Kann eine Kriminalstatistik in ihrer Gesamtaussage gut oder schlecht sein? Darüber ließe sich gewiss streiten. Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für den Bodenseekreis sowie die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen erklärte Polizeipräsident Uwe Stürmer ohnehin: „Es geht uns nicht um eine gute Statistik, es geht uns um eine gute Sicherheitslage.“

Insgesamt weniger Straftaten in den drei Landkreisen

Das aktuelle Zahlenwerk zur Kriminalität im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg zeichnet dabei durchaus mehrere Entwicklungen nach, die zweifelsohne als gut einzustufen sind – auch wenn sie angesichts der coronabedingten Ausnahmesituation wohl nicht allesamt anhaltend sein werden. Dass in den drei Landkreisen in Summe im vergangenen Jahr weniger Straftaten als 2019 registriert wurden, zum Beispiel. Oder dass die Gewaltkriminalität zurückging und das mitunter sogar deutlich.

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In der Aufschlüsselung der insgesamt 28 497 Straftaten stecken zwar auch Entwicklungen, die zweifelsohne als schlecht einzustufen sind. „Wir befinden uns nicht auf einer Insel der Glückseligen. Wir sind in der Region durchaus auch von Kriminalität betroffen und das darf man nicht leugnen“, sagt Uwe Stürmer. In Summe fasst er allerdings zusammen: „Die Sicherheitslage ist gut – auch, wenn das Sicherheitsgefühl etwas anderes abbildet.“

Entwicklung im Bodenseekreis gegenläufig zum Trend

Ein Blick auf die Gesamtzahl an Straftaten in den einzelnen Landkreisen zeigt: Im Kreis Ravensburg (2019: 13 550; 2020: 12 288) und im Kreis Sigmaringen (2019: 6197, 2020: 6034) ging sie zurück, im Bodenseekreis wurden 2020 mit insgesamt 10 175 Straftaten dagegen sogar mehr als 2019 (9986) registriert.

Rein rechnerisch wäre diese Entwicklung schon durch Abzug eines in Kressbronn registrierten Betrugsfalls mit 311 Geschädigten – hier geht es also um 311 Straftaten – umgekehrt. Der mit 1,9 Prozent vergleichsweise leichte Anstieg bei den Straftaten im Bodenseekreis dürfte nach Einschätzung der Polizei aber insbesondere der Attraktivität der Region in Verbindung mit dem coronabedingt veränderten Freizeitverhalten geschuldet sein. Im Sommer etwa war verbreitet Urlaub zu Hause oder zumindest in Deutschland angesagt. Viele Menschen zog es an den Bodensee. „Und wo mehr Menschen sind, passiert auch mehr Kriminalität", erklärt Michael Schrimpf, stellvertretender Leiter der Kriminalpolizeidirektion.

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Blick auf einzelne Kriminalitätsbereiche

Außer an Sommertagen am See hatten Taschendiebe, die sonst im Gedränge zugreifen, im Coronajahr 2020 aber natürlich eher schlechte Karten. Gerade im Internet nahmen Lug und Betrug laut Polizei dagegen deutlich zu. Wobei sich nicht jede der folgenden Entwicklungen ausschließlich oder überhaupt durch die Pandemie erklären lässt.

Alle Zahlen beziehen sich auf den gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg

„Das vor uns liegende Jahr dürfte nochmals deutlich unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stehen und statistisch betrachtet – wie 2020 auch – mit den Vorjahren deshalb nur eingeschränkt vergleichbar werden“, sagt Uwe Stürmer. „Wir werden unseren Mix aus Prävention, Präsenz und Repression mit dem Ziel weiter fortführen, neben der Verbesserung der objektiven Sicherheitslage auch das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu stärken.“