Könnte es zu Pfingsten offene Hotels und Biergärten im Bodenseekreis geben? Schon seit Monaten sind Restaurants und Kneipen aufgrund der Corona-Pandemie für Gäste geschlossen, Hotels dürfen keine touristischen Übernachtungen mehr anbieten. Nach einem Treffen mit Vertretern aus Wirtschaft, Gastronomie, Tourismus und Handel hat Sozialminister Manne Lucha vergangene Woche ein Stufenkonzept für baldige Öffnungen vorgestellt – sofern die Inzidenzwerte es zulassen.

Ein wichtiges Signal für die Branche

„Für uns war das Treffen ein wichtiges Signal“, sagt Horst Müller, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Bodenseekreis. Schon im Vorfeld habe der Ministerpräsident für Öffnungsszenarien und deren Rahmenbedingungen ein Einbeziehen des Dehoga zugesagt. „Jetzt geht es um die Details, die noch eine Verordnung gegossen werden müssen – und wir brauchen möglichst rasch ein genaues Datum“, so Müller weiter.

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In den vergangenen Monaten seien die Verordnungen oft erst am Sonntag veröffentlicht worden und sollten dann ab Montag gelten. „Stattdessen brauchen wir jetzt rechtzeitig verbindliche Zusagen wie und wann wir starten können“, sagt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Öffnungsschritte zu Pfingsten seien für die Region enorm wichtig, denn „der Tourismus am Bodensee lebt von den Sommermonaten“, sagt Müller. Die Hauptsaison dauert von Mai bis September, dazu der April und Oktober als Nebensaison. „Wir brauchen fünf gute Monate, um über den Winter zu kommen“, sagt der Dehoga-Chef im Landkreis, der die „Winzerstube“ in Hagnau betreibt. Ab Mitte Oktober sei in der Regel Schluss, „wir haben hier keine Nachholeffekte“.

Die „Winzerstube“ am Hagnauer Seeufer.
Die „Winzerstube“ am Hagnauer Seeufer. | Bild: Fabiane Wieland

Im vergangenen Jahr habe man am 27. Mai geöffnet und von einem guten Sommer profitiert. „Wenn es zu Pfingsten wirklich klappt und die Saison dann bis im November geht, dann können sich die Saisonbetriebe wohl über Wasser halten, glaubt er. „Wenn alles zu bleibt, dann wird es extrem schwer. Dann weiß ich nicht, ob nicht deutlich mehr Betriebe sterben“, so Müller. Bereits jetzt erwäge einer bundesweiten Dehoga-Umfrage zufolge jedes vierte Unternehmen, den Betrieb aufzugeben.

Auch Innengastronomie sollte ermöglicht werden

Am Bodensee gebe es viele touristische Betriebe, andere hätten sich wiederum auf Geschäftskunden und das Messegeschäft konzentriert. „Diesen Betrieben ist ein Großteil des Geschäfts weggebrochen“, sagt der Dehoga-Kreisvorsitzende. Zwar habe das Land Corona-Stabilisierungshilfe für das Hotel- und Gaststättengewerbe aufgesetzt, „unser Geschäft ist es aber nicht, von Hilfen zu leben, wir sind Gastgeber“. Im vergangenen Jahr habe die Branche bereits gezeigt, dass die Hygienekonzepte greifen. Daher sollte neben der Außen- auch die Innengastronomie ermöglicht werden, so Müllers Forderung. Er verweist dabei auch auf Tests und die Möglichkeit der Kontaktverfolgung durch die Luca-App.

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„Für uns kommt es jetzt auf die Details der Verordnung an“, so Müller. Wissen müsse man vor allem, was passiert, wenn die Inzidenz wieder über einen Wert von 100 steige. „Ein Pingpong aus öffnen und schließen wäre ein Desaster“, sagt der Dehoga-Kreischef und nennt dafür ein Beispiel: „Nehmen wir einen Gast aus Hannover, der morgens startet und im Bodenseekreis die Inzidenz zu diesem Zeitpunkt bei 95 liegt. Muss der dann bibbern, ob er drei Tage später – falls die Inzidenz über 100 steigt – wieder abreisen muss?“ Ein wichtiges Signal für Gastgeber und Gäste wäre, „wenn wir öffnen dürfen und dann auch offen bleiben“.

„Eine planbare Saison und ein Sommergeschäft wie 2020“

Viele Stammgäste hätten ihren Aufenthalt zuletzt verschoben. „Viele fragen bereits, wann sie wieder kommen dürfen“, sagt Müller, „wir spüren bei den Gästen neben der Verunsicherung eine totale Reiselust.“ Was er sich für die Saison 2021 wünscht? „Eine Öffnung bis spätestens Pfingsten, eine planbare Saison und ein Sommergeschäft wie 2020.“

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