Die meisten der aktuell rund 40 Mitglieder des Vereins Kitt – Kino und Kleinkunst Tettnang waren früher selbst gern Gast im Kino von Helene und Thomas Anweiler. Aus wirtschaftlichen Gründen mussten die Kinobetreiber den Betrieb einstellen. „Unser gemeinsames Ziel ist, das Kino zu erhalten und Raum für Neues wie die Kleinkunstbühne schaffen“, erklärt Vorsitzender Matthias Brugger. Gleichzeitig wolle man in Tettnang mit dem neuen Kitt einen Ort für Treffen und Begegnungen ins Leben rufen.

Der Ticketverkauf im neuen Tettnanger Kitt bleibt an Ort und Stelle.
Der Ticketverkauf im neuen Tettnanger Kitt bleibt an Ort und Stelle. | Bild: Claudia Wörner

Beispiele in der Region wie die Linse in Weingarten und die Mühle in Oberteuringen würden zeigen, dass von einem Verein organisierte Kultur funktionieren könne. Nun ist es soweit: Der Umbau ist fertig und am Wochenende wird die Wiedereröffnung gefeiert. Dabei blieb vieles vom alten Charme des Kitt – wie der Saal mit seinen 96 Plätzen – erhalten.

Kino ganz anders als Film auf der Couch

Dass ein Kino in Zeiten von Streamingdiensten wie Netflix immer noch eine Daseinsberechtigung hat, vergleicht Brugger mit dem Unterschied zwischen selbst zu kochen und essen zu gehen. „Ein Film im Kino ist ein ganz anderes Erlebnis, als ihn daheim auf der Couch zu sehen“, sagt der 25-Jährige, der bereits im alten Kitt als Filmvorführer gearbeitet hat. Es gebe ihm ein gutes Gefühl, durch sein Engagement im Verein etwas zu tun, von dem auch andere profitieren.

Tettnanger Kino und künftig auch Kleinkunstbühne: Der Saal des Kitt mit seinen 96 Plätzen bleibt bis auf die modernisierte Technik ...
Tettnanger Kino und künftig auch Kleinkunstbühne: Der Saal des Kitt mit seinen 96 Plätzen bleibt bis auf die modernisierte Technik unverändert. | Bild: Claudia Wörner

Wolfgang Striegel, der sich im Kleinkunstteam engagiert, legte kurz vor der Wiedereröffnung mit Hand an. „Es war schon viel Arbeit. Das funktioniert nur, wenn viele Leute mit im Boot sind“, stellt er fest. Aber die Stimmung sei gut und am Ende etwas Hektik sei normal. „Jetzt wünsche ich dem Kitt, dass die Anfangseuphorie in die Kunst zu stabilisieren übergeht“, sagt Striegel. In seinem Leben sei eigentlich immer alles glatt gelaufen. Nun wolle er der Gesellschaft etwas zurückgeben, meint er zu seiner Motivation.

Leute mit verschiedenen Motivationen im Verein

Bereits Ende September hat der Tettnanger Gemeinderat mit einstimmigem Votum den Startschuss für die Wiederbelebung des Kinos gegeben. „Damit verbunden sind eine Kulturförderung durch die Stadt und 50.000 Euro für den Umbau“, berichtet Brugger. Im November folgte die Gründungsversammlung des Vereins mit 20 Mitgliedern.

Wegen Corona habe es nur wenige persönliche Treffen gegeben. Einige Mitglieder hätten sich bis vor Kurzem nur online gekannt. „Wichtig waren in der Anfangsphase vor allem Geduld und Vertrauen“, schildert der Vorsitzende. So sei es vor allem darum gegangen, die Leute mit ihren verschiedenen Motivationen zusammenzubringen.

Matthias Brugger geht es als Vorsitzendem des Vereins darum, die Mitglieder mit ihren verschiedenen Motivationen zusammenzubringen.
Matthias Brugger geht es als Vorsitzendem des Vereins darum, die Mitglieder mit ihren verschiedenen Motivationen zusammenzubringen. | Bild: Claudia Wörner

Was im alten Kitt gut funktioniert hat, will der Verein auch künftig beibehalten. „Wir wollen aber auch frischen Wind reinbringen“, sagt Brugger. Neu ist die Trennung von Ticketverkauf und einer Theke für Snacks und Getränke mit dem Ziel, zu entzerren und die Aufenthaltsqualität der Besucher zu steigern. Außerdem wurde die Technik auf den neuesten Stand gebracht.

Über den Sommer sollen zunächst nur an zwei Tagen pro Woche sowohl Mainstreamfilme als auch Filme, die es nicht in die großen Kinos schaffen, über die Leinwand flimmern. Müsste der Verein mit seinen ehrenamtlichen Mitgliedern doch zunächst ins Geschehen finden und Wissen aufbauen. Zu stemmen haben sie künftig Kartenverkauf, Bewirtung, Marketing, Technik und Programmplanung.

Künftig auch Kleinkunst im Kitt

Erhalt des Tettnanger Kinos durch ehrenamtliches Engagement: Der Verein Kitt – Kino und Kleinkunst Tettnang sorgt dafür, dass sich ...
Erhalt des Tettnanger Kinos durch ehrenamtliches Engagement: Der Verein Kitt – Kino und Kleinkunst Tettnang sorgt dafür, dass sich die Tür wieder öffnet. | Bild: Claudia Wörner

Genutzt wird die Bühne im Kitt künftig auch für Kleinkunstveranstaltungen. Auch Kooperationen und Events, beispielsweise mit Vereinen, Schulen dem Jugendhaus oder dem Eine-Welt-Laden seien geplant. „Der Raum bietet dafür den Flair und die Möglichkeiten.“ Entscheidend sei, die Menschen mit ihren verschiedenen Motivationen zusammenzubringen, schildert Brugger. „Ziel ist, dass uns die Ehrenamtlichen möglichst lange erhalten bleiben.“ So gelte es, die Aufgaben gut zu verteilen und niemanden zu überlasten.

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