Wer entscheidet, ob ein gesunkenes Boot aus dem Bodensee geborgen wird – und auf welcher Grundlage? In den Bodensee-Richtlinien der IGKB (Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee) steht dazu: „Gesunkene Schiffe oder Gegenstände, zum Beispiel gesunkenes Gefahrengut, sind zu bergen. Davon kann nur abgesehen werden, wenn nachgewiesen wird, dass auch langfristig keine Gewässerbeeinträchtigung zu erwarten ist.“

Das könnte Sie auch interessieren

Wann kann ein Boot geborgen werden?

Kreis-Pressesprecher Robert Schwarz erklärt auf Anfrage: „Wenn die zuständige Wasserschutzbehörde, die Wasserschutzpolizei, die Einsatzkräfte und das Schifffahrtsamt, unmittelbar nach der Havarie zu der Einschätzung kommen, dass vom gesunkenen Boot oder Schiff eine akute Gefahr für Umwelt oder Schifffahrt ausgeht, wird natürlich sofort das Mögliche getan, um das Boot zu bergen oder zu sichern.“ Das havarierte Holzboot vor Immenstaad liegt in 50 bis 60 Metern Tiefe und könnte theoretisch geborgen werden. „Die Bergung des Bootes müsste von Berufstauchern mit Spezialgeräten vorgenommen werden, im oberflächennahen Bereich kommen dann Kräne zum Einsatz“, sagt Schwarz weiter. Die Feuerwehr sei bei der Bergung wegen gegebenenfalls austretender Betriebsstoffe ebenfalls im Einsatz. Wenn das nicht ausreiche, könne auch Gerät von Spezialfirmen zum Einsatz kommen. „Ab einer Tiefe von etwa 100 Metern beziehungsweise einer Schiffsgröße von 20 Metern kann es fraglich werden, ob eine Bergung überhaupt noch möglich ist“, so Schwarz.

Polizeitaucher tauchen nur bis etwa 30 Meter Tiefe

Roland Fleischer, Sprecher der Wasserschutzpolizei, sagt: „Die Entscheidung darüber, ob das Boot geborgen wird, trifft nicht die Polizei, sondern das Amt für Wasser- und Bodenschutz, das ist integriert ins Landratsamt Bodenseekreis.“ Polizeitaucher tauchen nur bis etwa 30 Meter Tiefe. Für alles, was darüber hinausgeht, seien Spezialfirmen und Berufstaucher mit entsprechendem Equipment zuständig, so Fleischer. Das Gesundheitsamt stehe dem Amt für Wasser- und Bodenschutz bei der Entscheidungsfindung beratend zur Seite, denn wenn ein motorisiertes Boot sinkt, nimmt es immer Treibstoff und Öl mit auf den Seegrund.

Das könnte Sie auch interessieren

Deshalb stellt ein gesunkenes Motorboot bei einem Unglück zunächst generell eine Gefahr dar. Das Boot vor Immenstaad war mit einem Benzinmotor bestückt. „Benzin ist weniger kritisch, da es an der Oberfläche verdunstet, obgleich man davon auch nicht Dutzende Liter in den See bekommen möchte“, sagt Robert Schwarz. Vom Motoröl habe die Wasserschutzpolizei vor Ort keine Spuren gefunden. Der Motor ist also offenbar dicht. „Bis er durchrostet, können 20 bis 30 Jahre vergehen“, sagt Günther Dietz, Geschäftsführer des Tauch- und Bergungsunternehmens Bodenseetaucher. Selbst dann, wenn eine Dichtung nachgibt oder ein kleines Loch entsteht, entweicht das Öl in der Regel nur tröpfchenweise.

Bootseigentümer könnte auch selbst eine Bergung veranlassen

Trotzdem prüfen die Behörden mit äußerster Sorgfalt, ob man das Boot bergen muss. „Das ist ein mehrstufiger Entscheidungsprozess“, sagt Robert Schwarz. Normalerweise ist solch eine Havarie ein Versicherungsfall. Theoretisch könnte der Bootseigentümer auch selbst eine Bergung veranlassen. Bei einem geschätzten Schaden von 50 000 Euro und den zu erwartenden Kosten für die aufwendige Bergung wird er sich das aber vermutlich gut überlegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €