David Jung, 19 Überlingen: „Die Kontaktbeschränkungen sind der Horror“

Bild: Sabine Busse

Wie gehen Jugendliche mit dem Coronavirus um? Eine recht vielschichtige Frage, denn neben dem verantwortungsbewussten Umgang, der berechtigt verlangt wird, müssen Aspekte wie die mentale Gesundheit ebenfalls beachtet werden. Zurzeit gibt es einige Laster, die für Jugendliche kräftig zu Buche schlagen. Konkret meine ich die Kontaktbeschränkungen. Für viele Schüler ist das verständlicherweise der Horror, wobei man meinen müsste, es gäbe in der Schule genug Zeit, seine sozialen Kontakte zu pflegen. Der Schein trügt. Die kleinen Pausen genügen nicht, um richtige Freundschaftsgespräche beginnen zu lassen, zumindest für den Großteil der Schüler. Doch was kann man machen als junger Mensch?

Eines lässt sich sicher sagen, wie gewohnt kann kaum etwas weitergehen. Denn wir jungen Menschen sind uns der vorherrschenden Situation sehr wohl im Klaren, nehmen sie ernst und versuchen bestmöglich unseren Teil beizutragen, die Infektionsraten zu verringern. Vereinzelt gab es zwar „Coronapartys“, welche definitiv unterbunden werden müssten. Entgegen diesem Bild, das dadurch von Jugendlichen existiert, nehme ich wahr, dass sich der Großteil der jungen Leute bemüht, Kontakte zu beschränken. Alternativ kann man sich in kleineren Freundschaftsgruppen online zusammenfinden und einen schönen Abend erleben. Früher oder später dünnt sich aber das Repertoire an Alternativen aus.

Trotz allem hat Covid-19 auch sehr positive Dinge mit sich gebracht und etablieren können, so auch Webkonferenzen, was gerade in der Businesswelt auch positive Auswirkungen auf das Klima hat. Zunehmend lässt sich auch erkennen, dass die Gesellschaft zum Großteil sehr solidarisch handelt: Eine positive Bilanz.

Greta Hartleb, 16, Friedrichshafen: „Ich denke, dass es genau auf uns Jugendliche ankommt“

Greta Hartleb
Greta Hartleb | Bild: privat

In diesen Zeiten hat es niemand leicht. Weder medizinisches Personal, noch Politiker, noch Eltern. Und auch junge Menschen, wir Jugendlichen, haben mit großen Problemen zu kämpfen. So viel Unsicherheit belastet uns Tag für Tag, zudem sind junge Menschen sozusagen „doppelt“ belastet. Als Jugendliche liegt noch alles vor uns, wichtige Fragen wie „Wo will ich hin?“, „Was sind meine Ziele?“, sind momentan noch schwerer als sonst zu beantworten. Nichts lässt sich planen, man stürzt ins unerwartete Nichts. Dieses „unerwartete Nichts“, lässt einen verzweifeln, es befremdet und beunruhigt. Die Jugend, die man sich schon so lange ausgemalt hat, zerspringt und ist plötzlich ganz anders als erwartet. Feiern, Freunde treffen – einfach frei seien, all das ist nicht möglich.

Und dennoch, trotz all der Verunsicherung, lehrt uns diese Krise, worauf es wirklich im Leben ankommt. Innerer Zusammenhalt, Gemeinschaft und Zuversicht, diese Begriffe sind das, was wir nicht vernachlässigen dürfen. Durch das Corona Virus wurden uns alle globalen Probleme, wie der Klimawandel, Massentierhaltung und Ausbeutung ärmerer Länder, zugunsten des eigenen Profits, wie in einem Spiegel vorgehalten. Zu lange haben wir die Weltgemeinschaft vernachlässigt, aufgrund des eigenen Egoismus und nun stecken wir alle gemeinsam in dieser Krise.

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Auch wenn uns diese Krise Unbeschwertheit und Leichtigkeit raubt, kommt es in dieser Problemlage auf gemeinsame Zuversicht an. Wir Jugendlichen haben es nicht leicht – es ist als würde uns ein wichtiger Lebensabschnitt einfach entzogen. All das was uns glücklich macht, beflügelt und entspannt, fehlt.

