Eine etwa 9000 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage thront seit wenigen Wochen auf dem Dach der Filterhalle des Wasserwerks am Sipplinger Berg. Über 300 Meter ziehen sich die Fotovoltaik-Module über das Dach. Sie sollen jährlich einen Energieertrag von 1400 Megawattstunden liefern.

Mit der großen Anlage, die etwa 1 Millionen Euro gekostet hat, möchte die Bodensee-Wasserversorgung einen positiven Beitrag zum eigenen CO2-Fußabdruck leisten. „Der Klimawandel ist schon seit langer Zeit Thema bei uns“, betont Christoph Drusenbaum bei einem Pressegespräch am Sipplinger Berg.

Er ist Energiemanager bei der Wasserversorgung und weiß: „Wegen der Topografie und dem großen Versorgungsgebiet, das bis Stuttgart reicht, haben wir einen hohen Stromverbrauch.“ Besonders der Betrieb der Pumpen im Seepumpwerk sei mit hohem Energieaufwand und hohen Energiekosten verbunden. Mehr als 130 Millionen Kubikmeter Wasser werden damit jährlich ins Wasserwerk auf den Sipplinger Berg gefördert.

Christoph Drusenbaum, Energiemanager bei der Wasserversorgung: „Wir wollen unsere jährliche Kapazität aus Fotovoltaik von derzeit 1,4 Megawatt auf 5 Megawatt steigern.“
Christoph Drusenbaum, Energiemanager bei der Wasserversorgung: „Wir wollen unsere jährliche Kapazität aus Fotovoltaik von derzeit 1,4 Megawatt auf 5 Megawatt steigern.“ | Bild: Mona Lippisch

Künftig möchte der Zweckverband einen Teil seines Energieverbrauchs mit eigenen Energiequellen decken. In den kommenden Jahren sind dafür weitere Fotovoltaikanlagen auf dem Gelände in Sipplingen geplant. „Wir wollen unsere jährliche Kapazität aus Fotovoltaik von derzeit 1,4 Megawatt auf 5 Megawatt steigern“, kündigt Drusenbaum an. Bereits 2022 sollen neue Anlagen auf dem Dach zweier großer Zwischenbehälter installiert werden.

Ökologischer und wirtschaftlicher Nutzen

Neben einem Beitrag für die Ökobilanz des Zweckverbands sprechen aus Sicht des Energiemanagers auch wirtschaftliche Faktoren für die Anlagen. „Man spricht von einer Amortisierung von etwas unter zehn Jahren“, erklärt er. Ab diesem Zeitpunkt rentiert sich die Investition von 1 Million Euro in die neuste Anlage und der Verband macht Gewinn. „Aktuell rechnet man mit einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren für die Fotovoltaik-Module. Es lohnt sich ökologisch und betriebswirtschaftlich“, ist sich Drusenbaum sicher.

Die neu installierten Fotovoltaik-Platten haben laut Experte Christoph Drusenbaum eine Lebenszeit von 25 bis 30 Jahren.
Die neu installierten Fotovoltaik-Platten haben laut Experte Christoph Drusenbaum eine Lebenszeit von 25 bis 30 Jahren. | Bild: Mona Lippisch

Doch die Investition in eigene Fotovoltaikanlagen reiche für eine neutrale CO2-Bilanz laut Drusenbaum nicht aus. Deswegen bezieht die Wasserversorgung ab 2022 Ökostrom – das bedeutet, der Strom der zusätzlich benötigt wird, kommt von Anbietern, die Energie aus umweltfreundlichen erneuerbaren Energiequellen herstellen. Mit diesem Konzept – eigenen Fotovoltaikanlagen und Ökostrom – möchte die Bodensee-Wasserversorgung ab dem kommenden Jahr 100 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbarer Energie beziehen.

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Klimawandel macht sich bei Wasserversorgung bemerkbar

Neben der Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks kümmert sich der Zweckverband auch um Folgen des Klimawandels. Schon seit einiger Zeit macht sich die Veränderung des Klimas auch bei der Wasserversorgung bemerkbar, wie Christoph Drusenbaum erklärt. „Wir merken es besonders an den steigenden Wasserabgaben im Sommer.“

Das Wasser aus dem Bodensee sprudelt im Becken am Standort „Sipplinger Berg“ der Bodensee-Wasserversorgung.
Das Wasser aus dem Bodensee sprudelt im Becken am Standort „Sipplinger Berg“ der Bodensee-Wasserversorgung. | Bild: Mona Lippisch

Während der Zweckverband durchschnittlich etwa 360 000 Kubikmeter Wasser pro Tag abgebe, seien es im Sommer bis zu 540 000 Kubikmeter. Der Grund: Ist es zu trocken, könnten Kommunen oft nicht mehr auf eigene Wasserspeicher hinzugreifen – und sind auf den Vorrat der Bodensee-Wasserversorgung angewiesen.

Prinzipiell sei das kein großes Problem. „Wasser haben wir genug“, sagt der Energiemanager und schmunzelt. Aber die steigenden Wasserabgaben würden dazu führen, dass der Druck in den Wasserleitungen immer geringer wird. „Turbinen, die wir schon in den 70er Jahren installiert haben und die einen Teil zum Ökostrom beitragen, rentieren sich langsam nicht mehr“, erklärt Drusenbaum. Auch das sei ein Grund, weshalb der Zweckverband jetzt vermehrt auf Fotovoltaik statt auf Wasserkraft setzt.

Umgang mit Quagga-Muschel bleibt künftig Thema

Ein weiteres Thema, dass für die Zukunft der Bodensee-Wasserversorgung eine Rolle spielt ist der Umgang mit der Quagga-Muschel, die sich vermehrt im Bodensee ansiedelt. Drusenbaum berichtet: „Für die Qualität des Wassers ist die Muschel nicht schädlich. Aber für unsere technischen Anlagen, mit denen wir das Wasser aus dem See pumpen.“ Denn die Muscheln setzen sich auf den Entnahmeleitungen und Förderanlagen fest.

Quagga-Muscheln setzten sich im Bodensee auch an den Anlagen der Wasserversorgung fest. Welche Auswirkungen das auf Dauer haben wird, ist laut Zweckverband derzeit noch unklar.
Quagga-Muscheln setzten sich im Bodensee auch an den Anlagen der Wasserversorgung fest. Welche Auswirkungen das auf Dauer haben wird, ist laut Zweckverband derzeit noch unklar. | Bild: Tauch-Sport-Club Friedrichshafen

Deswegen rüstet der Zweckverband auf. Im Rahmen des Projektes Zukunftsquelle entstehen zwei zusätzliche Entnahmestellen im Bodensee. Wie Teresa Brehme, Pressesprecherin der Wasserversorgung, erklärt, gibt es aktuell nur eine solche Entnahmestelle.

Teresa Brehme, Pressesprecherin Bodensee-Wasserversorgung: „Mit der Installation von zwei weiteren Entnahmestellen haben wir mehr Möglichkeiten.“
Teresa Brehme, Pressesprecherin Bodensee-Wasserversorgung: „Mit der Installation von zwei weiteren Entnahmestellen haben wir mehr Möglichkeiten.“ | Bild: Mona Lippisch

„Mit der Installation von zwei weiteren Entnahmestellen haben wir mehr Möglichkeiten und können beispielsweise die alte Anlage reparieren, wenn die Quagga-Muscheln sich dort weiterhin festsetzen“, erläutert Brehme. Bis es soweit ist, dauert es allerdings noch eine ganze Weile – etwa 15 Jahre Bauzeit sind für die beiden Entnahmestellen vorgesehen.

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