Wer am Bodensee wohnt, der hat das Bodenseeschifferpatent – oder kennt mindestens einen im Bekanntenkreis, der ein eigenes Boot im Hafen liegen hat. Doch wie kommt man eigentlich an der Führerschein für den See? Wie viel Zeit nimmt die Vorbereitung in Anspruch und braucht man dafür ein eigenes Boot?

Der SÜDKURIER hat mit drei jungen Menschen aus dem Bodenseekreis gesprochen, die gerade mitten in den Prüfungen stecken oder diese kürzlich erst absolviert haben. Sie sprechen über ihre Erfahrungen, die Vorbereitungen und darüber, warum sie sich für die Prüfung angemeldet haben.

Nils Lenius ist mit dem Segelsport aufgewachsen

Nils Lenius aus Uhldingen-Mühlhofen hat vergangenen Sommer seine theoretische Prüfung für das Bodenseeschifferpatent erfolgreich bestanden. „Ich habe zwei Wochen gelernt und bin die etwa 400 Prüfungsfragen durchgegangen. Danach war die Prüfung für mich wirklich einfach“, erzählt der 22-Jährige.

Für den Test lernte er Segelregeln und Allgemeines über den Bodensee, zum Beispiel wie tief das Gewässer ist und wo sich die tiefste Stelle befindet. „Einiges musste ich auswendig lernen, anderes war mir schon vom Segeln aus der Praxis bekannt.“

Nils Lenius will seine praktische Prüfung für das Bodenseeschifferpatent noch diesen Sommer absolvieren. Dafür übt er nun fleißig mit seinem Vater.
Nils Lenius will seine praktische Prüfung für das Bodenseeschifferpatent noch diesen Sommer absolvieren. Dafür übt er nun fleißig mit seinem Vater. | Bild: Privat

Nach der theoretischen Prüfung haben angehende Schiffer wie Lenius ein Jahr Zeit, um die praktische Prüfung zu absolvieren. Spätestens Ende September muss er sich für die praktische Segelprüfung anmelden.

Über das Bodenseeschifferpatent

Doch wie kam Lenius überhaupt auf die Idee, das Bodenseeschifferpatent zu machen? „Wir haben schon immer ein Segelboot im Uhldinger Hafen liegen. Ich finde es schade, wenn man ein Boot hat und es nicht nutzen kann“, begründet der 22-Jährige.

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Sowohl seine Mutter als auch sein Vater haben das Patent – für die Prüfungsvorbereitung des jungen Mannes ein großer Vorteil. Denn Lenius muss keinen Segelkurs belegen sondern lernt er das Segeln von seinem Vater. „Das spart eine Menge Geld“, sagt er und schmunzelt.

Ganz unerfahren war der junge Mann allerdings nicht, als er sich dazu entschloss, das Patent zu machen. Als Kind war Lenius in der Uhldinger Segelschule aktiv. Dort habe er die Grundlagen gelernt, die er nun beim Segeln auf einem großen Boot festigen muss. „Die Manöver, die Kommandos und Absprachen sitzen noch nicht perfekt. Da brauche ich etwas Übung.“

„Das Patent an sich ist einfach, da braucht man kaum Erfahrung“

Für Lenius ist das regelmäßige Üben besonders wichtig. „Das Patent an sich ist einfach, da braucht man kaum Erfahrung. Aber bevor man danach alleine auf dem See unterwegs ist, sollte man sicherlich noch Erfahrungen sammeln. Gerade das Wetter, das sich ja am See schnell ändern kann, unterschätzen viele“, sagt der 22-Jährige.

Deswegen hat er sich vorgenommen, nach seiner Prüfung noch einen Segelkurs zu machen, um das Gelernte zu vertiefen. Bevor er mit dem Boot seiner Familie alleine auf den See darf, müsse er sich schließlich erst beweisen. Doch schon jetzt träumt Lenius von Wochenenden mit Freunden auf dem Bodensee. „Von Hafen zu Hafen segeln und es sich gut gehen lassen. Da freue ich mich drauf.“

Murielle Raible liebt das Gefühl der Freiheit auf dem See

Seit Murielle Raible denken kann, braucht sie den Bodensee in unmittelbarer Nähe. „Ich bin ein richtiges Seekind“, sagt sie über sich selbst. Ganz besonders schätzt die 24-Jährige die Zeit auf dem See. Ihre Familie besitzt ein Segelboot, schon mit jungen Jahren war die Überlingerin mit an Bord. „Ich liebe das Gefühl der Freiheit, wenn ich auf dem See bin. Es ist etwas ganz Besonderes, sich nur mit der Kraft des Windes fortzubewegen“, erzählt Raible.

