Mit den aktuellen ÖPNV-Projekten beschäftigte sich in dieser Woche der Kreistags-Ausschuss für Nahverkehr. Während sich die Ausschussmitglieder einig waren, dass sich trotz schwieriger Voraussetzungen im Corona-Jahr bei den Nahverkehrsprojekten im Landkreis viel getan hat – etwa der Regiobuslinie 700 von Konstanz nach Ravensburg oder dem Erlebnisbus 2 auch während der Wintersaison – hakten sie bei den Verstärkerfahrten im Schülerverkehr genauer nach.

Welche Regelungen gelten hier?

Wird genug dafür getan, um während der Corona-Pandemie volle Schulbusse zu vermeiden? Rupert Mayer, Mitarbeiter im Amt für Kreisentwicklung und Baurecht, wies darauf hin, dass seit dem Ende der Sommerferien im Bodenseekreis zusätzliche Fahrten im Schülerverkehr angeboten werden. Zur Finanzierung gibt es ein Landesprogramm, das einen Teil der Kosten übernimmt. Nach einer Änderung im Oktober gilt die Förderung nach Angaben des Landes, „wenn in normalen Linienbussen die Sitzplätze regelmäßig nicht ausreichen“. Bei Niederflurbussen mit geringer Sitzplatzzahl würden Zusatzbusse dann gefördert, wenn neben den Sitzplätzen auch mehr als 20 Prozent der zulässigen Stehplätze regelmäßig belegt sind.

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Die Kreisverwaltung hat eigenen Angaben zufolge mit den Verkehrsunternehmen vereinbart, dass alle Fahrten im Schülerverkehr gemeldet werden, bei denen die oben genannten Grenzen wiederkehrend überschritten werden. „In diesen Fällen werden vom Landkreis entsprechende Verstärkerfahrten hinzubestellt, sofern bei den Unternehmen entsprechende Kapazitäten vorhanden sind“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Laut Rupert Mayer seien die Verkehrsunternehmen dafür sensibilisiert. Inzwischen werden, so seine Aussage, pro Woche im gesamten Landkreis schon fast 40 Verstärkerfahrten angeboten. Manchmal seien übervolle Busse also sicherlich auch ein „subjektives Gefühl“, glaubt er.

„Ich kann es verstehen, dass Schüler und Eltern sich Sorgen machen.“
Britta Wagner (SPD)

Britta Wagner (SPD) fand hingegen: „Es ist doch aber mit Blick auf die Abstandsregeln bereits zu eng, wenn alle Sitzplätze im Bus belegt werden.“ Auch im Bus müssten doch die Coronaregeln eingehalten werden können. „Ich kann es verstehen, dass Schüler und Eltern sich Sorgen machen.“ Könne man auf viel genutzten Routen nicht direkt einen Bus hinterherschicken, der die Schüler aufnimmt, die keinen Platz mehr haben? Oder könnten beispielsweise Buspaten an Schulen eingesetzt werden, die auf die Abstände achten?

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So viele Busse und Fahrer stünden gar nicht zur Verfügung, um in Bussen einen Abstand von eineinhalb Metern gewährleisten zu können, machte Landrat Lothar Wölfle deutlich. Bei der Firma Strauss-Reisen etwa, die sich im östlichen Teil des Landkreises um die Schülerbeförderung kümmert, setze man inzwischen für die Verstärkerfahrten sogar noch Reisebusse ein. „Es war allerdings von Anfang an klar, dass ein Abstand von eineinhalb Metern in den Schulbussen nicht eingehalten werden kann“, so Wölfle.

Riedmann: „Hier werde ich unruhig“

„Hier werde ich unruhig“, sagte dazu Georg Riedmann (CDU). „Die Gastronomie musste im November schließen, da sind volle Schulbusse schwer vermittelbar“, fand er. Er könne es verstehen, dass die Menschen sehr verärgert sind, wenn strenge Kontaktbeschränkungen gelten und Schüler gleichzeitig zu fünfzigst im Bus sind. „Daher müssen abgemeldete Reisebusse dringend wieder angemeldet werden und hier zum Einsatz kommen“, forderte er.

Am Bahnhof Friedrichshafen steigen Schüler in einen RAB-Schulbus ein.
Am Bahnhof Friedrichshafen steigen Schüler in einen RAB-Schulbus ein. | Bild: Lena Reiner

Die Kreisverwaltung erklärt auf SÜDKURIER-Anfrage hingegen: „Es ist nicht sinnvoll, einfach mal ein paar Busse auf Vorrat zu bestellen. Auch das Personal ist nicht unbegrenzt verfügbar und muss, genauso wie die Fahrzeuge, systematisch in den Schulbus-Fahrplan eingebunden werden. Zudem sind nicht alle Fahrzeuge für den Schüler- beziehungsweise Linienverkehr geeignet.“ Die Fahrer würden es – wie angesprochen – melden, wenn regelmäßig mehr Kinder und Jugendliche im Bus sind, als vorgesehen.

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„Dabei muss man auch berücksichtigen, dass es immer wieder mal Sondereffekte gibt, sodass ungewöhnlich viele Schüler denselben Bus nehmen wollen. Auf den Hauptlaststrecken haben man daher nachgesteuert.“ Zu beobachten sei aber auch, dass auf den Regelstrecken oftmals alle den letztmöglichen oder erstmöglichen Bus nehmen wollen und auf den Fahrten davor und danach noch viele Plätze frei seien. „Auf der Seelinie ist das beispielsweise so“, teilt das Landratsamt mit. Auch die Schulen müssten hier in die Pflicht genommen und Schulanfangs- und -endzeiten entzerrt werden, fand der Landrat.

Schulzeiten entzerren?

Steffen Rooschüz, Geschäftsführender Schulleiter in Friedrichshafen, sagt zu gestaffelten Schulzeiten: „Allein durch die versetzten Anfangszeiten kommt es noch nicht zwingend zu einer Entzerrung im Nahverkehr, wenn die Taktung dazu nicht passt.“ Verbindungen alle 30 oder 60 Minuten würden nicht automatisch eine Entzerrung bringen, wenn beispielsweise die Taktung an der Schule 15 Minuten sind und die Schüler die gleichen Busse nutzen. „Insgesamt stellt sich die Frage – welche Linien und welche Schulen sind von einer Überbelegung der Busse betroffen, ist dies schon abschließend erhoben und gibt es Lösungen des Nahverkehrs über Umschichtung und Verstärkerbusse, können etwa Reisebusse temporär eingesetzt werden?“

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Der Kreis ist selbst Träger von großen Schulen, warum geht er hier nicht voran? „Wir haben hier keinen Durchgriff auf den Schulbetrieb, auch nicht als Schulträger“, erklärt Kreissprecher Robert Schwarz. Auch gebe es hier keine landeseinheitliche Linie oder Weisung. „Sinnvoll wäre eine Staffelung auch nur bei den großen Schulzentren, bei den kleineren Schulen würde das eher Chaos in der Fahrtenplanung anrichten.“

Bild: Lena Reiner