Zum ersten Mal in der 150-jährigen Geschichte der Weißen Flotte fand die Medienkonferenz zum Saisonstart auf dem Trockenen statt. Für die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) dürfte die schnöde Videokonferenz gestern Vormittag noch eins der kleinsten Übel eines völlig verkorksten Saisonauftakts gewesen sein. Durch die Corona-Krise mussten auch die Ausflugsdampfer deutlich länger bis zur ersten Ausfahrt warten, die eigentlich für den 5. April geplant war. In der Schweiz liegen die Schiffe sogar nach wie vor im Hafen; los geht es hier erst nach Pfingsten am 6. Juni.

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Programm wird mächtig abgespeckt

„Abgesagt“ ist zumindest für den VSU-Vorsitzenden Norbert Reuter „das Wort des Jahres 2020“. Das fing mit der Flottensternfahrt zum ursprünglichen Saisonauftakt am 25. April an und hört mit der Absage der Bregenzer Festspiele vermutlich noch nicht auf. Die zweite, quasi ausverkaufte Saison von „Rigoletto“ auf der Seebühne habe auch den Bodenseeschiffsbetrieben (BSB) eine „fantastische Buchungslage“ beschert – umsonst. Kein Seenachtsfest, kein Seehasenfest, alle Feuerwerksfahrten abgesagt: Das zusammengestrichene Veranstaltungsprogramm an Land beschert auch den Schiffsunternehmen auf dem Bodensee enorme Ausfälle im Programm. Das muss folglich „abgespeckt“ werden.

Rückblick zur Bodensee-Schifffahrt im Jahr 2019

Ausfahrten derzeit eingeschränkt

Neben attraktiven Rundfahrten setzen die VSU laut Reuter auf die Öffnung der Grenzen am 15. Juni. Dann könnten die Kursschiffe wieder in allen Häfen rund um den Bodensee anlegen, bekäme die Weiße Flotte „einen Schub“, hofft Norbert Reuter. Derzeit sind Ausfahrten nur eingeschränkt möglich. Seit zehn Tagen sind die BSB-Schiffe wieder in reduziertem Umfang unterwegs, die Vorarlberg Lines (VL) bereits seit dem 15. Mai.

Planmäßig soll die Weiße Flotte dann bis zum 18. Oktober ihr Programm fahren, wobei die VSU-Betriebe auf eine Saisonverlängerung in den „goldenen Herbst“ hoffen. Das hänge allerdings nicht nur vom Wetter ab. „Wir beobachten die Buchungslage in den Hotels und Pensionen“, so Norbert Reuter gestern.

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Nach der ersten Woche Schiffsverkehr auf dem Bodensee befindet der BSB-Chef zumindest, dass sich das Corona-Schutzkonzept bewährt habe. „Wir tun auch alles dafür, um die Abstandsregeln und Hygienevorschriften einzuhalten“, so Reuter. An Christi Himmelfahrt waren viele Menschen auf den Schiffen, im Schnitt lag die Auslastung bei 30 bis 50 Prozent.

Einzige Auflage: Maskenpflicht

Da geht also noch einiges, zumal die Weiße Flotte keine Beschränkungen hat, wieviele Passagiere an Bord dürfen. Einzige Auflage: Maskenpflicht. Kann der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden, müssen die Gäste einen Mund-Nase-Schutz tragen. „Wir achten trotzdem darauf, dass nicht zu viele Passagiere an Bord gehen“, so Reuter. So sei beim Ticketverkauf eine entsprechende Stoppregelung im Vertriebssystem eingebaut.

Die MS „Schwaben“ wird nach dem Einbau neuer Motoren wieder eingewassert.
Die MS „Schwaben“ wird nach dem Einbau neuer Motoren wieder eingewassert.

Bis zu 50 Prozent Umsatzverlust

Hoffnungsvoll schaut die BSB nun zuerst auf die Pfingstferien, die am Montag beginnen, auch wenn die Buchungslage am See noch nicht rosig sei. Nach Saisonende wird trotzdem ein dickes Minus in den Büchern stehen. „Wir erwarten 50 bis 60 Prozent der Vorjahreserlöse in Analogie zur den Fahrgästen“, befürchtet Norbert Reuter. Für die BSB wäre das ein Umsatzverlust von rund sieben Millionen Euro, so der Geschäftsführer. Nur wenn das mit der Saisonverlängerung in Richtung Herbst klappt, sei am Ende „vielleicht noch etwas mehr drin“.

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Umsätze werden auch in der Gastronomie an Bord fehlen – und nicht nur, weil ein Restaurant-Betrieb auf den BSB-Schiffen derzeit nicht möglich ist. Zum einen habe der Gastropächter, der 2021 ohnehin aufhören wollte, seinen Vertrag Corona-bedingt schon für dieses Jahres gekündigt. Nun gibt es auf allen Schiffen einen Bistrobetrieb, den die Gastro-Crew der BSB betreibe. Gäste können sich also an der Theke etwas zu essen oder trinken kaufen. Bei der Gelegenheit räumte Norbert Reuter mit der angeblichen Verzehrpflicht auf: „Die Gäste können auch gern mit ihrem Picknickkorb an Bord kommen“, sagte er gestern.

„Sonnenkönigin“ unter neuer Flagge

Unter neuer „Flagge“ wird in dieser Saison auch das größte Schiff auf dem Bodensee unterwegs sein. Der langjährige Pächter der MS „Sonnenkönigin“ habe seinen Vertrag zum 30. April ebenfalls wegen der Corona-Krise gekündigt, teilte VL-Chef Alexandro Rupp mit. Einen neuen Pächter gibt es nicht: Die „Sonnenkönigin“ wurde als sechstes Schiff in die VL-Flotte aufgenommen und wird weiterhin für Charter- und Premiumeventfahrten auf dem Bodensee zur Verfügung gestellt. Allerdings wurden alle Fahrten bis August storniert.

Mit 70 Metern Länge ist die Sonnenkönigin das größte Schiff auf dem Bodensee.
Mit 70 Metern Länge ist die Sonnenkönigin das größte Schiff auf dem Bodensee. | Bild: Vorarlberg Lines

Es wird eine Saison mit großen Herausforderungen, so viel steht fest. Vielleicht gelingt es den Schiffsbetrieben, mit ihrer Online-Kampagne „Urlaub daheim“ die Seebewohner neu dafür zu begeistern, mit der Weißen Flotte aufs Wasser zu gehen. Man habe versucht, sich mit dem Programm „veränderten Bedürfnissen der Kunden“ anzupassen, so Norbert Reuter.

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