Irene Alpes zählte zu den ersten, die am Mittwochnachmittag einen Corona-Test in Überlingen machen konnte. Das Deutsche Rote Kreuz baute beim Finanzamt eine mobile Teststation auf. Ohne dieses Angebot und ohne die Gewissheit, dass sie derzeit nicht ansteckend ist, könnte Alpes an Heiligabend nicht ihre betagte Mutter besuchen.

Irene Alpes kommt zum Schnelltest, weil sie plant, ihre 94-jährige Mutter zu Weihnachten zu besuchen. Dr. Saskia Schadow nimmt den Test vor.
Irene Alpes kommt zum Schnelltest, weil sie plant, ihre 94-jährige Mutter zu Weihnachten zu besuchen. Dr. Saskia Schadow nimmt den Test vor. | Bild: Hilser, Stefan

Ihre Mutter ist 94 Jahre alt und wohnt in einer Pflegewohngemeinschaft in Konstanz, berichtet Irene Alpes. Die Überlingerin arbeitet als Lehrerin am Gymnasium in Pfullendorf. Sie fühlt sich ohne Symptome, doch verschafft ihr der Test nun Gewissheit darüber, dass sie nahezu bedenkenlos ihre betagte Mutter besuchen kann.

Das könnte Sie auch interessieren
Video: Hilser, Stefan

Tomas Weber, Leiter der Schnelleinsatzgruppe beim DRK in Überlingen und verantwortlich für den Aufbau der Teststation beim Finanzamt, berichtete, dass über die Kapazität von 300 Testungen hinaus eine viel größere Nachfrage herrschte.

Thomas Weber vom DRK in Überlingen: „Wir hätten statt der 300 auch 5000 Testungen anbieten können, so groß ist die Nachfrage.“
Thomas Weber vom DRK in Überlingen: „Wir hätten statt der 300 auch 5000 Testungen anbieten können, so groß ist die Nachfrage.“ | Bild: Hilser, Stefan

Manche kamen bis aus Konstanz oder Weingarten, nachdem dort die Kapazitäten bereits erschöpft waren. Als auch in Überlingen ausgebucht war, hätte man ihnen Geld angeboten, damit sie außer der Reihe noch jemanden mit aufnehmen. Das habe man aber abgelehnt, genauso wie er Besucher wieder wegschickte, die ohne Anmeldung zur Station gekommen waren.

Für jeden einen eigenen Kubelschreiber. Mit ihnen füllten die Besucher vor den Tests die nötigen Formulare aus, anschließend wurden die Kugelschreiber desinfiziert.
Für jeden einen eigenen Kubelschreiber. Mit ihnen füllten die Besucher vor den Tests die nötigen Formulare aus, anschließend wurden die Kugelschreiber desinfiziert. | Bild: Hilser, Stefan

Glücklich, einen Platz in der Teststation ergattert zu haben, war auch die vierköpfige Familie Hermstein aus Überlingen. Sofort nach dem Test stiegen sie ins Auto und fuhren zu den Großeltern nach Detmold.

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn ihr Test positiv gewesen wäre, hätten sie unterwegs einen Anruf vom DRK und vom Gesundheitsamt erhalten, und hätten umdrehen müssen. Darauf machten sie sich gefasst, doch blieb ihr Ergebnis negativ, was sie positiv stimmt. Denn ohne das Angebot des DRK, sagte Birgit Hermstein, Dipl.-Psychologin, hätten sie auf den Besuch bei ihren Eltern verzichten müssen.

Wie in der Schlange am Skilift: Das DRK Überlingen baute beim Finanzamt eine mobile Schnellteststation auf und bereitete sich vorsorglich auf einen großen Andrang ein. Dank des Anmeldesystems blieb das Chaos aus.
Wie in der Schlange am Skilift: Das DRK Überlingen baute beim Finanzamt eine mobile Schnellteststation auf und bereitete sich vorsorglich auf einen großen Andrang ein. Dank des Anmeldesystems blieb das Chaos aus. | Bild: Hilser, Stefan

Der Bedarf konnte bei weitem nicht gedeckt werden

Peter Roth aus Überlingen-Nußdorf zählt zu denen, die beim DRK in Überlingen gerne einen Schnelltest gemacht hätten, die aber nicht zum Zug kamen. Das Formular sei im Internet nicht abrufbar gewesen, klagt er über technische Schwierigkeiten, später war dann ausgebucht. Beim Roten Kreuz in der Anmeldephase anrufen? Davor habe er sich gescheut, „die haben bestimmt Wichtigeres zu tun“.

Test hätte ihm Sicherheit für Weihnachten verschafft

Roth arbeitet als Logistikermeister bei den Stadtwerken Konstanz im Bereich der Fähre. „Meine Mutter gehört mit 85 Jahren und angeschlagenem Herzen zur Risikogruppe. Ich selbst bin 56 Jahre und habe beruflich jeden Tag mit vielen Kollegen zu tun, die selbst auch wieder mit anderen Personen zu tun haben im ÖPNV.“

Warum Roth sich gerne hätte testen lassen: „An den Feiertagen sitzt man doch mal länger zusammen am Tisch als an den anderen Tagen.“ Nachdem er nun keinen Schnelltest beim DRK erhielt, habe das zunächst keine Konsequenzen, seine bei ihm im Haus lebende Mutter werde er an Weihnachten trotzdem treffen, aber eben mit einem nicht ganz so guten Gefühl.

Das könnte Sie auch interessieren

DRK Überlingen versteht Enttäuschung bei denen, die nicht zum Zug kamen

Markus Kempter, Pressesprecher des DRK Überlingen, bedauert: „Der Bedarf an Testungen übersteigt das uns mögliche Volumen in einem besonders hohen Maße. Wir verstehen, dass Menschen enttäuscht sind, wenn sie keinen Termin mehr erhalten haben.“

Hand in Hand: Ein ganzer Stab an ehrenamtlichen Helfern vom DRK aus der ganzen Region rund um Überlingen war am Mittwochnachmittag im Einsatz, um anderen Leuten unbeschwertere Weihnachtstage zu ermöglichen.
Hand in Hand: Ein ganzer Stab an ehrenamtlichen Helfern vom DRK aus der ganzen Region rund um Überlingen war am Mittwochnachmittag im Einsatz, um anderen Leuten unbeschwertere Weihnachtstage zu ermöglichen. | Bild: Hilser, Stefan

Die Vergabe erfolgte laut Kempter „rein nach der Reihenfolge der Anmeldungen im Portal“. Es sei niemand bevorzugt worden, etwa, weil er einen für ihn driftigeren Grund für den Schnelltest nannte. Es seien bewusst keine Kriterien vorausgesetzt worden. Einzig: Die zu testenden Personen mussten mindestens sechs Jahre alt sein.

Ergebnisse in Überlingen: Alle negativ

Ziel der Landesregierung von Baden-Württemberg war es, mit den Schnelltests Personen ausfindig zu machen, die unbewusst das Virus mit sich herumtragen. Davon wurde in Überlingen kein einziger herausgefischt. Von den 300 angemeldeten Personen, die laut Thomas Weber zwischen 14 und 17 Uhr nahezu alle gekommen waren, waren alle im Test negativ. Für sie gilt: Frohe Weihnachten!