Quarantäne in Friedrichshafen: Nach einer SMS bei Einreise herrscht Funkstille

Kurz vor Abreise erinnert mich der Mitarbeiter am Fluglinien-Schalter daran, dass ich die digitale Einreiseanmeldung für Deutschland ausfüllen müsse. Ich muss mir selbst zwischen den Handys dafür einen Hotspot herstellen, da der direkte Weg mit der afghanischen Mobilverbindung nicht funktionieren will. Meine Daten muss ich angeben, Einreisedatum und einen Haken setzen, ob ich einen PCR-Test vorliegen habe. Letzteren muss ich außerdem am Schalter vorzeigen, auch die Bundespolizei wird ihn bei Einreise nochmals kontrollieren.

In roten fetten Buchstaben werde ich beim Ausfüllen der Einreiseanmeldung darauf hingewiesen, dass ich mich ab Einreise in Quarantäne begeben müsse, da es sich bei Afghanistan in Gänze um ein Risikogebiet handle. Wenige Stunden später erhalte ich obendrein eine SMS der Bundesregierung mit einem Link zu den aktuell gültigen Einreisebestimmungen im Coronakontext.

Ich habe dabei allerdings Glück: Zwei Wochen vor meiner Einreise wurde Afghanistan vom Hochinzidenzgebiet heruntergestuft, so dass bei Rückreise nun keine verschärfte Quarantäneregelung mehr greift. Kurz gesagt: Ausnahmen gelten und ich kann mich nach Ablauf des fünften Tages „freitesten“ lassen.

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Zu Hause angekommen muss ich feststellen, dass mir der Freiheitsentzug doch mehr Schwierigkeiten bereitet, als ich angenommen hätte. Allein das Wissen darum, dass ich nicht einmal kurz zum Briefkasten oder an mein Auto gehen kann, macht mein Wohnzimmer irgendwie ungemütlich. Kontrolliert wird allerdings nicht, ob ich mich an die Spielregeln halte: In der gesamten Zeitspanne erhalte ich weder Kontrollanruf noch -besuch. Dafür beginnen am dritten Tag meiner Quarantäne Bauarbeiten direkt unter meinem Balkon: Mit Presslufthammer und anderem schwerem Gerät wird die Straße aufgerissen.

Zu meinem Termin im Schnelltestzentrum nehme ich – sonst mehrheitlich ÖPNV-Nutzerin – natürlich das Auto. Ich habe zwar bereits einen negativen Selbsttest hinter mir, aber das Risiko eines positiven Testergebnisses besteht nach wie vor. Nur eine Viertelstunde nach meinem Besuch im Schnelltestzentrum in der Eugen-Bolz-Straße erhalte ich Gewissheit per E-Mail: das negative Ergebnis. Ich darf mich also wieder frei bewegen.

Lena Reiner

Quarantäne in Lindau: Überwachung mit persönlicher Betreuerin

Da in Bayern ja bekanntlich einiges anders ist, läuft auch der Vollzug der häuslichen Quarantäne anders als bei den Nachbarn in Baden-Württemberg. Am 19. März gestand uns unser 20-jähriger Sohn, dass ein Freund, mit dem er sich ein paar Tage zuvor getroffen hatte, leider positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Das entpuppte sich besonders für unsere 15-jährigen Sohn als Hiobsbotschaft, der an diesem Tag aus seiner Quarantäne entlassen worden wäre – eigentlich.

Als mitdenkende Familie fuhren wir alle zum Schnelltest: Bei unserem 20-jährigen Sohn fiel dieser positiv aus, beim Rest negativ, also ging es am Abend zum PCR-Test. Danach passierte erst einmal gar nichts – zwei Tage lang hörten wir nichts vom Gesundheitsamt Lindau.

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Wir hatten unsere Laborergebnisse schon auf dem Handy, als das Gesundheitsamt sich am Sonntagmittag meldete, um uns mitzuteilen, dass unser jüngster Sohn aus der Quarantäne kann, wenn er einen negativen Bescheid hat. Keiner im Gesundheitsamt hatte unsere Laborbefunde vorliegen. Erst auf meinen Hinweis hin tauchten sie auf. Seither haben wir eine persönliche Quarantäne-Betreuerin aus dem Landratsamt Lindau.

Sie ruft uns täglich an, teilweise sogar auf verschiedenen Rufnummern und erkundigt sich nach unserem Befinden. Nach fünf Tagen mussten wir noch einmal einen PCR-Test machen lassen, auch das wird in Bayern veranlasst und kontrolliert.

Erst am letzten Tag der verordneten häuslichen Quarantäne können wir uns „freitesten“, das geht dann aber sogar in Bayern mit einem Schnelltest. Wenn diese Schnelltests dann hoffentlich alle negativ sind, dürfen wir uns nach zwei Wochen endlich wieder an der frischen Luft bewegen.

Susanne Hogl