Doch ich denke, dass es genau auf uns Jugendliche ankommt, dass wir für die Menschlichkeit und das Gemeinwohl plädieren. Wir können nicht in Kauf nehmen, dass täglich Hunderte von Menschen sterben müssen. Vielmehr müssen wir Stärke und Besonnenheit zeigen, um das Gemeinwohl wieder zu stärken. Wir dürfen diese Probleme nicht einfach so hinnehmen und sie vorbeiziehen lassen.

Denn Jugendliche haben nun schon oft genug gezeigt, dass sie sich für diese Welt und deren Menschen interessieren, sei es in der Fridays-for-Future- oder Black-Lives-Matter-Bewegung. Und genau deshalb denke ich, dass – so schwer es auch ist und so erschöpft man sich fühlt – unsere Generation zusammenhalten muss. Denn nur so können wir diese Krise überwältigen, nur gemeinsam können wir die Probleme lösen.

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Luis Wörner, 17 Jahre, Überlingen: „Ich vermisse mein altes Leben“

Luis Wörner (17) von der Constantin-Vanotti-Schule, Überlingen: „Nach der Pandemie möchte ich mit meinen Freunden wieder richtig ...
Luis Wörner (17) von der Constantin-Vanotti-Schule, Überlingen: „Nach der Pandemie möchte ich mit meinen Freunden wieder richtig Party machen. Aber nicht in Überlingen, hier geht ja nichts.“ | Bild: Cian Hartung

Die Zeit seit März war langweilig. Ich sitze viel zu Hause herum, das Leben macht so keinen Spaß. Fast jeden Tag habe ich den gleichen Tagesablauf: Schule, Heimweg, schlafen, Hausaufgaben, zocken und wieder schlafen.

Die Auswirkungen von Corona auf unseren Schulunterricht sehe ich nicht so drastisch. Wir hatten bei uns nur für eine kurze Zeit geteilten Unterricht. Das hat für mich aber nicht besonders gestört. Vielmehr nervt mich, dass ich auch in meiner Freizeit zu Hause bleiben muss und mich nicht mit meinen Freunden treffen kann. Das ist total unnötig. Wir sehen uns ja ohnehin täglich in der Schule.

In den ersten Wochen der Pandemie habe ich mit meinen Freunden viel über diese neue Lebenssituation gesprochen. Mittlerweile ist es für uns aber zum Alltag geworden und wir reden eigentlich nicht mehr darüber. Der Eindruck einer „verkorksten Jugend“, den viele Erwachsener von uns jungen Leuten haben, kann ich bestätigen. Bis zu diesem Jahr hatte ich eine schöne Jugend. Das kann ich vom letzten halben Jahr aber nicht sagen. Auch für Silvester können wir noch keine Pläne machen. Die Verordnungen ändern sich ja ständig.

Sobald es geht, werde ich mich gegen Corona impfen lassen. Ich hoffe, dass ich dann mein altes Leben weitergeht. Für die Zeit nach der Pandemie träume ich davon, einmal wieder mit meinen Freunden Party zu machen. Aber nicht hier in Überlingen. Hier geht ja nichts. Wir würden dann nach Singen ins „Top10“ fahren. Und danach? Zuerst möchte ich meinen Realschulabschluss machen und anschließen vielleicht in die USA reisen. Aber hoffentlich ist Corona bis dahin vorbei.

Ramona Wocher, 22, Friedrichshafen: „Es ist schwer, unter diesen Bedingungen eine gute Ausbildung zu gewährleisten“

Ramona Wocher
Ramona Wocher | Bild: Ramona Wocher

Durch die Corona-Pandemie hat sich der Alltag meines dualen Studiums stark verändert. Auf der Praxisstelle sind viele Mitarbeiter im Homeoffice. Für uns Auszubildende ist es jedoch nicht möglich, von Zuhause aus zu arbeiten. Die Mitarbeiter, welche noch vor Ort sind, können neben ihrer eigentlichen Arbeit eine verlässliche Betreuung aller Auszubildenden kaum gewährleisten. Es nicht immer jemand da, dem man Fragen stellen oder bei der Arbeit über die Schulter schauen kann. Auch wenn die anwesenden Mitarbeiter auf meiner Praxisstelle sich größte Mühe geben, uns Auszubildende weiterhin so viel wie möglich zu erklären, habe ich oft gemerkt, dass sie an ihre Grenzen stoßen. Es ist schwer, unter diesen Bedingungen eine gute Ausbildung zu gewährleisten.

