Schon im vergangenen Jahr endete der Badesommer am Bodensee mit einem traurigen Ergebnis: Die Wasserschutzpolizei (Wapo) verzeichnete im Zuständigkeitsbereich der baden-württembergischen Wasserschutzpolizeistationen Friedrichshafen, Konstanz und Überlingen insgesamt 20 Badeunfälle. Das waren fünf mehr als im Vorjahr und deutlich mehr Unfälle als in vielen Jahren zuvor (siehe Grafik). Neun Menschen kamen 2019 bei Badeunfällen ums Leben, elf wurden verletzt.

Bild: Schönlein, Ute
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Warum befürchtet die DLRG, dass es in diesem Sommer mehr Badeunfällen geben könnte?

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft  (DLRG) befürchtet wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr in ganz Deutschland mehr Badeunfälle als in den Jahren zuvor. Die Begründung: Weil viele Menschen ihren Urlaub im eigenen Land verbringen, ziehe es auch mehr Menschen an heimische Gewässer. So steige das Risiko für Badeunfälle, derzeit sei aber noch keine absolute Spitze zu beobachten. Erste Zahlen für dieses Jahr will die DLRG Anfang August veröffentlichen. Der Deutsche Schwimmlehrerverband rechnet sogar mit rund 20 Prozent mehr Badetoten.

Wie viele Badeunfälle gab es im Jahr 2020 bislang am Bodensee?

Das für die Wasserschutzpolizei zuständige Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen berichtet in diesem Sommer bislang von drei Badeunfällen im Zuständigkeitsbereich der Wasserschutzpolizeistationen Konstanz, Überlingen und Friedrichshafen, zwei davon endeten tödlich. Eine 72-jährige Frau verunglückte beim Schwimmen im Bodensee vor Unteruhldingen. Trotz aller Maßnahmen von Ersthelfern und Rettungskräften starb sie später im Krankenhaus an den Folgen.

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Bei Bodman endete ein Badeunfall Anfang des Monats ebenfalls tödlich. Ein 56-jähriger Mann, der zunächst gerettet werden konnte, starb später im Krankenhaus. Ein Stand-up-Paddler, der vor wenigen Tagen bei Manzell ums Leben kam, wird in der Statistik der Wasserschutzpolizei nicht als Badeunfall, sondern als Schiffsunfall geführt. Auch Tauchunfälle werden nicht zu den Badeunfällen gerechnet, sondern gesondert aufgelistet.

Wie schätzen Experten das Risiko für eine steigende Zahl an Badeunfällen am Bodensee ein?

Zur Frage, ob es in diesem Jahr mehr Badeunfälle als sonst geben könnte, erklärt das Polizeipräsidium Einsatz: Dazu wolle man keine Aussage treffen. „Denn dies wäre reine Spekulation“, so ein Polizeisprecher. Und was meint Rudi Krafcsik, Noch-Vorsitzender der DLRG im Bodenseekreis, zur These von mehr Badeunfällen in diesem Sommer? „Wenn mehr Menschen Urlaub in Deutschland machen, dann kann natürlich grundsätzlich auch mehr passieren“, sagt Krafcsik. Die Betonung liege dabei auf „kann“.

DLRG-Kreisvorsitzender Rudi Krafcsik
DLRG-Kreisvorsitzender Rudi Krafcsik | Bild: Corinna Raupach

Die prozentuale Wahrscheinlichkeit steige, aber es müsse nicht zwangsläufig mehr Unfälle geben. Entscheidend sei hier unter anderem auch die Vernunft der Menschen, denn Leichtsinn und Selbstüberschätzung seien Ursachen vieler Badeunfälle.“Wer ins Wasser hüpft, sollte davor eben nicht zwei Stunden in die pralle Sonne liegen. Das ist gefährlich – und das weiß man“, so der DLRG-Vorsitzende.

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Von übervollen Badestränden am vergangenen Wochenende berichtet Karl-Heinz Rimmele, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Sipplingen. Anders als in Freibädern, in denen die Zahl der Besucher coronabedingt begrenzt werde, seien beispielsweise die Badestellen in Sipplingen frei zugänglich.

Viele Menschen würden derzeit ihren Urlaub in der Heimat verbringen. Und je mehr Badegäste an den See kommen, desto mehr Verletzungen könne es natürlich geben. Gefährlich werde es vor allem dann, wenn Badegäste überhitzt ins Wasser gehen oder Kopf voraus ins Wasser springen, ohne zu wissen, wie tief der See an dieser Stelle ist.

Karl-Heinz Rimmele, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Sipplingen
Karl-Heinz Rimmele, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Sipplingen | Bild: Holger Kleinstück

Was rät die Wasserschutzpolizei allen Schwimmern in der Region?

Beachten Sie konsequent die jeweils geltenden Baderegeln. Kühlen Sie sich, insbesondere bei Hitze, vor dem Baden ausreichend ab. Gehen Sie nie ohne Begleitung oder Beobachtung schwimmen oder baden. Schwimmen Sie nie außer Sichtweite anderer Badegäste und entfernen Sie sich nicht aus der Ufernähe. Schwimmen Sie innerhalb der ausgewiesenen Badezonen. Springen Sie bei unbekannten Tiefenverhältnisse nicht ins Wasser. Kalkulieren Sie immer eventuelle Strömung mit ein.

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