24 Parteien und Wählervereinigungen listet der Stimmzettel für die Bundestagswahl am Sonntag auf der rechten Seite auf. Die Reihenfolge richtet sich nach der Anzahl der Stimmen, die sie bundesweit vor vier Jahren geholt haben. Links stehen (in der gleichen Reihenfolge) die Direktkandidaten, die für den Wahlkreis Bodensee in den Bundestag wollen. Hier werben aber nur elf Frauen und Männer um das Direktmandant. Doch wer tritt außer den bekannten Gesichtern von CDU bis Linke noch an? Und was treibt Sie an zu kandidieren, obwohl es für ein Mandat weder für Sie noch ihre Partei voraussichtlich reichen wird?

Der Stimmzettel für die Bundestagswahl im Wahlkreis Bodensee.
Der Stimmzettel für die Bundestagswahl im Wahlkreis Bodensee. | Bild: Wieland, Fabiane

Nummer 8: Dominik Steuer für „Die Partei“

Für die Satire-Partei „Die Partei“ antwortet nicht etwa der Kandidat Dominik Steuer selbst, sondern Corbinian Grimm, Verbands-Vorstand im Bodenseekreis und Pressevertreter des 25-Jährigen aus Uhldingen-Mühlhofen. Dass der SÜDKURIER im Wahlkreis Bodensee die Satire-Partei als „Kleinstpartei“ führt, darüber beschwert sich Grimm. Man habe beispielsweise mehr Mitglieder als „#noafd“ oder stehe unter den sonstigen Parteien auf jeden Fall an der Spitze. „Dass man sagt, dass wir wohl weniger die Chance haben in den Bundestag gewählt zu werden, halten wir für absoluten Blödsinn. Wie andere Parteien haben wir Irgendwas und Blödsinn auf unseren Plakaten stehen“, so Grimm.

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Am Sonntag stand bei der Kundgebung gegen rechts vor dem Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen noch etwas anderes auf den Plakaten. „Nazis töten“ etwa. Ein Ausdruck dessen, wie die Partei mit bissiger Satire reagiert, wenn auch andere nah an der Grenzverletzung sind. Der Spruch ist die überspitzte Antwort auf ebenfalls zulässige Wahlwerbung der rechtsextremen Splitterpartei „III. Weg“, die in vielen Städten „Hängt die Grünen“ plakatiert hat.

„Nazis töten“ steht auf einem Plakat der Satire-Partei „Die Partei“, die am Sonntag bei der Demo gegen rechts vor dem GZH in Friedrichshafen mit vertreten war.
„Nazis töten“ steht auf einem Plakat der Satire-Partei „Die Partei“, die am Sonntag bei der Demo gegen rechts vor dem GZH in Friedrichshafen mit vertreten war. | Bild: Cuko, Katy

Ob das beim Wähler verfängt? „Wir erwarten in dieser Wahl das beste Ergebnis für Die Partei im Bodenseekreis seit Kriegsende und damit 100 Prozent + X aller Stimmen“, so Corbinian Grimm. Und was können sie über ihren Kandidaten sagen? Der sei natürlich auch sehr gut, „denn Dominik Steuer nimmt für uns im Bodenseekreis das Steuer in die Hand. Jede Stimme für uns, ist eine Stimme für uns“, schreibt er.

Nummer 9: Thomas Brillisauer für die Freie Wähler

Thomas Brillisauer ist bei der Bundestagswahl 2021 Direktkandidat der „Freien Wähler“ im Wahlkreis Bodensee. Der 49-jährige Bankfachwirt lebt in Achberg.
Thomas Brillisauer ist bei der Bundestagswahl 2021 Direktkandidat der „Freien Wähler“ im Wahlkreis Bodensee. Der 49-jährige Bankfachwirt lebt in Achberg. | Bild: Vitali Shcmidt

Für die Freien Wähler geht Thomas Brillisauer ins Rennen. Der 49-jährige Bankkaufmann lebt in Achberg. „Nach meiner Wahrnehmung haben sich die etablierten Parteien mittlerweile vom Alltag der Menschen entfernt und beschäftigen sich zu viel mit sich selbst und Lobbyisten. Als Freie Wähler sind wir die politische Kraft der Mitte, die ideologiefrei, bodenständig und mit gesundem Menschenverstand Politik im Sinne der Menschen macht“, erklärt er seinen Anspruch.

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Viele Mitwettbewerber glaubten beispielsweise, den Klimawandel durch Verbote und nationale Kleinlösungen stoppen zu können. Der deutsche Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß betrage jedoch nur circa zwei Prozent. „Das zeigt, dass die Eindämmung des Klimawandels nur global gelingt. Durch Innovation, Forschung und Technologieoffenheit kann Deutschland einen viel größeren Beitrag leisten und gleichzeitig heimische Arbeitsplätze sichern“, ist Thomas Brillisauer überzeugt.

Freie Wähler sind mittlerweile in mehreren Landtagen vertreten, stellen in Bayern gar den Vize-Ministerpräsidenten. „Ich bin daher optimistisch, dass wir auch im Bundestag demnächst Freie Wähler sehen werden“, erklärt er sein Engagement.

