Seit Wochen sind Kontakte in den Pflegeeinrichtungen wegen der Gefahr durch eine Ansteckung mit dem Coronavirus untersagt. Schon Tage vor der offiziellen Anordnung haben Verantwortliche reagiert, Besuche untersagt und das Pflegepersonal auf Schutzregeln eingeschworen. Dennoch sind Infektionen aufgetreten, bisher nur Einzelfälle. Aktuell wurde ein Fall aus einer vierten Einrichtung im Bodenseekreis gemeldet.

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Welche Pflege- oder Betreuungseinrichtungen betroffen sind, wird vom Landratsamt nicht mitgeteilt: „Es ist Aufgabe der Träger, dies gegenüber Bewohnern und Angehörigen zu kommunizieren. Es gibt hier kein berechtigtes öffentliches Interesse im juristischen Sinn. Folglich steht der Schutz der Bewohner und Betreiber höher. Es liegt in der Verantwortung der Einrichtungsleitungen, angemessen und verantwortungsbewusst über deren Situation nach innen und außen zu kommunizieren. Das ist grundsätzlich nicht Sache der Behörde“, teilt Pressesprecher Robert Schwarz mit. Die jüngst betroffene Person war in eine Klinik eingeliefert, das Umfeld abgeklärt worden. Bei einer Person gehe die Behörde davon aus, dass die Infektion zwischenzeitlich überstanden sei.

Zutrittsverbot für Besucher und Angehörige

Im Haus der Pflege St. Sebastian in Wittenhofen war eine Person infiziert, wie dem SÜDKURIER bekannt war. Sie ist wieder wohlauf. Aus Datenschutzgründen werden weder Alter noch Geschlecht mitgeteilt. Es habe sich wohl niemand sonst infiziert, teilte Helga Raible, Pressesprecherin der die Einrichtung betreibende Stiftung Liebenau, weiter mit.

Dass man nicht vorsichtig genug sein kann, zeigt dieser Fall: Bereits zum 13. März gab es ein Zutrittsverbot für Besucher und Angehörige der Bewohner in den Häusern der Pflege der Stiftung Liebenau, präventiv zum Schutz der Bewohner und Mitarbeiter. „Schon vor diesem Zeitpunkt hatten wir um Abstand gebeten und um den Verzicht eines Besuchs, wenn er nicht unbedingt erforderlich ist“, sagt Helga Raible. Die Häuser seien immer in Abstimmung mit den Gemeinden geschlossen worden.

Nach Testergebnis sofort isoliert

Zusätzlich zu den Zutrittsbeschränkungen war die betroffene Person in Wittenhofen sofort nach dem Testergebnis isoliert und weitere umfassende Schutzmaßnahmen eingeleitet worden: Alle anderen Bewohner blieben zunächst in ihren Zimmern, erhielten dort auch das Essen. Deren Gesundheitszustand wurde und wird genau beobachtet und dokumentiert, um eventuelle Krankheitszeichen frühestmöglich erkennen zu können. Auch die Mitarbeiter dokumentierten täglich vor Dienstantritt ihren Gesundheitszustand und seien mit den notwendigen Schutzausrüstungen ausgestattet.

Alle Maßnahmen seien mit dem Gesundheitsamt abgestimmt worden. Testungen erfolgen nach Maßgabe der Behörden in der Regel nur, wenn Symptome auftreten. „Wir konnten es gemeinsam mit den Einrichtungen bisher verhindern, dass sich die Infektionen innerhalb der Häuser ausbreiten“, bestätigte Robert Schwarz.

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Die Bewohner in Wittenhofen hatten verständig reagiert und seien wohlauf. Auch die einschränkenden Maßnahmen werden von allen eingehalten. Unter Einhaltung der Abstandsregeln und mit kontrollierter Begleitung könnten sie einzeln auf Balkon und Terrasse frische Luft und für die Seele etwas Energie und Sonne zu tanken. „Die Menschen im Haus St. Sebastian werden von außen mit lieben Grüßen und Gesten beschenkt und sind auf vielfältige Weise kreativ. Auf den Fluren wird gemeinsam gesungen und viel gelacht“, so die Pressesprecherin.

Großes Verständnis für Schutzmaßnahmen

Auch alle Angehörigen hatten auf die Schutzmaßnahmen von Anfang an mit großem Verständnis reagiert. Die Mitarbeitenden versuchten, den Kontakt zwischen Angehörigen und Bewohnern auch während der Zutrittsverbote zu ermöglichen – etwa mit Telefonaten und durchs geschlossene Fenster. Kinder und Familien schickten täglich Grüße und Segenswünsche ins Haus St. Sebastian.

„Es gibt zunehmend Fälle, die positiv getestet wurden, die jedoch keine typische Symptomatik zeigten. Das gibt es auch bei alten Menschen.“
Spitalverwalter Heinrich Lang

Auf welche Weise die Ansteckung der einen Person erfolgte, war nicht bekannt. Der Weg sei kaum nachzuverfolgen. Das ist auch Spitalverwalter Heinrich Lang bekannt, dessen Pflegeheim St. Franziskus in Markdorf nicht betroffen ist. Er wisse von Einrichtungen mit Kranken, in denen die Infektionskette überhaupt nicht nachvollziehbar sei. Und: „Es gibt zunehmend Fälle, die positiv getestet wurden, die jedoch keine typische Symptomatik zeigten. Das gibt es auch bei alten Menschen.“

Wohl außerhalb der Einrichtung infiziert

„Ein Test hat nur dann Sinn, wenn jemand auch Symptome hat. Da dies in der Einrichtung nicht der Fall war, wurde hier auch niemand weiter getestet. Die Recherchen des Gesundheitsamts haben ergeben, dass die Person sich aller Wahrscheinlichkeit nach außerhalb der Einrichtung infiziert hat. Dort gab es auch Kontaktpersonen mit Symptomen, die dann auch getestet wurden“, sagte Pressesprecher Robert Schwarz zum Fall in Wittenhofen. Im Übrigen kümmerte sich die Einrichtungen selbst um eventuell nötige Tests von Bewohnern und Mitarbeitern. Das Gesundheitsamt begleite diesen Vorgang beratend.

Für den Fall der Fälle sind die Pflegeeinrichtungen aber vorbereitet.“Wir haben genug Schutzausrüstung und die Mitarbeiter sind alle mit Mundschutz ausgerüstet“, sagt beispielsweise Heinrich Lang.