Volle Kraft voraus: Murielle Raible mit Freunden auf dem Segelboot.
Volle Kraft voraus: Murielle Raible mit Freunden auf dem Segelboot. | Bild: Privat

In den vergangenen drei Jahren wurde ein Wunsch der jungen Frau immer größer: „Ich wollte unbedingt das Bodenseeschifferpatent machen.“ Nach einigen Überlegungen hin und her meldete sie sich diesen Sommer für die theoretische Prüfung an.

Vorbereitung mit Buch und App

Um sich vorzubereiten, kaufte sich Raible das der Prüfung zugehörige Buch und lernte zeitgleich mit einer App. „Ich habe mir alle Fragen für die Prüfung angeschaut. Die Aspekte, die neu für mich waren habe ich noch einmal im Buch nachgelesen“, erklärt sie. Dabei fand Raible besonders die Vorfahrtsregeln knifflig. Viel Zeit für die Vorbereitung habe die 24-Jährige trotz „Backbordbug vor Steuerbordbug“ nicht gebraucht. „Wenn man es einmal verstanden hat, ist es gar nicht schwer“, sagt sie und lächelt.

Murielle Raible sagt: „Ich bin ein richtiges Seekind.“
Murielle Raible sagt: „Ich bin ein richtiges Seekind.“ | Bild: Privat

Nun geht es für Raible in Richtung Praxisprüfung. Davor steht ein Arzttermin auf dem Programm, denn für die Prüfung auf dem Boot braucht sie ein ärztliches Zeugnis – ähnlich wie für den Autoführerschein. „Im September will ich dann bei einer Segelschule einen Kurs für Fortgeschrittene belegen und dort auch das Motorbootfahren lernen. Und dann bin ich, denke ich, gut für die Prüfung vorbereitet“, sagt Raible.

Die junge Frau betont, dass sie nach dem Patent „unbedingt“ weiter üben müsse. „Wenn man das Bodenseeschifferpatent hat, heißt das nicht, dass man perfekt segeln kann und sich in jeder Situation sicher ist“, begründet Raible. Als Segler müsse man jederzeit im Hinterkopf behalten, dass man auf den Wind angewiesen ist. „Man kann nicht einfach anhalten, stoppen und bremsen.“ Deswegen sei es aus Sicht der 24-Jährigen wichtig, nach der Prüfung am Ball zu bleiben, um beim Segeln sicher zu werden.

Tobias Pitz hat das Patent in nur zwei Wochen gemacht

„Als Kind, das am Bodensee aufwächst, gehört Segeln irgendwie dazu“, findet Tobias Pitz aus Überlingen. Seit der 23-Jährige denken kann, haben seine Eltern ein Boot. „Deswegen war das Schifferpatent schon immer ein Thema für mich.“ In seiner Kindheit hat Pitz das Segeln auf einer kleinen Jolle gelernt – der Sport auf dem Wasser ist für den Überlinger also nichts Neues.

„Als ich 14 Jahre alt war, habe ich das erste Mal verstanden, dass ich einen Führerschein brauche, wenn ich auf die großen Segelboote umsteigen möchte“, sagt er und schmunzelt. Doch während seiner Schulzeit und dem Studium habe er keine Zeit für das Patent gehabt. Dieses Jahr hat Pitz das Projekt Bodenseeschifferpatent dann in Angriff genommen. „Ende Mai hatte ich meine Theorieprüfung und etwa zwei Wochen später habe ich die praktische Segelprüfung absolviert.“

Tobias Pitz hat diesen Sommer die Prüfungen für das Bodenseeschifferpatent bestanden.
Tobias Pitz hat diesen Sommer die Prüfungen für das Bodenseeschifferpatent bestanden. | Bild: Niklas Karbowiak

Die theoretische Prüfung sei für den Überlinger kein Problem gewesen. „Vieles wusste ich schon“, sagt Pitz. Vor der Praxisprüfung meldete sich der junge Mann bei einen sechstägigen Kurs an einer Segelschule an. Dort vertiefte er seine Kenntnisse und Fähigkeiten. Die verschiedenen Seglerknoten, die bei der praktischen Prüfung auch abgefragt werden, übte er zuhause. „Natürlich war ich am Tag der Prüfung ein bisschen nervös“, gibt Pitz zu. „Wir hatten ziemlich starken Wind und die anderen auf dem Boot, also die Crew, kannte ich ja gar nicht.“

„Ich werde mich erstmal an unser Segelboot gewöhnen müssen“

Trotz diesen erschwerten Bedingungen hat Pitz die Prüfung bestanden. Und wie geht es nun für den jungen Mann weiter? Momentan arbeitet Pitz in Stuttgart. Aber an den Wochenenden ist er oft am See – und dann natürlich auch auf dem Boot. „Ich werde mich jetzt erstmal an unser Segelboot gewöhnen müssen und ein paar Segeltage mit meinem Vater einlegen. Dann darf ich das Boot auch alleine nutzen.“

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