Auf einem Tisch im Keller stehen zwei Katzen aus Plastik. Daneben sitzt ein Leopard aus Porzellan. Zahlreiche Schatullen und Kästchen liegen dazwischen. Hinter dem Holztisch sind Umzugskartons zu sehen. Sie sind bis zum Rand mit Kleidung gefüllt.

Allerhand Kleinkram liegt auf einem Holztisch in den Kellerräumen der H+E Dienstleistungen GmbH in Überlingen.
Allerhand Kleinkram liegt auf einem Holztisch in den Kellerräumen der H+E Dienstleistungen GmbH in Überlingen. | Bild: Mona Lippisch

Ein Stockwerk weiter oben sind ein paar wenige Möbel aufgestellt: Ein schwerer Holzschrank mit zarten Blumenzeichnungen auf der Vorderseite, der früher einmal als Kleideraufbewahrung diente. Daneben stehen ein helles Sofa und eine Garderobe.

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Es ist kalt in den Räumen der H+E Dienstleistungen GmbH in Überlingen, fertig eingerichtet ist es noch lange nicht. Das liegt daran, dass das Unternehmen erst seit einigen Wochen in die Nußdorfer Straße umgezogen ist, erklärt Rainer Hellebrand. Er ist seit vergangenen November Leiter des Überlinger Standortes des Unternehmens für Hausmeistertätigkeiten und Entrümpelungen.

Beruf bringt neue Herausforderungen für Rainer Hellebrand

„Ich habe 25 Jahre als selbstständiger Handwerksmeister gearbeitet“, erzählt Hellebrand. Weil der Beruf ihm körperlich viel abverlangt habe, suchte er nach einer neuen Herausforderung – und kam so zu H+E. „Meine jetzige Arbeit macht mir großen Spaß. Es ist die Abwechslung, die den Job so besonders macht“, findet der Überlinger.

Rainer Hellebrand steht neben Möbeln aus Wohnungsauflösungen. Alles, was nicht im Müll landet, wird verkauft oder gespendet. Hellebrand gesteht: „Ich habe auch schon einige Sachen selbst mit nach Hause genommen, zum Beispiel schöne alte Stühle.“
Rainer Hellebrand steht neben Möbeln aus Wohnungsauflösungen. Alles, was nicht im Müll landet, wird verkauft oder gespendet. Hellebrand gesteht: „Ich habe auch schon einige Sachen selbst mit nach Hause genommen, zum Beispiel schöne alte Stühle.“ | Bild: Mona Lippisch

Neben Hausmeistertätigkeiten – aktuell etwa dem Schneeschippen vor Häusern und auf Parkplätzen – sind Hellebrand und seine drei Mitarbeiter hauptsächlich mit Haushaltsauflösungen beschäftigt. „Wir werden beispielsweise angerufen, wenn jemand verstorben ist oder wenn eine Familie umzieht. Aber auch Sozialarbeiter kontaktieren uns, wenn ein Mensch beispielsweise ins Heim zieht“, berichtet Rainer Hellebrand.

Von Garagen über Keller und Dachböden bis hin zu kompletten Wohnungen und Häusern: Hellebrand und sein Team schrecken vor (fast) nichts zurück. Eine Ausnahme seien stark verdreckte und heruntergekommene Wohnungen.

„Haben wir eine richtig vermüllte Wohnung vor uns, dann müssen wir genau überlegen und die Hygienerichtlinien beachten“, sagt Hellebrand. Dazu gehöre etwa die Arbeit mit Schutzanzüge, Masken und Brillen. Denn die Gesundheit gehe vor und giftige Stoffe in den Wohnungen sollten nicht eingeatmet werden, betont der Überlinger.

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Möbel und Gegenstände werden nach Wertigkeit getrennt

Egal ob die Wohnung am Ende verdreckt ist oder ordentlich aufgeräumt – der Ablauf bei der Entrümpelung ist immer derselbe. Als erstes werden die Gegenstände nach ihrer Wertigkeit getrennt. „Was in den Müll kommt, bringen wir zum Entsorgungszentrum. Das können auch Kisten voll mit Büchern sein, die dann im Altpapier landen“, erklärt Hellebrand.

Er selbst findet es zwar schade, dass die Bücher weggeschmissen werden, sieht aber keine andere Lösung für die alten Schmöker. „Jedes Buch einzeln ins Internet zu stellen bringt uns am Ende wenig Geld und viel Aufwand. Es rentiert sich nicht.“

Was Rainer Hellebrand mit den zahlreichen Pelzmänteln aus einer Wohnungsauflösung machen will, weiß er noch nicht. „Die Mäntel sind heute aus der Mode gekommen. Zum Wegwerfen sind sie aber eigentlich zu schade“, sagt er.
Was Rainer Hellebrand mit den zahlreichen Pelzmänteln aus einer Wohnungsauflösung machen will, weiß er noch nicht. „Die Mäntel sind heute aus der Mode gekommen. Zum Wegwerfen sind sie aber eigentlich zu schade“, sagt er. | Bild: Mona Lippisch

Alle hochwertigen Möbel, Gegenstände und Klamotten werden von Hellebrand weiterverkauft. Manches landet beim Trödler, einiges wird im Internet inseriert und wieder anderes direkt über das Unternehmen H+E verkauft. „Manche Sachen spenden wir auch an Bedürftige“, ergänzt Hellebrand.

Arbeit in Wohnung wird zur Reise in die Vergangenheit

In seiner Zeit als Haushaltsauflöser sind ihm bereits einige Kuriositäten vor Gesicht gekommen. So erinnert sich Hellebrand etwa an eine Wohnung, die 30 Jahre nicht betreten worden war. „Für uns war es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Von Möbeln und Elektrogeräten bis hin zu Essensverpackungen: Es stand alles da wie vor 30 Jahren“, erzählt er.

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Ein weiteres Erlebnis, das Hellebrand in Erinnerung bleibt, sei eine Wohnung gewesen, in der der gesamte Boden mit Zeitschriften ausgelegt war. „Überall lagen Illustrierte. Der eigentliche Boden war nicht mehr zu erkennen“, berichtet Hellebrand schmunzelnd. „Warum eine Wohnung so aussieht, wie sie aussieht, kann ich nicht beantworten. Aber hinter jedem Haus und jeder Wohnung stecken persönliche Schicksale. Und das berührt mich.“