Jetzt anpacken, damit die Zukunft gesichert ist! Nein, damit ist nicht etwa der Bau eines schnuckligen Einfamilienhauses gemeint. Es ist das Motto einer Praxisgemeinschaft in Salem. Drei Hausärzte haben sich zusammengetan und unterstützen sich bei Aufgaben, die abseits der Sprechstunde anfallen.

Dazu gehören etwa Buchhaltung, technische Herausforderungen und das Thema Ausbildung. Letzteres hat bei den Ärzten Patricia Andriessens, Karoline Ambraß und Ahmad Maslam besondere Priorität. In kaum einer anderen Praxis im Bodenseekreis wird so viel Zeit und Aufwand in die Ausbildung junger Kollegen investiert wie in Salem.

Das Ärzteteam der Praxisgemeinschaft in Salem (von links): Karoline Ambraß, Studentin Susanne Jörk, Ahmad Maslam und Patricia Andriessens.
Das Ärzteteam der Praxisgemeinschaft in Salem (von links): Karoline Ambraß, Studentin Susanne Jörk, Ahmad Maslam und Patricia Andriessens. | Bild: Mona Lippisch

„Wir kennen wenige Praxen, die das Thema so behandeln, wie wir es tun“, erzählt Andriessens. Die Praxisgemeinschaft ist eine von mehreren Lehrpraxen des Universitätsklinikums Ulm. Das bedeutet: Sowohl Schülerpraktika als auch praktische Blöcke für Medizinstudenten können in der Praxis absolviert werden.

„Es ist unser Versuch, Nachwuchs zu gewinnen“, erklärt Andriessens. Aktuell gehört Studentin Susanne Jörk für mehrere Monate zum Team. Sie lernt in dieser Zeit den Alltag in der Praxis kennen und darf teilweise auch selbst in der Sprechstunde arbeiten. Karoline Ambraß beschreibt: „Wir nehmen uns natürlich viel Zeit für die Studenten, beantworten Fragen und stehen unterstützend an der Seite, wenn eine Diagnose mal etwas schwieriger ausfallen sollte.“

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Und genau das kommt beim Nachwuchs gut an. „Ich habe schon ein paar Praktika hinter mir und noch nie durfte ich so viel praktisch arbeiten, wie hier in der Praxis“, berichtet Jörk. Für die junge Frau ist das ein klarer Vorteil. Schon jetzt könnte sie sich vorstellen, das Team später einmal als Ärztin zu verstärken. Damit wäre das Ziel von Andriessens, Ambraß und Maslam erreicht: Junge Menschen bereits während der Ausbildung an die Praxis zu binden.

Dieser Ansatz wird mit einer monatlichen Zahlung noch einmal verstärkt. Studenten erhalten den Betrag auch in den Monaten bekommen, in denen sie nicht in der Praxis tätig sind. „Sie bekommen monatlich etwas Geld und holen die Stunden dann zum Beispiel in ihren Semesterferien nach“, erklärt Ambraß.

Aktuell sei die Arbeit mit den jungen Menschen zwar mit viel Aufwand verbunden, aber die Ärzte aus Salem hoffen, dass es sich auszahlt. „Wenn wir dann nicht händeringend nach Mitarbeitern suchen müssen, sondern die jungen Ärzte von sich aus zu uns kommen, ist uns in diesen Zeiten des Fachkräftemangels schon viel geholfen“, sagt Andriessens.

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Sie ist der Meinung: „Lieber heute Zeit fürs Teaching nehmen, um später neue Kollegen zu haben und sich selbst nicht kaputt arbeiten zu müssen.“ Daran können sich andere Arbeitgeber in der Region durchaus ein Beispiel nehmen. Reden doch viele immer wieder von zu viel Arbeit und massiven Nachwuchsproblemen. Also: Jetzt etwas mehr investieren, kreative Möglichkeiten finden, um junge Menschen zu binden – und dafür später Arbeitszeit und ausgebildete Fachkräfte zurückbekommen.