In Coronazeiten sind die kleinsten Anzeichen einer Erkältung gleich besorgniserregend. Denn die Angst, sich mit Covid-19 zu infizieren, steigt in der Bevölkerung. Doch was ist im Ernstfall genau zu tun? Wir geben Ihnen hier die wichtigsten Informationen, die Sie brauchen, wenn Sie selbst oder ein Familienmitglied in dieser Herbst- und Wintersaison erkranken.

Warum Sie immer Ihren Haus- oder Kinderarzt anrufen sollten

Ganz grundsätzlich gilt, dass Sie immer Ihren Haus- oder Kinderarzt kontaktieren sollten. „Es bedarf der sorgfältigen Entscheidung des Arztes, über weitere Schritte zu entscheiden“, erklärt Germar Büngener, Vorsitzender der Kreisärzteschaft. Nur ein Mediziner könne letztendlich entscheiden, ob Sie oder Ihr Kind in die Praxis kommen müssen, ob ein Corona-Test durchgeführt werden muss oder ob die Fieberambulanz an der Messe Friedrichshafen zuständig ist. Es gibt an der Fieberambulanz nach Angaben des Gesundheitsamtes keine offene Sprechstunde – nur wer von seinem Arzt einen Termin bekommt, kann sich dort auch testen lassen. Nach Angaben des Landratsamtes Bodenseekreis können Sie, falls Sie Ihren Hausarzt telefonisch nicht erreichen, über den Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung unter Telefon 116 117 erfragen, wo es eine Corona-Anlaufstelle in der Nähe gibt und wie Sie dort einen Termin bekommen. Bis zur weiteren Abklärung sollten Sie zu Hause bleiben und den Kontakt zu anderen Personen auf ein Minimum beschränken.

Dr. Germar Büngener (rechts), Vorsitzender der Kreisärzteschaft Bodenseekreis, bei einem Termin am Häfler Klinikum im April.
Dr. Germar Büngener (rechts), Vorsitzender der Kreisärzteschaft Bodenseekreis, bei einem Termin am Häfler Klinikum im April. | Bild: Felix Kaestle
„Nur der Arzt kann letztendlich entscheiden, ob es sich um eine Grippe, einen Schnupfen oder Corona handelt.“
Dr. Germar Büngener, Vorsitzender der Kreisärzteschaft

Kann ich auch einfach abwarten?

Prinzipiell ja, solange sich die Symptome nicht verschlimmern. „Sobald das Fieber steigt, eine Genickstarre oder starke Kopfschmerzen auftauchen, sollten Sie sofort den Arzt anrufen“, rät Büngener. Sollte sich die Situation wieder normalisieren, müssen Sie oder Ihr Kind aber mindestens einen Tag fieberfrei und wieder in einem guten Allgemeinzustand sein, bevor der nächste Schul- oder Bürotag ansteht.

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Welche Symptome sprechen für eine Corona-Infektion?

Die häufigsten Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus sind nach Angaben des Gesundheitsamtes Fieber und trockener Husten. Auch Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Kopfweh und Müdigkeit können vorkommen. Eine Besonderheit der Corona-Infektion ist der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn ohne Schnupfen. Bei schwereren Verläufen können auch Atembeschwerden bis hin zur Atemnot, Brustschmerzen oder gar der Verlust der Sprach- und Bewegungsfähigkeit auftreten. Spätestens bei solchen Symptomen sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Rufen Sie in so einem Fall zuerst bei dem Arzt oder dem Krankenhaus an, damit diese die bei Corona-Infektionen notwendigen Vorkehrungen treffen können und Sie andere Patienten nicht gefährden.

Bild: Schönlein, Ute

Und welche Symptome sprechen für eine Grippe?

Bei einer Grippe verschlechtert sich das Befinden meist recht schnell und der Patient entwickelt ein starkes Krankheitsgefühl. Oft kommt es zu hohem Fieber, das auch von Schüttelfrost begleitet werden kann. Auch Kopf- und Gliederschmerzen sind häufig. Betroffene fühlen sich sehr müde und abgeschlagen und werden oft von trockenem Husten geplagt.

Was spricht für eine normale Erkältung?

