Geht von Fischen eine Gefahr für den Menschen aus? „Wir fallen eindeutig nicht in das Beuteschema, weder von Hechten, noch von Welsen oder Karpfen“, erklärt Alexander Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle in Langenargen, gleich vorweg. Große Fische wie Welse oder Hechte würden sich ab und zu höchstens einmal ein Küken schnappen, so Brinker weiter. In den vergangenen Wochen hatte es in den Medien in ganz Deutschland immer wieder Spekulationen über die Gefährlichkeit von Welsen gegeben, nach dem in einem bayerischen See in der Nähe von Kulmbach ein 27-jähriger Mann und seine vierjährige Tochter zu Tode gekommen waren.

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Welse können bis zu 80 Jahre alt werden und wachsen ihr ganzes Leben lang

Rasch war aber klar: Die beiden Toten wiesen keinerlei Bissverletzungen auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, da in dem See schon einmal zwei Menschen verunglückt waren. Nach Angaben von Fischereiexperten gibt es in dem Badesee gar keine Welse. Welse können in Ausnahmefällen bis zu drei Meter lang werden, da die Fische ihr ganzes Leben lang wachsen und bis zu 80 Jahre alt werden. Welse, auch als Waller bekannt, verteidigen zwar in der Brutzeit im März und April ihre Gehege, aber dann sind meistens noch keine Schwimmer unterwegs. Nach Aussagen von Fischern schwimmen die Fische vielleicht sogar auf die Menschen zu, um sie zu erschrecken, greifen aber nicht an.

Fast 30 Kilogramm hatte der Karpfen, den der 19-jährige Laurids Hogl in Lindau gefangen hat.
Fast 30 Kilogramm hatte der Karpfen, den der 19-jährige Laurids Hogl in Lindau gefangen hat. | Bild: privat

Große Fische schwimmen auch mal in die Badezone

„Klar, Welse können extrem groß werden, es gibt auch bei uns welche, die über zwei Meter lang sind und bis zu 100 Kilogramm wiegen, aber die erschrecken sich eher vor den Menschen“, weiß Tobias Hechelmann, Angler und Anbieter von Angeltouren in Lindau, aus jahrelanger Erfahrung. Doch auch die Experten sind sich einig, es kann schon vorkommen, dass große Fische wie Karpfen, Hechte und Welse auch in Badezonen schwimmen, da dort das Wasser aufgewühlt ist. „Da gibt es dann in den Sedimenten Nahrung für die Fische und deshalb ist es schon möglich, beim Baden solche Fische zu sehen“, erklärt Hechelmann weiter. Auch die beiden Hobbyangler Tim Sigurta aus Langenargen und Laurids Hogl haben schon den einen oder anderen großen Fisch an Land gezogen. „Ich habe in Lindau vom Ufer aus einen Karpfen gefangen, der hatte fast 30 Kilogramm, aber Karpfen werden zwar sehr groß, aber die haben nicht einmal richtige Zähne, im Gegensatz zu Hechten“, weiß Laurids Hogl.

Welse können bis zu 100 Kilogramm schwer und unter Umständen bis drei Meter lang werden. Den Wels, oder Waller des Tim Sigurta aus ...
Welse können bis zu 100 Kilogramm schwer und unter Umständen bis drei Meter lang werden. Den Wels, oder Waller des Tim Sigurta aus Langenargen gefangen hat, ist über einen Meter lang. Foto: privat | Bild: privat
„Fische flüchten sich eher, wenn sie Menschen sehen. Man sollte aber natürlich immer vorsichtig sein, wenn man in freien Gewässern schwimmt, es kann Strömungen geben oder Untiefen.“
Alexander Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle

Das bestätigt auch Alexander Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle: „Fische flüchten sich eher, wenn sie Menschen sehen. Man sollte aber natürlich immer vorsichtig sein, wenn man in freien Gewässern schwimmt, es kann Strömungen geben oder Untiefen.“ Nach Aussagen der Experten, halten sich gerade in den Sommermonaten viele Fischarten in den obersten Schichten des Bodensees bis etwa 20 Meter Tiefe auf und ziehen sich in der kälteren Jahreszeit in größere Tiefen zurück. „Meiner Ansicht nach sollte man eher vorsichtig sein, wenn man beim Schwimmen auf Schwäne trifft, die Nachwuchs haben, denen sie auch immer verteidigen. Mit ihren Flügeln können sie Menschen durchaus verletzen“, so Brinker weiter.

Alexander Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle Langenargen
Alexander Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle Langenargen | Bild: Fischereiforschungsstelle Langenargen

Sonnenbrand ist eine größere Gefahr als Tiere und Pflanzen im Wasser

Keine Gefahr geht hingegen von Schlingpflanzen oder Seegras aus, dass derzeit oft auch weiter draußen auf dem Bodensee bis knapp unter die Wasseroberfläche reichen. „Schlingpflanzen ziehen keine Menschen nach unten“, versichert Brinker. Der Experte sieht für Schwimmer aber eine andere Gefahr: „Ich denke, am gefährlichsten ist es, sich einen Sonnenbrand zu holen, das kann Spätfolgen wie Hautkrebs haben.“ Er rät außerdem allen Schwimmern, die gerne große Strecken schwimmen, eine farbige Boje zu nutzen.

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