So stark besetzt wie am Mittwochabend ist die Verwaltungsbank in einer Ausschusssitzung selten. Fünf Referenten neben Bürgermeister Andreas Köster versuchten, mit sehr vielen Zahlen und technischen Details die Gemeinderäte auf den Stand der Dinge in Sachen Digitalisierung der Schulen zu bringen.

Über 1000 Geräte stehen zum Austausch an

Knapp 2000 PCs, Notebooks und Tablets für 5200 Schüler und 560 Lehrer klingt erst einmal nicht schlecht. Doch bis auf knapp 650 Tablets, die gerade erst bestellt und zum Teil geliefert wurden, stehen nahezu alle anderen Geräte quasi zum Austausch an. Und nicht nur, weil nach fünf Jahren die Garantie ausläuft. Hier beginnt das Problem: Was die Schulen als Ersatz bekommen, macht die Stadt von sogenannten Medienentwicklungsplänen (MEP) abhängig, die jede Schule für sich erstellen muss.

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Was so profan klingt, ist jedoch ein monatelanger Prozess über sieben Stufen, der im September 2019 gestartet ist. Nur fünf von 14 Schulen haben Stufe 2 – die Ist-Stand-Analyse – bis dato abgeschlossen. Zumindest für diese Schulen soll der Gemeinderat im ersten Quartal 2021 beschließen, was an Technik angeschafft wird, erläuterte der Abteilungsleiter Schulen, Marco Schneider. Mit anderen Worten: In diesem Schuljahr könnten bei dieser Gangart selbst die fünf Vorreiter-Schulen nicht mehr mit einer neuen, bedarfsgerechten Ausstattung rechnen.

647 iPads hat die Stadt mit Geldern aus dem Digital-Sofortausstattungsprogramm des Landes bestellt. Noch sind rund 400 Geräte nicht in den Schulen angekommen.
647 iPads hat die Stadt mit Geldern aus dem Digital-Sofortausstattungsprogramm des Landes bestellt. Noch sind rund 400 Geräte nicht in den Schulen angekommen. | Bild: Stratenschulte

Wo ist das Problem? Im Mai 2019 legte der Bund mit dem „DigitalPakt“ ein Förderprogramm auf, aus dem die Stadt 1,9 Millionen Euro erhält und 380 000 Euro als Eigenanteil leisten muss. Ursprünglich konnte das Geld nur beantragt werden, wenn Medienentwicklungspläne vorliegen. Davon rückte der Bund wegen der Corona-Pandemie ab, damit digitale Ausrüstung für den Fernunterricht schneller beschafft werden kann. In Friedrichshafen wird der MEP nun aber als „Instrument der (inneren) Schulentwicklung“ deklariert. Mit anderen Worten: Ohne MEP kein Geld und auch keine Neuausstattung.

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„Wollen wir wirklich darauf beharren, dass der Medienentwicklungsplan steht, bevor das Geld beantragt wird?“, fragte Christine Heimpel (Grüne) nach einem schnelleren Weg. Seine Verwaltung treffe keine Schuld, erklärte Bürgermeister Andreas Köster. Die Schulen hätten vor einem Jahr mit der Planung begonnen, der Fortschritt sei „suboptimal“. Eine Schuldzuweisung, die Steffen Rooschüz, Geschäftsführender Schulleiter, so nicht stehen lassen wollte. „Wir Schulen stemmen gerade eine ganze Menge“, sagte er mit Blick auf die Ausnahmesituation an fast jeder Schule seit dem Frühjahr.

„Wir werden eine gemeinsame Lösung hinkriegen.“Andreas Köster, Bürgermeister
„Wir werden eine gemeinsame Lösung hinkriegen.“Andreas Köster, Bürgermeister | Bild: Lena Reiner

Er machte deutlich, dass die städtischen Schulen bekommen sollten, was sie brauchen, ohne die Beschaffung an die Medienentwicklungspläne zu koppeln – „damit die Schulen arbeitsfähig werden“, sagte Steffen Rooschüz. Nach einer längeren Diskussion erklärte Bürgermeister Köster letztlich, die Verwaltung werde schauen, was sich machen lasse. „Wir werden eine gemeinsame Lösung hinkriegen“, schloss er diese Debatte und verwies auf einen neuerlichen Bericht im Januar.

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Fakt ist: Rund zwei Millionen Euro werden lange nicht reichen, die Schulen digital zeitgemäß auszustatten. Auf der Haben-Seite stehen derzeit 330 neue Medienwagen, 285 neue Drucksysteme und 647 Tablets, die neu angeschafft wurden.

Stark veraltete Netzwerk-Infrastruktur

Dafür ist die Liste der „Baustellen“ deutlich länger. Nur an neun von 16 Schulstandorten (inklusive Außenstellen) liegt schnelles Internet mit einer Bandbreite von 400 bis 600 Mbit/Sekunden an – was im Gigabit-Zeitalter deutlich besser geht. Sechs Schulen haben weniger als 100 Mbit/Sekunde zur Verfügung, eine Schule sogar weniger als 50. Dabei liegt bei fast allen Schulen das Glasfaserkabel im Gebäude. Doch eine „stark veraltete“ Netzwerk-Infrastruktur in den Schulen verhindert schnelles Surfen. Die wird auch gebraucht, um taugliche WLAN-Netze aufzubauen, um die die Schulen seit Jahren bitten. Dass selbst Telefonanlagen laut Statusbericht des Digitalamts „teils deutlich veraltet“ sind, rundet das Bild nur ab.

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Dazu kommen überlastete Lehrer, die als Netzwerkberater maximal drei Wochenstunden bekommen – und obendrein nur stark eingeschränkte Administrationsrechte haben. Klemmt es in der IT, sind die Schulen auf externe Hilfe oder die der Stadt angewiesen. Hier gibt es nur noch zwei Vollzeitstellen für das Schul-IT-Team, steht im Rathausbericht.

„Fernunterricht kann auch ‚analog‘ durchgeführt werden“

Wie die Schulen angesichts dieser Problematik effektiv mit modernen Medien einen zeitgemäßen Unterricht anbieten können, ist fraglich. Da hilft auch die Feststellung der Stadtverwaltung nicht weiter, dass laut Kultusministerium „Fernunterricht auch ‚analog‘ durchgeführt“ werden kann.