Keine Nachtbusse, weniger Schnellbusse: Wer in Friedrichshafen am späten Abend ins Kino gehen möchte oder mit Freunden in Überlingen zum Essen verabredet ist, der ist momentan auf das Auto oder ein Taxi angewiesen – andernfalls muss der Abend halbwegs frühzeitig enden. Denn der letzte Bus von Friedrichshafen auf der Seelinie in Richtung Überlingen fährt freitags beispielsweise um 23.35 Uhr. Danach ist Pause. Um 6.34 Uhr fährt der nächste Bus.

Warum fahren momentan weniger Busse?

Grund für die Einschränkung im Fahrplan ist die Corona-Pandemie. Der Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben (Bodo) hat sein ÖPNV-Angebot wegen der Krise um etwa 30 Prozent reduziert. Das gibt Bodo-Pressesprecher Jürgen Löffler auf Nachfrage des SÜDKURIER bekannt.

Wenige Nachfrage heißt weniger Gewinn: Etwa 10 Millionen Euro Verlust macht der Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben voraussichtlich dieses Jahr wegen der Corona-Krise.
Wenige Nachfrage heißt weniger Gewinn: Etwa 10 Millionen Euro Verlust macht der Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben voraussichtlich dieses Jahr wegen der Corona-Krise. | Bild: Hanspeter Walter

Bereits Ende März stellte Bodo auf den sogenannten „Ferientageverkehr“ um. „Wegen des Lockdowns herrschte keine Nachfrage im Schülerverkehr und die Finanzierung war unklar“, begründet Löffler die Entscheidung des Verkehrsverbunds.

Wie lange sollen diese Einschränkungen noch dauern?

Nachdem das Angebot Ende März reguliert wurde, hat Bodo den Verkehr nach den Pfingstferien wieder auf den regulären Fahrplan umgestellt. Nachtbusse allerdings waren davon ausgeschlossen. „Vergnügungsstätten und Lokale bieten keinen nächtlichen Betrieb an“, sagt Löffler. Deswegen gebe es für die Nachtlinien momentan keine Nachfrage.

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Zudem würden wirtschaftliche und personelle Gründe gegen das zusätzliche Nacht-Angebot sprechen. „Die Verstärkungsmaßnahmen im Schülerverkehr benötigen inzwischen zusätzliches Personal, sodass der Verzicht auf Nachtdienste hier dienlich ist.“ Wann die Nachtbusse wieder fahren, könne Löffler derzeit nicht sagen. Er betont: „Bei ansteigenden Infektionszahlen ist eine Wiederinbetriebnahme nicht zu erwarten.“

Warum sind dieses Jahr weniger Fahrgäste unterwegs?

Seit der Corona-Pandemie gibt es beim ÖPNV einen Nachfragerückgang. „Eine Zurückhaltung bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln ist bundesweit festzustellen“, bilanziert Löffler.

Ein Grund dafür dürfte aus seiner Perspektive die Sorge um die Gesundheit der Menschen sein. Auch das veränderte Mobilitätsverhalten in Hinblick auf verstärktes Homeoffice sei ein Faktor, der bei den Fahrgastzahlen eine Rolle spielt.

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Aktuell liegen die Zahlen der Fahrgäste im Bodo-Gebiet etwa auf dem Vorjahresniveau von 75 Prozent. „Wie die weitere Entwicklung verläuft, kann noch nicht prognostiziert werden.“

Wie viel Verlust macht Bodo seit Beginn der Corona-Krise?

Weniger Fahrgäste bedeuten für den Verkehrsverbund auch weniger Einnahmen. Bodo rechnet bis zum Jahresende mit einem Fahrgeldverlust von etwa 10 bis 11 Millionen Euro. „Am jährlichen Gesamtvolumen von 45 Millionen Euro macht dieser Verlust 20 bis 25 Prozent aus“, sagt Pressesprecher Löffler.

Aufgrund der ÖPNV-Rettungsschirme von Bund und Ländern könne eine negative Auswirkung auf die Substanz der Verkehrsunternehmen oder das Verkehrsangebot im Jahr 2020 allerdings vermieden werden.

Welche Buslinien werden trotz Pandemie ausgebaut?

Trotz Corona und weniger Fahrgastzahlen baut Bodo auch einige Buslinien aus. Und zwar die Anbindungen, die bei Kunden verstärkt nachgefragt werden. Bodo-Sprecher Jürgen Löffler erklärt, dass die Länder Baden-Württemberg und Bayern entsprechende Förderungen beschlossen haben.

Momentan sind im Gebiet des Verkehrsverbundes 41 zusätzliche Busse im Einsatz. „Die aktuellste Verstärkung ist der morgendliche zweite Bus auf der Städte-Schnellbus-Linie 7373 im Abschnitt Meersburg – Ravensburg„, sagt Löffler.

Momentan sind im Gebiet des Verkehrsverbunds 41 zusätzliche Busse im Einsatz.
Momentan sind im Gebiet des Verkehrsverbunds 41 zusätzliche Busse im Einsatz. | Bild: Mona Lippisch

Ein weiterer Ausbauschritt im ÖPNV werde die Einführung eines Regiobus-Angebotes auf der Verbindung zwischen Ravensburg und Konstanz Anfang November sein. Die Verbindung soll an allen Wochentagen durchgängig stündlich getaktet sein.

Löffler blickt dementsprechend positiv in die Zukunft: „Mit diesen Bemühungen kämpft sich der ÖPNV Stück für Stück zurück ins Leben – und greift damit trotz Pandemie die Ziele der Verkehrs- und Klimawende wieder auf.“

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