Die Theorie findet seit April ausschließlich online statt. Lediglich Prüfungen werden in Präsenz abgenommen. Die Umstellung von Präsenzvorlesungen zu Onlinevorlesungen hat an meiner Hochschule einige Wochen gedauert. Ich hatte mich unter anderem für ein duales Studium entschieden, weil die theoretischen Teile in kleinen Gruppen stattfinden und somit ein reger Austausch in den Gruppen und mit den Dozenten möglich ist. Das ist durch Covid-19 leider nicht mehr so. Die Vorlesungen fanden am Anfang der Pandemie bis zum Ende des Sommersemesters jahrgangsübergreifend mit rund 400 Studierenden statt. Rückfragen an die Dozenten waren nur noch per E-Mail möglich.

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Auch wenn die Onlinevorlesungen seit dem Wintersemester wieder in kleineren Gruppen stattfinden und sich auch die Qualität der Onlinevorlesungen in den letzten Monaten verbessert hat, fällt es mir persönlich sehr viel schwerer, genauso konzentriert aufzupassen, wie in den Präsenzvorlesungen.

Eine weitere Belastung war die Prüfungssituation im Sommersemester. Prüfungen mussten kurzfristig ausfallen, verschoben werden und teilweise war bis kurz vor dem Termin nicht klar, ob die Prüfung stattfinden kann. Diese Unsicherheit war teilweise schon sehr demotivierend.

Ich bin sehr dankbar für alle Dozenten, die sich in dieser Zeit besonders viel Mühe geben und hoffe die Corona-Pandemie die lehrt uns, dass die Digitalisierung sowohl in Schulen als auch in Hochschulen weiter vorangebracht werden muss, denn genau das wurde viel zu lange verschlafen.

Julia Sonntag, 17, Überlingen: Die Schulen hängen mit der Digitalisierung hinterher

Bild: alva Studios

Für uns Schüler hat sich durch die Corona-Pandemie so einiges verändert. Niemand hätte sich auch nur ansatzweise vorstellen können, dass wir eines Tages mit einem Mund-Nasen-Schutz in unserem Klassenzimmer sitzen werden und uns nach der Schule wieder voll und ganz in die Obhut der Kontaktbeschränkungen begeben müssen. Denn logischerweise ist von diesen in der Schule relativ wenig zu sehen. Wer morgens einen Blick in die überfüllten Schulbusse wirft, dem wird sehr schnell klar, dass es unter diesen Umständen so gut wie unmöglich ist, den Mindestabstand und somit Teile der Hygiene-Verordnung einzuhalten.

Auch in den Klassenzimmern sitzen wir eng an eng, umwickelt mit unseren Decken, die wir uns von zu Hause mitgebracht haben, weil es sonst einfach zu kalt wird. Bei Minusgraden, aber auch knappen Plusgraden wird es doch sehr ungemütlich im Klassenzimmer, wenn die Fenster teils alle 10 bis 20 Minuten aufgemacht werden, aber auch manchmal über einen längeren Zeitraum offenbleiben. Erkältungen sind daher momentan nicht selten.

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Natürlich muss auch erwähnt werden, dass Präsenzunterricht gerade für die Unterstufen, aber auch für die Oberstufen von enormer Relevanz sind. Denn in dem ersten Lockdown ist ziemlich schnell klar geworden, wie hinterher wir in der Digitalisierung an Schulen doch sind. Niemand war auf die plötzliche und dringende Notwendigkeit dieser digitalen Möglichkeiten wirklich vorbereitet. Somit verlief der ohnehin schon in vielen Fächern nicht regelmäßig stattfindende Online-Unterricht sehr stockend. Und nicht nur in diesem Aspekt ist der Präsenzunterricht sehr wichtig, denn für alle Schüler und Schülerinnen ist die Schule momentan der einzige Ort, an dem sie intensiv Kontakte und Freundschaften pflegen können und sich mit gleichaltrigen umgeben können. Jedoch treffen hier Corona-Verordnungen und das irgendwie noch normale Leben auf paradoxe Art und Weise aufeinander.