Am vergangenen Wochenende startete die Schifffahrt in die neue Saison – seither sind die Ausflugsschiffe wieder auf dem Bodensee unterwegs. Bis auch das neueste Schiff der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) den Betrieb aufnehmen kann, vergehen noch ein paar Wochen. Was hat sich seit der Ankunft der beiden Schiffsrümpfe in Friedrichshafen im Februar getan? Wie weit sind die Arbeiten am ersten Passagierschiff mit Elektroantrieb in der Region fortgeschritten?

Video: Fabiane Wieland

Während im Februar die Schiffsrümpfe im Hafenbecken zunächst nur provisorisch verbunden worden waren, um sie in die Häfler Werft zu transportieren, steht inzwischen der Rohbau – die Form des Schiffs ist damit bereits gut zu erkennen. „Der Aufbaubereich wurde fertiggestellt, die Aluarbeiten sind zu 95 Prozent abgeschlossen“, sagt Christoph Witte (rechts), technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsführung der BSB.

Bild 1: So kommen die Arbeiten am neuen E-Schiff voran: Werfen Sie mit uns einen Blick in die Werft
Bild: Fabiane Wieland

Das Schiff sei kleiner und durch die Aluminium-Konstruktion auch leichter als andere Schiffe der Weißen Flotte. Für einen möglichst geringen Widerstand wird nach dem Katamaran-Prinzip gebaut, betont Witte. Das sei wichtig für einen geringen Energieverbrauch, durch die Breite liege es dennoch ruhig im Wasser. Für Ingo Schillinger (links) vom Unternehmen Ostseestaal, das mit dem Bau des Schiffs beauftragt ist, stellen derzeit vor allem Materialbeschaffung und -preise eine Herausforderung dar: „Die Rahmenbedingungen für ein solches Projekt sind derzeit nicht die einfachsten.“

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Obwohl sich Lieferungen zuletzt verzögert hatten, liegen die Arbeiten im Zeitplan. Wenn das Schiff fertig ist, bietet es Platz für 300 Passagiere, die sich während der 15-minütigen Überfahrt unter anderem im Passagierraum aufhalten können. Hier geht es nach BSB-Angaben jetzt an den Innenausbau und die Ausrüstungsphase.

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Einer von Christoph Wittes Lieblingsplätzen auf dem neuen Passagierschiff ist das Vordeck. „Hier kann man Fahrräder befestigen oder sich einfach anlehnen und den Fahrtwind um die Nase wehen lassen“, sagt der technische Leiter der BSB und zeigt auf die entsprechenden Stützen. Durch seine Form biete das Schiff hier viel Platz, um die Fahrt und die Aussicht zu genießen.

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Über eine Treppe geht es dann hinauf zum Freideck. „Auch hier können sich die Gäste dann während der Überfahrt im Freien aufhalten“, sagt Witte. Im vorderen Teil befindet sich außerdem das Steuerhaus, das bereits aufgebaut ist. „Hier wird der Arbeitsplatz des Schiffsführers sein“, betont Witte, „unsere Schiffsführer werden vor der Inbetriebnahme noch speziell auf dieses Schiff geschult.“

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Eine Besonderheit befinde sich auf dem Dach des E-Schiffs, das künftig zwischen Uhldingen und der Mainau auf dem Überlinger See verkehren soll. Das Freideck wird komplett mit Solarzellen, die in Konstanz hergestellt werden, überdacht. „Insgesamt sind das rund 60 Solarpanele, die hier quasi wie Fenster in diesen Aufbau eingesetzt werden“, so Witte. Damit werde an Bord Strom für den eigenen Antrieb produziert. Je nach Sonneneinstrahlung könne man damit rund 20 Prozent des Energiebedarfs abdecken.

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Lackierarbeiten, der Einbau des Antriebs und der Batterien – bis zum Stapellauf Anfang Juni gibt es für die Mitarbeiter in der Werft noch viel zu tun. Auch die gesamte Elektrotechnik, Elektronik und Automation muss dann noch geprüft und programmiert werden. Nach den ersten Testfahrten soll der Elektrokatamaran im Juli übergeben werden und den regulären Betrieb zwischen Uhldingen und der Insel Mainau aufnehmen. Ein anderes Schiff der Weißen Flotte soll dafür ausgemustert werden.

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Wenn sich der E-Katamaran bewährt, soll ein Schwesterschiff gebaut werden. Dieses könnte 2025 in Betrieb gehen, soll in Meersburg seinen Heimathafen haben und, so Christoph Witte, dann ebenfalls vollelektrisch den Kurs Mainau-Uhldingen-Meersburg abdecken. Auch für die größeren Schiffe der Weißen Flotte arbeite man an umweltfreundlichen Lösungen. Aufgrund der Größe und des Gewichts sei ein vollelektrischer Betrieb hier nicht denkbar. „Wir arbeiten allerdings an vielen Projekten mit und sind zuversichtlich, dass auch hier die nötigen Innovationssprünge folgen werden“, betont Witte.

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