Schwere Gewitter mit Starkregen haben zu mehr als 60 Feuerwehreinsätzen im Bodenseekreis geführt. Vor allem das nördliche Gemeindegebiet von Friedrichshafen sei am Dienstagabend von den Unwettern betroffen gewesen, teilte die Feuerwehr mit. Es mussten zahlreiche Keller leergepumpt sowie überflutete Straßen gesperrt werden. Für die kommenden Tage rechnet die Feuerwehr mit weiteren Gewittern.

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Hochwassereinsatz der Feuerwehr in Appenweiler.
Hochwassereinsatz der Feuerwehr in Appenweiler. | Bild: Feuerwehr Friedrichshafen

Die erste Hochwassermeldung ging bei der Feuerwehr Friedrichshafen um 19.13 Uhr ein, danach folgten in rascher Folge Meldungen zu insgesamt 46 Einsatzstellen wegen Hochwassers. Um 19.27 Uhr wurde ein Blitzschlag in Fischbach gemeldet. Bis die letzten Feuerwehrkräfte im besonders betroffenen Bereich Appenweiler bei Ettenkirch abrücken konnten, war es vier Uhr morgens. Von den insgesamt 180 Feuerwehrkräften waren allein in Appenweiler bis in die Morgenstunden 55 im Einsatz.

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Die Schwerpunkte der Einsätze lagen in Kluftern, Efrizweiler, Unterraderach, Unterlottenweiler und Ettenkirch. Dort mussten zahlreiche Keller, Tiefgaragen und Wohnungen ausgepumpt werden. In Fischbach gab es einen Blitzeinschlag in ein Wohngebäude, Dachstock und eine Wohnung waren völlig verkohlt. Personen wurden weder dort, noch bei den anderen Einsätzen verletzt.

„Der durch das Hochwasser und den Blitzschlag verursachte Schaden lässt sich im Moment kaum beziffern“, sagt Louis Laurösch, Stadtbrandmeister der Feuerwehr Friedrichshafen. „Wir gehen aufgrund der Schäden an und in Gebäuden sowie an Straßen von einem sechsstelligen Betrag aus.“

Die Feuerwehr Friedrichshafen war mit allen Abteilungen im Einsatz, zusätzlich unterstützen die Feuerwehren Meckenbeuren, Eriskirch, Langenargen und Markdorf. Insgesamt waren 180 Feuerwehrkräfte mit 35 Fahrzeugen an 46 Stellen im Dauereinsatz. Die städtischen Baubetriebe unterstützten die Feuerwehren bei den Straßensperrungen.

Hagelschauer in Hagnau

In Hagnau gingen Hagelkörner nieder so groß wie Tischtennisbälle. Laut Feuerwehr-Kommandant Paul Böttcher wurden gegen 19.48 Uhr vier Einsätze gleichzeitig gemeldet: Zwei vollgelaufene Keller, eine betroffene Tiefgarage und ein eingeschlagenes Dachfenster. Rund 20 Feuerwehrkräfte waren im Einsatz. Schäden wurden im Weinbau und in der Landwirtschaft verzeichnet. Auch am historischen Rathaus. „Mindestens zehn zerschlagene Scheiben, Wasser in verschiedenen Gebäuden und ein durch Hagel beschädigtes Feuerwehrfahrzeug“, bilanzierte Bürgermeister Volker Frede für die Gemeinde.

Video: Wolf-Dieter Guip

Feuerwehr im Dauereinsatz

In Efrizweiler war die Ortsdurchfahrt gesperrt – die Straße stand in der Senke unter Wasser, die Feuerwehr musste abpumpen.

Video: Julia Blust

Markdorfer Teilorte ebenfalls stark betroffen

Auch die östlichen Teilorte von Markdorf stark betroffen: Bis in die Nachtstunden hinein musste die Feuerwehr Markdorf zu insgesamt sechs Einsätzen ausrücken, vor allem im Gebiet rund um Riedheim. Noch bis in die späten Nachtstunden seien Einsatzkräfte mit dem großen Gerätewagen zur Unterstützung der Feuerwehr Friedrichshafen als Überlandhilfe unterwegs gewesen, so Martin Scheerer, Sprecher der Feuerwehr Markdorf.

„Im Blütenweg in Riedheim musste an zwei Einsatzstellen Wasser aus Kellern gepumpt werden und Räume mit Wassersaugern trockengelegt werden“, berichtet Scheerer. Gegen 20.15 Uhr musste die Markdorfer Wehr nach Hepbach ausrücken, nachdem dort Wassermassen aus einem Schacht ein landwirtschaftliches Anwesen überflutet hatte.