Die Erkältung kündigt sich fast immer mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden an. Meist kommt es kurz danach zum Schnupfen, später gesellt sich oft noch Husten dazu. Dieser kann anfangs trocken sein, entwickelt sich dann aber meist zu einem produktiven Husten mit Auswurf. Auch Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit kommen oft hinzu.

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Was passiert, wenn ein Corona-Test angeordnet wird?

Dann müssen Sie zwischen der Abnahme des Tests und der Mitteilung des Ergebnisses auf jeden Fall zu Hause bleiben. Betroffene Kinder sollten nicht in Schule oder Kita gehen, Erwachsene ebenfalls nicht zu ihrer Arbeitsstelle. Solange das Gesundheitsamt nichts anderes vorgibt, dürfen gesunde Familienangehörige aber normal zur Arbeit gehen, gesunde (Geschwister)-Kinder dürfen Kita und Schule besuchen. „Sie sollten aber darauf achten, dass Sie Abstand zum Rest der Familie einhalten, also zum Beispiel auch nicht gemeinsam essen“, rät Allgemeinarzt Germar Büngener.

Bei einem Corona-Test wird ein Abstrich aus Rachen und Nase genommen, wie hier bei einem Erntehelfer.
Bei einem Corona-Test wird ein Abstrich aus Rachen und Nase genommen, wie hier bei einem Erntehelfer. | Bild: Landratsamt Bodenseekreis

Wie läuft ein Corona-Test ab?

Der Nachweis für SARS-CoV-2 läuft über Abstriche. Dafür führt der behandelnde Arzt ein Wattestäbchen in den Mund-, Nasen- oder Rachenraum. Da der Arzt das Wattestäbchen relativ tief in den Rachen stecken muss, kann das kurz unangenehm sein und einen Würgereiz auslösen. Der Abstrich kann Erbgut des Virus‘ enthalten. „Danach wird der entnommene Abstrich von einem Labor untersucht“, erklärt Germar Büngener. Der molekulare Test hat den etwas komplizierten Namen „Real-time Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion“ (englisch abgekürzt RT-PCR).

Wie lange muss ich auf ein Testergebnis warten?

In der Regel dauert das nach Angaben Büngeners rund 30 Stunden. In manchen Fällen wird der Patient über die Corona-WarnApp informiert, in anderen Fälle informiert der Arzt den Patienten aber auch direkt. Es gibt auch die Möglichkeit, einen Schnelltest durchführen zu lassen. „Allerdings sind die nicht so genau wie die üblichen PCR-Tests und werden von den Behörden nicht anerkannt“, erklärt Büngener. In seiner Praxis bietet er den Schnelltest aber an.

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Was muss ich bei einem positiven Testergebnis beachten?

Wenn Sie oder eines Ihrer Familienmitglieder positiv getestet werden, dürfen Sie oder Ihr Kind frühestens zehn Tage nach Symptombeginn wieder in Kita, Schule oder Büro. Laut Anweisung des Gesundheitsamtes muss jemand, der positiv getestet wurde, zudem mindesten 48 Stunden lang symptomfrei sein. Das Gesundheitsamt kann weitere Vorgaben machen. Auch enge Kontaktpersonen eines positiv Getesteten müssen mindestens 14 Tage lang in Quarantäne leben. Die behördliche Anordnung hierfür erteilt nach Angaben des Landratsamtes Bodenseekreis die Wohnortgemeinde oder das Gesundheitsamt. Wer diese Anordnung nicht befolgt, hat mit Bußgeld oder anderen Zwangsmaßnahmen zu rechnen. Diese Kontaktpersonen der „Kategorie 1“ können sich nach Absprache mit ihrem Arzt ebenfalls testen lassen, auch wenn sie noch keine Symptome haben. Aber auch ein negatives Testergebnis verkürzt die Quarantänezeit nicht.

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Was passiert, wenn das Gesundheitsamt die Quarantäne anordnet?

Dann gelten strenge Verhaltens- und Hygieneregeln. So dürfen Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus nicht verlassen, auch nicht für kleinere Gänge, wie den Müll rauszubringen, einzukaufen oder an den Briefkasten zu gehen. Außerdem sind keine Besuche von anderen Personen gestattet. Sie sollten den direkten Kontakt mit anderen Menschen meiden.