Trennung und Scheidung bringen für die ganze Familie große Veränderungen mit sich und nicht immer läuft alles glatt. In schwierigen Situationen ermöglicht der begleitete Umgang, eine Pflichtleistung der Jugendhilfe, den Kindern, mit beiden Elternteilen Kontakt zu halten. Im Bodenseekreis hat der Friedrichshafener Ortsverband des Kinderschutzbunds diese Aufgabe bis August in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt übernommen. Aufgrund eines personellen Engpasses wurde der Kooperationsvertrag beendet.

„Der begleitete Umgang war für uns ein gutes Standbein, aber die Voraussetzungen haben sich verändert“, sagt Monica Kleiner, Vorsitzende des Kinderschutzbunds. Die frei gewordenen Stellen seien zwar ausgeschrieben worden, aber die Bewerber hätten die Anforderungen nicht zu 100 Prozent erfüllt. „Und das ist bei so einem sensiblen Thema wichtig“, betont Kleiner. So sei die Aufhebung der gut 30-jährigen Kooperation im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Jugendamt erfolgt. Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sollen jedoch keine Betreuungslücken entstehen, betonen Behörde und Kinderschutzbund.

Monica Kleiner ist Vorsitzende des Ortsverbands Friedrichshafen des Kinderschutzbunds.
Monica Kleiner ist Vorsitzende des Ortsverbands Friedrichshafen des Kinderschutzbunds. | Bild: Privat

„Der begleitete Umgang wird aktuell durch Fachkräfte des Jugendamtes, Honorarkräfte der freien Jugendhilfe sowie durch Mitarbeiter der Psychologischen Beratungsstellen der Caritasverbände Bodensee-Oberschwaben und Linzgau sichergestellt“, berichtet Simone Schilling, Leiterin des Jugendamts. Insgesamt benötigen ihr zufolge aktuell 54 Familien im Bodenseekreis eine Umgangsbegleitung.

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Paarkonflikt überlagert die Elternrolle

Am häufigsten werde begleiteter Umgang wegen konfliktreicher Trennungs- und Scheidungssituationen notwendig, weiß Schilling. „Elternpaare sind aufgrund der Verletzungen, die zur Trennung führten, häufig nicht mehr in der Lage, konflikt- und vorwurfsfrei zu kommunizieren und Absprachen zu treffen.“ Der Paarkonflikt überlagere stark die Elternrolle, sodass die Bedürfnisse der Kinder nach einem unbelasteten Umgang zu Vater und Mutter völlig in den Hintergrund geraten. „Dann stehen diese Kinder in einem erheblichen Loyalitätskonflikt zwischen den Elternteilen, was die freie Entfaltung und Entwicklung der Kinder erheblich beeinträchtigt“, erklärt Schilling.

Simone Schilling leitet das Jugendamt des Bodenseekreises.
Simone Schilling leitet das Jugendamt des Bodenseekreises. | Bild: Landratsamt

Wohl und Schutz des Kindes stehen im Vordergrund

Beim begleiteten Umgang stehen das Wohl und der Schutz des Kindes immer im Vordergrund. Deshalb hängt der Ablauf von der individuellen Situation der Familie ab. „Wenn das Kind noch sehr klein ist oder die Gefahr einer Gefährdung besteht, ist die Anwesenheit und enge Begleitung während des gesamten Termins erforderlich“, berichtet Schilling. Manchmal reiche auch die Begleitung während der Übergabe des Kindes oder das Treffen wird wegen häuslicher Gewalt zwischen den Eltern in neutralen Räumen eingeleitet und beendet. „Wir passen die Begleitung flexibel an die Bedürfnisse der Familie und insbesondere der Kinder an.“

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Aktuell arbeitet das Jugendamt daran, diese Aufgabe wieder an einen geeigneten freien Anbieter der Jugendhilfe zu vergeben. Ziel sei, noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung zu kommen, so Schilling. „Die Vergabe erfolgt dann schlussendlich durch den Jugendhilfeausschuss des Kreistags.“