Susanne Visser ist Mitglied der Greenpeace-Gruppe Bodensee und hat im Sommer regelmäßig am See Müll gesammelt, das Müllproblem „im Blick behalten“, wie sie sagt, und auch die Aktion „Rhine clean up“ im September organisiert. Sie schildert: „Hier bei uns waren es überwiegend Pizza-Kartons, Eisbecher und Plastiklöffel, Flaschen, aber auch andere ‚To go‘-Verpackungen aus Restaurants, die Probleme machten.“

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Der Bauhof habe auf die Problematik auch reagiert und Drahtkörbe mit Schildern aufgestellt, um der Flut an Kartons Herr zu werden. „An schönen Tagen war das Müllaufkommen bei uns viel höher als im letzten Jahr – so zumindest mein Eindruck“, ergänzt sie, gerade das „Malereck“ sei davon betroffen gewesen.

Einwegverpackungen aus Plastik, die zuvor Salat beinhaltet haben und direkt nach dem Leeressen ins Grüne geworfen wurden, finden sich vor allem entlang der Rotach häufig.
Einwegverpackungen aus Plastik, die zuvor Salat beinhaltet haben und direkt nach dem Leeressen ins Grüne geworfen wurden, finden sich vor allem entlang der Rotach häufig. | Bild: Lena Reiner

Auch von Gemeinden am Rhein wisse sie, dass das Müllaufkommen während der Pandemie deutlich zugenommen habe. Natürlich sei während des Lockdowns im Frühling weniger Müll ans Ufer getragen worden. Danach habe die Menge aber stark zugenommen.

Das größte Problem sehe sie in Zigarettenkippen, eine ältere Thematik, die es schon vor Corona gab: „Hier kann man jeden Tag Hunderte einsammeln, die Menschen gehen noch immer zu sorglos mit den Kippen um.“ Dabei könne ein einziger Zigarettenstummel 40 Liter Grundwasser verseuchen.

Klein, aber gemein: ein Zigarettenstummel, der sich nicht nur sehr langsam zersetzt, sondern zudem hochgiftig ist.
Klein, aber gemein: ein Zigarettenstummel, der sich nicht nur sehr langsam zersetzt, sondern zudem hochgiftig ist. | Bild: Lena Reiner

Auch Sanne Weber sammelt Müll, insgesamt seit 20 Jahren, seit drei Jahren jeden Samstag um 14 Uhr in Friedrichshafen entlang der Rotach und ist unter anderem mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Bodensee-Oberschwaben aktiv. Sie nennt ihre Sammelaktion ihre drei Stunden wöchentlich für das Gemeinwohl und ruft zum Nachahmen auf: „Gerade jetzt während Corona ist das eine sinnvolle Beschäftigung: Man bekommt Bewegung und frische Luft dabei und tut etwas Sinnvolles.“

Sanne Webers Motto lautet: „Einfach immer einmal mehr absammeln, als die Idioten es wegwerfen können.“
Sanne Webers Motto lautet: „Einfach immer einmal mehr absammeln, als die Idioten es wegwerfen können.“ | Bild: Lena Reiner

Während der ersten Zeit der Corona-Pandemie hatte sie die Termine nicht mehr öffentlich ausgeschrieben, selbst aber im September wieder mit den Müllsammeltouren begonnen. Sie sagt: „Ich beobachte seit Jahren, dass es immer schlimmer wird und jetzt kommen eben die Einwegmasken noch obendrauf.“ Bereits nach wenigen Metern auf ihrer üblichen Route entlang der Rotach, die sie wie ihre Westentasche kennt, liegt eine erste Maske auf dem Weg.

Zum üblichen Müll kommen seit der Corona-Pandemie noch achtlos weggeworfene Einmalmasken hinzu. Nicht nur ein Abfall-, sondern auch ein Hygieneproblem, findet Sanne Weber.
Zum üblichen Müll kommen seit der Corona-Pandemie noch achtlos weggeworfene Einmalmasken hinzu. Nicht nur ein Abfall-, sondern auch ein Hygieneproblem, findet Sanne Weber. | Bild: Lena Reiner

Sie hebt sie mit ihrem Müllgreifer auf und erklärt: „Ich sehe in den Masken nicht nur ein Müll- sondern auch ein Hygieneproblem.“ Umso verantwortungsloser sei es, diese einfach in die Natur zu werfen. Überhaupt: „Die Menschen scheinen die Natur als ihre Müllkippe zu sehen. Die werfen die Sachen einfach weg, und zwar nicht etwa auf den Weg, auf dem sie eine Reinigungsmaschine noch entfernen könnte, sondern wirklich hinein ins Grüne.“

Bild: Lena Reiner

Generell sehe sie jedoch durch die Pandemie keinen Zuwachs an Einwegverpackungen. Die Hotspots, wie sie die Orte nennt, an denen regelmäßig besonders viel Abfall auf einmal zu finden ist, hätten sich kaum verändert. Da gebe es beispielsweise Bänke, um die herum zahlreiche Einwegverpackungen zu finden seien.

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Was jedoch vermehrt vorgekommen sei, als die Anlieferungszeiten des Entsorgungszentrums pandemiebedingt begrenzt wurden, seien ganze Sammlungen von Hausmüll. Doch auch ohne verkürzte Öffnungszeiten komme es immer wieder vor, dass Menschen ihren Hausmüll entsorgen, indem sie ihn einfach aus dem Autofenster werfen.

Weber sieht auch Chancen in der Pandemie

Gleichzeitig sieht Weber auch eine Chance in der Pandemie: „Es schätzen wieder mehr Menschen den Wald und die Natur als Erholungsort. Vielleicht werden sie dadurch auch achtsamer im Umgang mit ihrer Umwelt.“ Sie empfiehlt, auch bei einem normalen Spaziergang einfach immer zwei Tüten in der Tasche zu haben: „Eine kann man als Handschuh nutzen, eine als Müllbeutel.“

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