Das Angebot der noch nicht besetzten Ausbildungsplätze für den Herbst ist breit gefächert: Gesucht werden beispielsweise Fachinformatiker ebenso wie Kaufleute im Einzelhandel, Mechatroniker, Industrie- oder Anlagenmechaniker, Köche und Hotelfachleute oder Azubis im Bereich Lagerlogistik.

„Wir bekommen aktuell von vielen Unternehmen ganz unterschiedlicher Branchen die Rückmeldung, dass es schwer ist Nachwuchs zu finden“, berichtet Clemens Besenfelder, Ausbildungsberater der IHK Bodensee-Oberschwaben.

Clemens Besenfelder, Ausbildungsberater der IHK Bodensee-Oberschwaben
Clemens Besenfelder, Ausbildungsberater der IHK Bodensee-Oberschwaben | Bild: IHK

Seit längerer Zeit würden aber insbesondere die Gastronomie und der Einzelhandel – hier vor allem Lebensmittelhandel und Baumärkte – unter dem Fachkräftemangel leiden. Im Handwerk seien vor allem Bäcker, Metzger, Stuckateure, Maurer und Maler auf der Suche nach Azubis, sagt Wolfgang Künze, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis.

Pandemie bremst Berufsorientierung und Praktika aus

Durch die Pandemie habe an den Schulen leider kaum Unterricht zur Berufsorientierung stattgefunden und Praktika in Unternehmen seien nur sehr eingeschränkt bis unmöglich gewesen, stellt Besenfelder fest. Die Schüler hätten deshalb nur wenig Impulse für den wichtigen Schritt auf dem Weg ins Berufsleben bekommen.

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„Das schlägt sich jetzt in der mangelnden Nachfrage nach Ausbildungsplätzen nieder“, so Besenfelder. Ganz ähnlich sieht es Wolfgang Künze. „Im Handwerk müsste der Trend aber eigentlich in die andere Richtung gehen, denn unsere Betriebe hatten bis auf die Frisöre während der Pandemie alle sehr gut zu tun“, sagt er.

Wolfgang Künze, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis
Wolfgang Künze, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis | Bild: Claudia Wörner

Handwerksbetrieben empfiehlt Künze, verstärkt Praktika anzubieten, um doch noch Nachwuchs für das kommende Ausbildungsjahr zu gewinnen. „Junge Leute, die sich für eine Lehrstelle interessieren, fragen am besten direkt beim Betrieb um die Ecke nach oder wenden sich an die Kreishandwerkerschaft“, regt Künze an.

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Die Betriebe seien stark daran interessiert, junge Menschen auszubilden und die qualifizierten Fachkräfte von morgen ins Handwerk zu holen und zu halten. „Jede unbesetzte Ausbildungsstelle schmerzt“, unterstreicht Hauptgeschäftsführer Tobias Mehlich von der Handwerkskammer Ulm.

IHK -Aktion: Sommer der Berufsausbildung

Die IHK empfiehlt den Unternehmen, offensiv zu werden und die freien Ausbildungsplätze bei der IHK-Lehrstellenbörse einzutragen und bei der Agentur für Arbeit zu melden. Die Aktion „Sommer der Berufsausbildung“ soll darüber hinaus Impulse für eine kurzfristige Ausbildungsmotivation bei den Jugendlichen geben. Dazu wird die IHK im August in ausgewählten Städten der Region mit einem Info-Stand und ihren Ausbildungsberatern vor Ort sein.

„In diesem Jahr ist die Chance auf eine qualifizierte Ausbildung besonders hoch“, so die Einschätzung von Besenfelder. Er vermutet, dass es im kommenden Jahr bei den Ausbildungsplätzen zu einem Engpass kommen könnte, wenn junge Menschen, die dieses Jahr die Schule abschließen, den Ausbildungsstart auf 2022 verschieben. „Dann treffen zwei Jahrgänge als Nachfrager am Ausbildungsmarkt aufeinander.“ Deshalb gelte es, jetzt die Chancen zu ergreifen, so der Ausbildungsberater der IHK.