Sauberes Wasser? Fehlanzeige. Eine verdreckte, dunkle Flüssigkeit modert in einer alten Badewanne vor sich hin. Daneben steht ein kaputter Unterstand aus Holz. Abgesehen von etwas Gras gibt es auf dem eingezäunten Stück Weide in der Bodenseeregion kein Futter. Und mittendrin: zwei Pferde. Eines der Tiere sieht auf den ersten Blick normal aus. Beim zweiten Pferd sind die Rippen deutlich sichtbar.

Beim Besuch des SÜDKURIER vor Ort haben die Pferde auf einer Koppel kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung.
Beim Besuch des SÜDKURIER vor Ort haben die Pferde auf einer Koppel kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung. | Bild: Mona Lippisch

Nur wenige hundert Meter weiter ist eine zweite Koppel abgesteckt. Hier stehen acht Pferde. Einen Unterstand gibt es nicht, nur Bäume, unter denen die Tiere bei schlechtem Wetter oder praller Sonne Schutz suchen können. Anders als auf der ersten Koppel ist ein Wasserfass mit angebauter Selbsttränke zu sehen. Trinkwasser scheint also vorhanden.

Sichtbare Rippen und verfilzte Mähne.
Sichtbare Rippen und verfilzte Mähne. | Bild: Mona Lippisch

Die Pferde stehen um eine Raufe herum, die mit Heu gefüllt ist. Dennoch: Bei manchen Tieren sind die Rippen deutlich sichtbar, die Hüftknochen stehen hervor und die Knochenstrukturen an Widerrist und Hals sind deutlich erkennbar. Die Mähnen der Pferde sind verfilzt. Wem gehören die Tiere? Und warum sind sie in einem solchen Zustand?

Besitzer möchte keine Stellung nehmen

Der Besitzer ist dem SÜDKURIER bekannt. Er möchte zum Zustand der Pferde jedoch keine Stellung nehmen, betont er bei einem Besuch vor Ort. Keine Aussage des Halters also, dafür aber vom Veterinäramt. Der Fall ist dort schon lange bekannt, heißt es von Lars Gäbler, Pressesprecher des Landratsamtes Bodenseekreis.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Behörde hat bereits vor etwa sieben Jahren die ersten Beschwerden hinsichtlich der Pferdehaltung entgegengenommen. Beanstandet wurden der Witterungsschutz, die zum Teil unzureichende Fütterung sowie die Versorgung und Pflege der Tiere. „Seit den ersten Beschwerden hat das Veterinäramt vor Ort mehrere Kontrollen durchgeführt und unter Einbeziehung verschiedener Sachverständiger, beispielsweise dem Pferdegesundheitsdienst sowie einem Tierarzt, auf Maßnahmen zur Verbesserung der Tierhaltung hingewirkt“, sagt Gäbler.

Lars Gäbler ist Pressesprecher des Landratsamtes Bodenseekreis. Er berichtet, dass die Behörde mit Tierschutzfällen wie dem ...
Lars Gäbler ist Pressesprecher des Landratsamtes Bodenseekreis. Er berichtet, dass die Behörde mit Tierschutzfällen wie dem beschriebenen manchmal auch an ihre Grenzen stößt. | Bild: Mona Lippisch

Zudem sei der Halter beraten worden, wie er die Tierhaltung besser gestalten kann. Einige Verstöße wurden bei der Behörde als Ordnungswidrigkeit geahndet – daraufhin wurden mündliche oder schriftliche Anordnungen zur Verbesserung der Tierhaltung erlassen. „In diesem Zusammenhang wurden insbesondere ein ausreichender Witterungsschutz und eine ausreichende Versorgung und Pflege der Pferde eingefordert.“

Gäbler berichtet auch, dass sich die Tierhaltung nach den jeweiligen Anordnungen „jeweils verbessert hat“. Die Mindestanforderungen des Tierschutzrechts seien erfüllt worden: Beispielsweise hielten sich die Pferde zeitweise auf anderen Koppeln mit einem natürlichen Witterungsschutz, also Bäumen, auf.

Langfristig keine Besserung der Situation

Doch der Behördensprecher weist auch darauf hin, dass sich langfristig keine Besserung der Situation eingestellt habe: „Trotzdem gingen danach aufs Neue Hinweise ein, denen wir nachgegangen sind.“ Der Fall zeige, so Gäbler, inwieweit auch die Behörde an Grenzen stößt. Immer wieder gebe es Probleme, bei denen die Mitarbeiter des Veterinäramts zum Wohl der Tiere gerne mehr tun und rascher vorgehen würden.

„Halter können aber nur darauf kontrolliert werden, ob sie die Mindestanforderungen des Tierschutzgesetzes für eine ausreichende Haltung einhalten“, betont Gäbler und ergänzt: „Optimale Haltungsbedingungen können aus rechtlicher Sicht nicht eingefordert werden.“ Heißt konkret: Das Veterinäramt kann beispielsweise dafür sorgen, dass sich der Halter um einen Witterungsschutz bemüht. Wie dieser genau aussieht, ist rechtlich aber nicht vorgegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Veterinäramt für Kontrollen zuständig

Für das Veterinäramt heißt es also: kontrollieren und Maßnahmen ergreifen, um die Mindestanforderungen des Tierschutzrechtes durchzusetzen. Umstände, die dazu beitragen, dass die Tiere dem Halter weggenommen werden, liegen aktuell nicht vor, berichtet Gäbler. Ein Tierhalteverbot gebe es erst bei „erheblichen Verstößen über einen längeren Zeitraum und ohne Aussicht auf Besserung“.

Ein Esel mit viel zu langen Hufen. Wegen Tierquälerei konnte das Veterinäramt Bodenseekreis in diesem Fall schnell vorgehen und dem ...
Ein Esel mit viel zu langen Hufen. Wegen Tierquälerei konnte das Veterinäramt Bodenseekreis in diesem Fall schnell vorgehen und dem Halter das Tier entziehen. | Bild: Veterinäramt Bodenseekreis

Diese schwerwiegenden Fälle seien in der Regel „Tierquälerei mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder sichtbaren Schäden der Tiere“. Laut Landratsamt reichen die Beeinträchtigungen der Pferde nicht aus, damit das Veterinäramt über die Maßnahmen der vergangenen Jahre hinaus tätig werden kann.

Behörde kontrollierte zuletzt am 8. November

Erst am 8. November habe die Behörde die Zustände kontrolliert und dabei die Haltung der Pferde beanstandet und eine Verbesserung der Situation eingefordert. „Zeitnah wird eine weitere Kontrolle stattfinden“, kündigt Gäbler an. Wurden die „Mängel“ dann nicht beseitigt, könne das Amt weitere Schritte wie eine Anordnung oder ein Bußgeldverfahren einleiten.