Der Fall hatte im Sommer 2021 bis nach Tiflis für Aufsehen gesorgt. 18 georgische Erntehelfer hatten zunächst miserable Zustände auf einem Obsthof im Bodenseekreis beklagt und den Landwirt schließlich auf Lohnauszahlung verklagt. Vor dem Arbeitsgericht in Ravensburg fiel nun das Urteil: Der Landwirt habe den Arbeitern nach Auffassung des Gerichts von Mitte Mai bis Mitte Juni 2021 nicht den Mindestlohn gezahlt, obwohl diese rechtzeitig an der Sammelstelle waren, teilte das Arbeitsgericht am Freitag mit.

Auch wenn der Obstbauer die Erntehelfer zum Beispiel wegen schlechten Wetters nicht über die gesamte Zeit eingesetzt habe, schulde er ihnen für die Zeit ohne tatsächliche Arbeit Lohn. Schließlich hätten sie ihm wie vereinbart ihre Arbeit angeboten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Landwirt lehnte Vergleichsvorschlag des Gerichts ab

Die Erntehelfer hatten gegen den Obstbauer geklagt, weil er ihnen keine Arbeit zugeteilt und dann einen Teil des Lohns einbehalten habe. Der Landwirt hatte seinerseits den Arbeitern pauschal vorgeworfen, nicht rechtzeitig an den vereinbarten Sammelstellen gewesen zu sein oder sich eher in der Stadt aufgehalten, als auf den Feldern gearbeitet zu haben.

Im Juni vergangenen Jahres hatte er gegenüber dieser Zeitung erklärt: „Ich bin doch selbst daran interessiert, dass die Leute gutes Geld verdienen.“ Einen Vergleichsvorschlag des Gerichts lehnte er ab. Die 18 Arbeiter waren Teil einer 24 Personen starken Gruppe aus Georgien gewesen und hatten den Hof aufgrund der Konflikte nach vier Wochen bereits wieder verlassen.

Nach Auffassung des Gerichts konnte der Obstbauer die Vorwürfe der Erntehelfer nicht entkräften. Er kann binnen eines Monats nach Zustellung des Urteils Berufung beim Landesarbeitsgericht einlegen. Eine Rückmeldung seines Anwalts, wie er das Urteil aufnahm und ob er in Berufung gehen möchte, steht derzeit noch aus.