Auch mehrere landwirtschaftliche Betriebe in und um Markdorf wurden von dem Starkregen betroffen.
Auch mehrere landwirtschaftliche Betriebe in und um Markdorf wurden von dem Starkregen betroffen. | Bild: Martin Scheerer

Zwei weitere Einsätze folgten anschließend gegen 20.30 Uhr in der Efrizweiler Straße in Riedheim. Dort waren zwei Keller vollgelaufen, nachdem Wasser aus Abwasserschächten übergelaufen war. Mit Tauchpumpen und Wassersaugern sei das Wasser wieder abgepumpt worden. Gegen 22 Uhr seien die Einsätze beendet worden, so Scheerer.

In Riedheim und anderen Bereichen im östlichen Stadtgebiet hatte das Unwetter am Dienstagabend Straßen und Höfe überflutet. Die Markdorfer Feuerwehr musste zu mehreren Einsätzen ausrücken.
In Riedheim und anderen Bereichen im östlichen Stadtgebiet hatte das Unwetter am Dienstagabend Straßen und Höfe überflutet. Die Markdorfer Feuerwehr musste zu mehreren Einsätzen ausrücken. | Bild: Martin Scheerer/Feuerwehr Markdorf
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Schwerpunkte in Appenweiler und Unterraderach

In Appenweiler, das zur Friedrichshafener Ortschaft Ettenkirch gehört, wurden mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie einige Straßenabschnitte komplett unter Wasser gesetzt.

Hochwasser in Appenweiler.
Hochwasser in Appenweiler. | Bild: Stadt Friedrichshafen

Aus einem naheliegenden Weiher floss das Hochwasser über eine Kreuzung in Appenweiler, Straße und Kreuzung wurden daher vorläufig komplett gesperrt. Vollständig unter Wasser stand auch die Buswendeplatte in Appenweiler, in deren Bereich noch zwei parkende Fahrzeuge standen, die ebenfalls bis zur Haube im Wasser standen. Gegen 24 Uhr waren in Appenweiler noch 45 Einsatzkräfte der Feuerwehren Friedrichshafen, Kluftern, Fischbach, Ettenkirch, Raderach und Meckenbeuren im Einsatz.

Insgesamt waren um diese Zeit noch rund 75 Einsatzkräfte mit Abpumparbeiten an den verschiedenen Einsatzorten aufgrund der Überflutungen beschäftigt.

In Unterraderach standen die Kellerräume mehrerer Gebäude einer Gärtnerei unter Wasser, darunter ein Lager mit etwa 800 Quadratmetern. Dort stand das Wasser etwa 70 Zentimeter hoch, im benachbarten Wohngebäude war der Keller bis zur Decke überflutet.

Überschwemmung in der Gärtnerei Unterraderach
Überschwemmung in der Gärtnerei Unterraderach | Bild: Stadt Friedrichshafen

Überlingen vom Unwetter verschont

„Wir sind von den schweren Unwettern verschont geblieben“, berichtet Feuerwehr-Sprecher Daniel Dillmann für Überlingen. Einen Unwetter-Einsatz habe es am Dienstagabend gegeben. Um 21.15 Uhr drohte der Nellenbach im Bereich der Wiestorstraße über die Ufer zu treten. Die Wehr räumte einen Rechen am Bachlauf frei, so dass das Wasser wieder weiterfließen konnte. Bei einem Unwetter im Mai 2019 war es in diesem Bereich zu großen Überschwemmungen gekommen.

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Fotos von SÜDKURIER-Leserinnen und -Lesern

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Land unter in Appenweiler. SÜDKURIER-Leserin Anna Wieland schickte uns dieses Foto.
Land unter in Appenweiler. SÜDKURIER-Leserin Anna Wieland schickte uns dieses Foto. | Bild: Anna Wieland
Vergängliche Schönheit mit zerstörerischer Kraft: Hagelkörner, die in Appenweiler niedergegangen sind.
Vergängliche Schönheit mit zerstörerischer Kraft: Hagelkörner, die in Appenweiler niedergegangen sind. | Bild: Anna Wieland
Hagelschauer in Friedrichshafen-Kluftern. Auch hier gab es Hagel mit etwa 15 Millimetern Durchmesser, wie dieses Foto zeigt.
Hagelschauer in Friedrichshafen-Kluftern. Auch hier gab es Hagel mit etwa 15 Millimetern Durchmesser, wie dieses Foto zeigt. | Bild: Christian Burkhart
In Kluftern entstand durch den Starkregen ein neuer Bachlauf.
In Kluftern entstand durch den Starkregen ein neuer Bachlauf. | Bild: Christian Burkhart
Die Feuerwehr alleine reicht bei so einem großflächigen Ereignis nicht. Die Betroffenen – oder wie hier mit Unterstützung einer Kanalservice-Firma – müssen mithelfen, um der Fluten Herr zu werden.
Die Feuerwehr alleine reicht bei so einem großflächigen Ereignis nicht. Die Betroffenen – oder wie hier mit Unterstützung einer Kanalservice-Firma – müssen mithelfen, um der Fluten Herr zu werden. | Bild: Peter Bönecke