Nummer 11: 75-jähriger Polit-Profi für die ÖDP

Annedore Schmid ist 75, kommunalpolitisch seit Jahrzehnten aktiv und Bundestagskandidatin der ÖDP im Wahlkreis Bodensee.
Annedore Schmid ist 75, kommunalpolitisch seit Jahrzehnten aktiv und Bundestagskandidatin der ÖDP im Wahlkreis Bodensee. | Bild: privat

Annedore Schmid aus Friedrichshafen ist lokal wie regional das bekannteste Gesicht der Ökologisch-Demokratischen Partei. Der ÖDP gehöre sie nicht nur seit mehr als 30 Jahren als aktives Mitglied an. Sie ist seit 20 Jahren im Ortschaftsrat Kluftern und saß – oft parallel – viele Jahre im Gemeinderat und/oder Kreistag. „Es ist mir sehr wichtig, unser sehr gutes Programm und unsere Grundsätze vertreten zu dürfen und dafür auch eine Plattform zu haben“, erklärt sie auf Anfrage. Die ÖDP habe immerhin 500 Mandate in Deutschland, stelle auch Bürgermeister und Europa-Abgeordnete. „Vielleicht produzieren wir zu wenig Spendenskandale, um genügend mediale Aufmerksamkeit zu bekommen“, kommentiert Annedore Schmid sarkastisch.

Der Stimmzettel für die Bundestagswahl im Wahlkreis Bodensee listet 24 Parteien und Gruppierungen auf sowie elf Direktkandidaten.
Der Stimmzettel für die Bundestagswahl im Wahlkreis Bodensee listet 24 Parteien und Gruppierungen auf sowie elf Direktkandidaten. | Bild: Wieland, Fabiane

Und was ist für sie wichtig? „Kurz gesagt: Politik muss enkelverträglich sein, dann ist sie zukunftsfähig und nachhaltig“, meint die 75-Jährige. Wichtigstes Kriterium ist für sie, dass die ÖDP eine Lebensschutz-Partei für Familie und Umwelt sei. Der Leitspruch ihrer Partei: „Mensch vor Profit“. Bei einer ewigen Wachstumsprognose sei dies aber nicht möglich. „Wir sind eine Partei der Mitte, die gute Konzepte für ein menschenwürdiges Zusammenleben anbietet“, wirbt Annedore Schmid für sich und die ÖDP.

Nummer 16: Johanna Findeisen für „Die Basis“

Johanna Findeisen kandidiert bei der Bundestagswahl für „DieBasis“ im Wahlkreis Bodensee.
Johanna Findeisen kandidiert bei der Bundestagswahl für „DieBasis“ im Wahlkreis Bodensee. | Bild: privat

Für „Die Basis“ tritt Johanna Findeisen an, die in Frickigen zuhause ist. Durch ihre persönlichen Erfahrungen in der ehrenamtlichen Integrationsarbeit und den Erfahrungen ihres jüdischen Großonkels, der sechs Jahre im KZ verbracht hatte, sei sie „durch die aktuellen freiheits- und grundrechtseinschränkenden, bis hin zu lebensbedrohlichen Maßnahmen höchst alarmiert“, schreibt sie. Damit hebt die 51-Jährige zweifellos auf die Corona-Politik ab.

Johanna Findeisen sieht die Chancen ihrer Partei, politisch mitzuwirken, als „sehr realistisch“ ein. Die Basis sei stark gewachsen und habe in Niedersachsen bei der Kommunalwahl 39 Sitze in Räten erringen können.

Nummer 25: Franziska Schmidt für das Internationalistische Bündnis

Für das Internationalistische Bündnis/MLPD kandidiert die Ulmerin Franziska Schmidt direkt im Wahlkreis Bodensee. Selbst der MLPD-Landesverband konnte allerdings keinen direkten Kontakt zur 27-jährigen Chemielaborantin vermitteln, die im Jugendverband Rebell aktiv ist. Auf der Internetseite von abgeordnetenwatch.de schreibt sie über sich selbst, dass ihre Kandidatur unter dem Motto „Nur noch Krisen, eine Lösung: echter Sozialismus“ stehe. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) wird vom Verfassungsschutz beobachtet, weil ihre Ziele als verfassungsfeindlich eingestuft werden.

Ohne Direktkandidat(in), aber lokal aufgestellt: „Volt“

Felicitas Lock ist „City-Lead“ für die Partei „VOLT“ in Friedrichshafen.
Felicitas Lock ist „City-Lead“ für die Partei „VOLT“ in Friedrichshafen. | Bild: privat

Bleibt die Kleinpartei Volt, die im Wahlkreis zwar keinen Direktkandidaten aufbietet, aber als neue Kleinpartei in Friedrichshafen lokal gut vertreten ist. Als „City-Lead“ tritt Felicitas Lock auf. „Ich zähle mich selbst zur #GenerationEuropa „, erklärt sie ihr Engagement. Das bedeute konkret für sie, dass große internationale Herausforderungen, wie zum Beispiel die Klimakrise, europäische Lösungen erfordern. Genau das sei die Grundidee von Volt.

„Wenn wir ein Neudenken, ein Neuhandeln in der Politik erreichen wollen, müssen wir neue Wege gehen“, sagt Felicitas Lock. Deshalb engagiere sie sich bei einer Kleinpartei. „Für mich ist Volt, mit einem konsequenten europäischen Denken, etwas Einzigartiges in der politischen Landschaft.“