Mit der Pandemie kamen – mit etwas Verzögerung – die Mund-Nasen-Masken. Seit Ende April gilt in Deutschland in vielen Bereichen Maskenpflicht. Viele schneidern Stoffmasken selbst, auch gibt es sie inzwischen im Handel – sie sind wachbar und damit wiederverwendbar. Dominierend sind aber nach wie vor die Einwegmasken. Nun vermüllen die immer billiger gewordenen Einwegmasken schon oftmals Wiesen und Wälder, werden achtlos auf die Straße geworfen.

Jan Treskatsch befasst sich sonst mit interaktiven 3D-Anwendungen und hat die Idee entwickelt.
Jan Treskatsch befasst sich sonst mit interaktiven 3D-Anwendungen und hat die Idee entwickelt. | Bild: Hanspeter Walter

Unangenehm aufgestoßen ist dies den Überlingern Jan Treskatsch und Matthias Stahl. Gemeinsam machten sie sich ans Werk und entwickelten Ideen. Inzwischen ist daraus ein Start-Up-Unternehmen geworden, das sich der Nachhaltigkeit und der Region verpflichtet sieht. Die Maske, die sie unter dem Namen Vhero (www.vhero.net) vertreiben, besteht aus lokalen „Rohstoffen“ und ist dank der Waschbarkeit des eingespannten Stoffes langfristig verwendbar. Und die Teile kommen alle aus dem Ländle. Die Konstruktion dieser Halterung haben sie als Patent angemeldet.

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Jan Treskatsch befasst sich unter anderem mit interaktiven 3D-Computer-Anwendungen, die Gegenstände und ganze Räume auf dem Monitor anschaulich und verständlich werden lassen. Als Solo-Selbstständiger ist er ein Dienstleister für große Firmen und Agenturen. Seine Zuarbeit sparten manche zu Beginn der Corona-Pandemie ein. Statt zu lamentieren, wurde Treskatsch kreativ, als er erkannte, welche große Rolle Masken spielen würden. Schnell konnte er als Unterstützer und Mitgesellschafter den befreundeten Matthias Stahl gewinnen, der Geschäftsführer der Firma Puls-Fog ist.

Matthias Stahl fand die Idee gut und wurde Mitgesellschafter in dem Startup Vhero.
Matthias Stahl fand die Idee gut und wurde Mitgesellschafter in dem Startup Vhero. | Bild: Hanspeter Walter

Da kann man vieles besser, praktikabler und flexibler machen, hatte sich Treskatsch schon in den erste Monaten mit Maskenpflicht gedacht. Ihm liegen Nachhaltigkeit und regionale Geschäftsbeziehungen am Herzen. „Man muss doch nicht Millionen von Einweg-Wegwerfmasken aus China importieren, die anschließend für neue Müllberge sorgen“, findet der kreative Kopf, der sein kleines Büro im Degenhardt hat. So tastete er sich langsam vor in Richtung einer pragmatischen und nachhaltigen Lösung für Alltagsmasken.

„Um andere Menschen vor dem eigenen Aerosol zu schützen, reicht es eigentlich, wenn ich mir mit einer geeigneten Halterung ein passendes Küchenkrepp vor Mund und Nase spanne“, habe er sich gedacht. Mit dieser Idee fuhr Treskatsch nachts noch ins Büro und setzte sich an den Computer, um ein geeignetes Design zu entwerfen. Er konzipierte zwei Kunststoffklemmen, in die man ganz einfach ein Stück Stoff spannen kann. Diese werden dann mit Ösen für ein Gummiband versehen, mit dem man die Maske später an den Ohren fixiert, aber auch um den Hals hängen lassen kann.

Ein Bild aus der Werbung des Herstellers. So sieht der Maskenträger aus. An Klemmen wird der Stoff befestigt. Diese werden dann mit Ösen für ein Gummiband versehen, mit dem man die Maske später an den Ohren fixiert, aber auch um den Hals hängen lassen kann.
Ein Bild aus der Werbung des Herstellers. So sieht der Maskenträger aus. An Klemmen wird der Stoff befestigt. Diese werden dann mit Ösen für ein Gummiband versehen, mit dem man die Maske später an den Ohren fixiert, aber auch um den Hals hängen lassen kann. | Bild: Vhero

Einen hochwertigen im Ländle produzierten Bio-Baumwollstoff fand Treskatsch noch relativ schnell und bezieht in jetzt aus Bempflingen im Kreis Esslingen. Schwieriger war es schon, einen Hersteller für die Kunststoffklemmen zu finden. Nachdem klar war, wie die Halterungen aussehen und wie sie funktionieren sollen, entwickelte der Lieferant aus Dietingen bei Rottweil ein spezielles Spritzgusswerkzeug für dieses Produkt. Das Gummiband kommt direkt aus Überlingen und wird von Keller Elastomere geliefert, die nur wenige Schritte von Treskatschs Büro entfernt im Gewerbegebiet angesiedelt ist.

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Dass die Vhero-Maske nicht kliniktauglich ist, das ist den beiden durchaus bewusst. Doch für den täglichen Gebrauch auf der Straße und beim Einkaufen in Läden taugt sie allemal. „Man kann ein altes T-Shirt zerschneiden und das Stoffstück in die Halterung einspannen“ sagt Matthias Stahl, im Hauptberuf Geschäftsführer der Firma Puls-Fog und Mitgesellschafter von Treskatsch bei Vhero. Jan Treskatsch entwarf eine Verpackung für das Produkt, die man als Etui nutzen kann. Die Klemmen gibt es in sechs Farben.

Die Anfragen kamen bald aus ganz Deutschland

Seit 24. Oktober sind die Masken auf dem Markt, derzeit werden sie noch von den Machern persönlich verpackt. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Interessenten das Produkt im Netz entdeckten und online bestellten. Nicht nur Freunde und Bekannte. „Einzelne Anfragen kamen bald aus ganz Deutschland, das hat uns selbst erstaunt“, sagt Treskatsch, der den eleganten Mund-Nasen-Schutz auch über verschiedene Überlinger Geschäfte vertreibt, unter anderem Sport Schmidt, Sport Grünvogel und Optik Ströbele, DCS Druck und der Buchhandlung im La Piazza. „Wir sind von den Überlinger Firmen sehr unterstützt worden“, will Treskatsch unbedingt noch loswerden. Gemeinsam mit seinem Partner will er sich mit dem neuen Label nicht auf die Masken beschränken, sondern mit anderen Produkten eine regionale Marke etablieren, die der Nachhaltigkeit und lokalen Geschäftspartnern verpflichtet ist.