Die Agentur Südsicht am Fallenbrunnen bietet in ihren Räumlichkeiten Mietschreibtische an. Dabei seien die Anfragen im Coronajahr 2020 deutlich gestiegen, schildert Geschäftsführer Benjamin Sambolec.

„Teilweise haben Firmen für ihre Mitarbeiter angefragt, teilweise die Mitarbeiter selbst, die die Zeit im Homeoffice satt hatten.“ Auch die Anfragen zur Nutzung des Schulungs- beziehungsweise Meetingraums hätten deutlich zugenommen.

Benjamin Sambolec, Geschäftsführer der Südsicht Medien Agentur, die den Coworkingspace Südspace betreibt, zeigt, wie es sich hier arbeiten lässt.
Benjamin Sambolec, Geschäftsführer der Südsicht Medien Agentur, die den Coworkingspace Südspace betreibt, zeigt, wie es sich hier arbeiten lässt. | Bild: Lena Reiner

Die Zunahme der Anfragen sei natürlich positiv. Gleichzeitig möchte er betonen, dass die Agentur den Coworking-Space „nicht wirklich aus finanziellen Gründen“ betreibe und daher nicht darauf angewiesen sei, dass alle Plätze immer ausgebucht seien. „Deshalb schauen wir uns genau an, ob die Leute zu uns passen und lehnen auch relativ häufig ab“, sagt Sambolec.

Unbefristeten Mietvertrag gibt es erst nach einem erfolgreichen Probemonat

Aus demselben Grund – also weil die Menschen sich im Coworking-Space miteinander auch wohlfühlen sollten – gibt es bei Lakeside in der Friedrichstraße einen „Probemonat“. Erst wenn dieser für alle Seiten positiv beendet ist, folgt der unbefristete Mietvertrag für einen Büroraum oder Schreibtischplatz.

„Uns ist wichtig, dass hier wirklich Coworking stattfindet und es nicht einfach nur Räume sind, die gemeinsam genutzt werden“, erläutert Elvir Lagumdzija, der die Lokalität gemeinsam mit seiner Familie betreibt. Daher sei auch nicht in jeder freien Ecke ein Schreibtisch zu finden, es solle genug Platz zum Netzwerken und Zusammensitzen bleiben.

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Wobei genau das Zusammensein während der Pandemie ausfallen muss

Die Corona-Pandemie behindere dies freilich teilweise: So hätten sie bislang den geplanten Café-Betrieb für die Mieter nicht aufnehmen können, so Lagumdzija. Auch die Einweihungsparty, die für März 2020 geplant gewesen sei, habe verschoben werden müssen.

„Es läuft daher ein wenig durchwachsen“, sagt er. Drei der fünf Büros seien noch nicht vermietet. Dafür seien die meisten der Schreibtischplätze gebucht.

Elvir Lagumdzija im Coworking-Space Lakeside, den er gemeinsam mit seiner Familie betreibt.
Elvir Lagumdzija im Coworking-Space Lakeside, den er gemeinsam mit seiner Familie betreibt. | Bild: Lena Reiner

Diese seien, damit sie auch körperlich gut zu jedem Mieter passten, allesamt mit höhenverstellbaren Schreibtischen ausgestattet: „Es ist uns wichtig, da auch alle arbeitsschutzrechtlichen Ansprüche zu erfüllen.“

Mit höhenverstellbaren Schreibtischen wirbt auch das Regionale Innovations- und Technologietransferzentrum (RITZ) am Fallenbrunnen. Mietschreibtische sind hier zu „marktüblichen Preisen“ verfügbar. Eine genaue Kalkulation werde bei einer konkreten Anfrage vorgenommen, erklärt ein Sprecher telefonisch.

Die Schreibtische für Start-ups im Ritz sind höhenverstellbar und bieten nicht nur dadurch individuelle Möglichkeiten für junge Unternehmen.
Die Schreibtische für Start-ups im Ritz sind höhenverstellbar und bieten nicht nur dadurch individuelle Möglichkeiten für junge Unternehmen. | Bild: Lena Reiner

Ganz zentral in Friedrichshafen direkt am Stadtbahnhof liegt das „See.Statt“ der Prisma-Unternehmensgruppe. Kim Schneider ist hier für die Betreuung des Coworking-Bereichs zuständig und führt durch die Räumlichkeiten.

Im Küchenbereich erklärt sie: „Hier war eigentlich für März ein Netzwerkfrühstück geplant. Ich hatte gerade meine Arbeit aufgenommen und war mitten in der Planung, als die Corona-Pandemie kam.“ Eigentlich, so erklärt sie, hätte ein solches Frühstück von da an monatlich stattfinden sollen.

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Trotz der neuen Umstände habe sich die Nachfragesituation für das Angebot nicht stark geändert: „Festzustellen ist jedoch, dass die Nutzer mit Blick auf die aktuelle Corona-Situation flexible Bürolösungen anstreben“, sagt Schneider.

Durch eine tageweise Mietoption eines voll ausgestatteten Arbeitsplatzes sei es möglich, die Räumlichkeiten flexibel zu nutzen: „Egal, ob als Student, wenn die Bibliothek geschlossen ist oder als Alternative zum Homeoffice.“

Im offenen Bereich des Coworking-Spaces „See.Statt“ am Stadtbahnhof gilt derzeit Maskenpflicht.
Im offenen Bereich des Coworking-Spaces „See.Statt“ am Stadtbahnhof gilt derzeit Maskenpflicht. | Bild: Lena Reiner

Von positiven oder negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie könne man nicht direkt sprechen: „Sehr schade ist natürlich, dass regelmäßige Netzwerkveranstaltungen wie beispielsweise das Coworking-Frühstück oder Workshops und Informationsveranstaltungen derzeit nicht stattfinden können.“

Positiv könne man anführen, dass durch die Nutzung digitaler Veranstaltungsformate Netzwerke über die Stadtgrenzen hinaus gebildet hätten werden können.

Kim Schneider im Coworking-Space „See.Statt“ am Stadtbahnhof, dessen Leitung sie für die Prisma GmbH innehat.
Kim Schneider im Coworking-Space „See.Statt“ am Stadtbahnhof, dessen Leitung sie für die Prisma GmbH innehat. | Bild: Lena Reiner

Nachfrage für Homeoffice-Plätze in Häfler Hotel „nicht die Rede wert“

Neu im Geschäft der mietbaren Bürolösungen ist unter anderem das Hotel Knoblauch in Jettenhausen. Mit einem Angebot für ein Homeoffice im Hotel versuchte der Betrieb bereits im Frühjahr, eine Mietbürolösung anzubieten. „Hier haben wir den Gästen eine Kaffeemaschine aufs Zimmer gestellt, ihnen Zugang zum 200-Mbit-WLAN gewährt und Mittag- sowie Abendessen angeboten“, schildert Christian Knoblauch.

Die Nachfrage sei aber leider nicht der Rede wert gewesen: „In den zehn Wochen des ersten Lockdowns haben wir zum Preis von 45 Euro insgesamt nur dreimal das Homeoffice für je einen Tag vermietet bekommen. Im jetzigen Lockdown nur einmal.“