Ein sanfter Anlauf, ein steiler Anstieg, eine zu einer Horizontalen tendierende Weiterentwicklung und aktuell wieder eine etwas stärkerer Tendenz nach oben: Sieht man mal von der Gesamtzahl und dem damit im Kreis Ravensburg noch etwas steileren Anstieg zu Beginn ab, so verläuft die Entwicklung der Corona-Infektionen im Bodenseekreis und im Nachbarlandkreis seit Ausbruch der Pandemie quasi synchron.

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Nun behaupten böse Zungen, dass – gemessen an den Autofahrkünsten der jeweiligen Bewohner – Welten zwischen den Landkreisen liegen. Tatsächlich ist es doch aber höchstens eine etwas längere Autofahrt, die die Zuständigkeitsbereiche zweier Gesundheitsämter trennen. So etwas wie eine Landkreisgrenze gibt es im Alltag der meisten Menschen nicht. Bei aller Nähe erscheint ein Blick auf die momentanen Corona-Zahlen zunächst überraschend: Aktuell (Stand: Mittwoch) gelten im Kreis Ravensburg mehr als 60 Menschen als infiziert, im Bodenseekreis lediglich vier. Woher rühren gravierende Unterschiede wie dieser?

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Momentaufnahmen und ein statistisches Beobachtungsproblem

„Das sind immer nur Momentaufnahmen„, antwortet Robert Schwarz auf SÜDKURIER-Anfrage. Der Sprecher des Landratsamtes im Bodenseekreis erinnert daran: Vor gut zwei Wochen waren es im Bodenseekreis noch mehr als 20 akute Infektionsfälle. „Jederzeit können aus dem Alltag heraus Infektionsherde entstehen und binnen kurzer Zeit zu hohen Zahlen führen“, erklärt Schwarz. „Strukturell lassen sich aus unserer Sicht keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Landkreisen identifizieren, die auf eine vergleichsweise höhere oder geringere ‚Corona-Neigung‘ schließen lassen.“

„Durch das schnelle Eingreifen des Gesundheitsamtes mit Ermittlung der Kontaktpersonen, welche sich als Kontaktpersonen der Kategorie 1 unmittelbar in Quarantäne begeben müssen, konnten in der letzten Zeit Infektionsketten schnell unterbrochen werden“, schildert Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts Bodenseekreis
„Durch das schnelle Eingreifen des Gesundheitsamtes mit Ermittlung der Kontaktpersonen, welche sich als Kontaktpersonen der Kategorie 1 unmittelbar in Quarantäne begeben müssen, konnten in der letzten Zeit Infektionsketten schnell unterbrochen werden“, schildert Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts Bodenseekreis | Bild: Timm Lechler

Als ein „durch den Zufall bedingtes, statistisches Beobachtungsproblem bei zum Glück momentan vergleichsweise niedrigen Absolutzahlen“, beschreibt Selina Nussbaumer, Sprecherin im Ravensburger Landratsamt, Momentaufnahmen wie diese aktuelle. „Im gesamten August wurden uns insgesamt 26 Fälle gemeldet, an manchen Tagen gar kein Fall, an anderen acht an einem Tag“, berichtet sie. Insbesondere bei sogenannten Clustern, etwa wenn Infektionen bei mehreren Familienangehörigen gleichzeitig diagnostiziert werden, könne bereits durch wenige Fälle eine Verdoppelung verursacht werden.

Die meisten Infektionen sind in beiden Landkreisen auf Reiserückkehrer zurückzuführen

Alle Neuinfektionen, die dem Gesundheitsamt des Bodenseekreises im August gemeldet wurden, betrafen Robert Schwarz zufolge Rückkehrer von Auslandsreisen. Die Erfahrung zeige auch in anderen Regionen, dass sowohl sogenannte Superspreader-Ereignisse als auch parallel stattfindende dezentrale Vorkommen zu einem schnellen Anstieg der Zahlen führen können. „Durch das schnelle Eingreifen des Gesundheitsamtes mit Ermittlung der Kontaktpersonen, welche sich als Kontaktpersonen der Kategorie 1 unmittelbar in Quarantäne begeben müssen, konnten in der letzten Zeit Infektionsketten schnell unterbrochen werden.“

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Auch die meisten der im Kreis Ravensburg im August gemeldeten Fälle sind Selina Nussbaumer zufolge auf Reiserückkehrer zurückzuführen. „Hier werden immer wieder Cluster, also Erkrankungshäufungen in der Familie oder dem nahen sozialen und beruflichen Umfeld beobachtet“, schildert sie. „Durch zeitnahe, schnelle Ermittlungen können die Infektionsketten durch Quarantänemaßnahmen unterbrochen werden.“ Momentan gebe es keinen Anhaltspunkt für ein diffuses Geschehen. „Allerdings besteht die Sorge, dass sich dies durch die schiere Zahl von Reiserückkehrern aus Risikogebieten, die sich womöglich nicht an die Quarantäne halten, ändern könnte“, ergänzt Nussbaumer.

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Wie arbeiten die Kreisverwaltungen im Corona-Kontext zusammen?

„Alle Gesundheitsämter auf der ‚Südschiene‘ zwischen Ulm und Bodensee arbeiten reibungslos als seit Jahren eingespielte Teams, die sich auf Leitungsebene gegenseitig auch persönlich gut kennen und schätzen, zusammen“, erklärt Selina Nussbaumer. Auch Robert Schwarz beschreibt die Zusammenarbeit als sehr gut. „Wir tauschen uns über konkrete Fälle aus, zum Beispiel bei Pendlern bezüglich der Zuordnung und dem Kontaktpersonenmanagement.“ Darüber hinaus gebe es auch regelmäßige Schulterblicke und Erfahrungsaustausche, vor allem wenn sich Rahmenbedingungen ändern.