art der Hilfe, denn gerade bei sich sehr schnell ändernden Situationen – wie aktuell in der Ukraine – könne das Geld vor Ort bedarfsgerecht eingesetzt werden. „Geldspenden sind in der gegenwärtigen Lage tatsächlich die beste und wirkungsvollste Art, um die humanitäre Hilfe im Ausland zu unterstützen“, sagt auch der Präsident vom DRK-Kreisverband Ravensburg, Dieter Meschenmoser.

Er betont außerdem: „Damit die Hilfe tatsächlich ankommt, bitten uns all unsere Schwestergesellschaften in der Ukraine und den Nachbarländern sehr eindringlich darum, die stark beanspruchten Logistik- und Hilfeleistungsstrukturen nicht zu blockieren. Gut gemeinte, aber nicht abgestimmte Lieferungen füllen Lagerhäuser, binden Transport- und Sortierkapazitäten.“

Bisher keine Helfer in der Grenzregion zur Ukraine

Beim Deutschen Roten Kreuz ist für die Koordination der Hilfen ein DRK-Nothilfeexperte in der Ukraine im Einsatz. Zudem stocke man das Personal für die Hilfsgüterlogistik schrittweise in den Nachbarländern zur Ukraine auf. „Rotkreuz-Helfer aus dem Bodenseekreis sind derzeit allerdings keine im Einsatz“, sagt Kuon. Auch von den Johannitern sind aktuell keine Helfer aus der Region Bodensee-Oberschwaben vor Ort. „Sie sind aber bereit“, sagt Claudia Bangnowski.

Im Bodenseekreis bereitet man sich momentan außerdem auf die Ankunft der Menschen vor, die aus der Ukraine geflohen sind. Im Landratsamt hat sich ein Krisenstab formiert, der entsprechende Maßnahmen koordinieren soll. Auch das Rote Kreuz steht im Bodenseekreis „mit dem Landratsamt in Kontakt“. Sollte es zu einer Unterbringung von Geflüchteten kommen, „stehen wir mit unseren Kräften aus dem Bevölkerungsschutz zur Unterstützung und Betreuung der Menschen bereit“, so Jörg Kuon.

Unterstützung bei der Suche nach Wohnraum

Die Stadt Friedrichshafen hat inzwischen ein Internetangebot freigeschaltet. Dort können sich Menschen informieren können, die Geflüchteten aus der Ukraine Hilfe anbieten möchten, etwa wenn es um Wohnraum geht. Petra Demmer kann sich vorstellen, dass auch die Caritas bei der Suche nach Wohnraum in der Region vermittelnd tätig werden kann. Hierzu stimme man sich aktuell ab. Für sie ist in der jetzigen Situation entscheidend: „Wir helfen alle zusammen!“

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