Wenn an Ostern die Tourismus-Saison am Bodensee beginnt, dann starten normalerweise auch die Ausflugsschiffe zu ihren ersten Ausfahrten. Anders in diesem Jahr: Die Corona-Pandemie legte den Tourismus für mehrere Wochen lahm, die Schiffe der Weißen Flotte blieben in den Häfen. Im Mai waren die Schiffe zunächst in reduziertem Umfang unterwegs, erst im Juni wurde der gemeinsame Kursverkehr der Anrainerländer wieder aufgenommen.

Auswirkungen auf Fahrgastzahlen

Seit einigen Tagen ist die Saison des Linienverkehrs beendet. Bei den Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) werden lediglich noch wenige Schiffe für herbstliche Rundfahrten ab Lindau und Konstanz eingesetzt. Welche Bilanz ziehen die Bodensee-Schiffsbetriebe für die Saison? „Durch die Corona-Pandemie konnten wir diese leider erst mit großer Verspätung beginnen und haben auch danach unsere Schiffe nicht voll ausgelastet“, erklärt Christopher Pape, Sprecher der BSB.

Vor dem Einstieg und auch an Bord der BSB-Schiffe stehen Hinweise, die auf den notwendigen Mindestabstand hinweisen.
Vor dem Einstieg und auch an Bord der BSB-Schiffe stehen Hinweise, die auf den notwendigen Mindestabstand hinweisen. | Bild: Susanne Hogl

Nach dem verkorksten Saisonauftakt konnten die Verantwortlichen der Bodensee-Schiffsbetriebe im Laufe des Sommers zwar nach und nach steigende Fahrgastzahlen verzeichnen, in der Gesamtbetrachtung der Saison 2020 sind diese allerdings „weit geringer als normal“, betont Pape. Exakte Zahlen könne er zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht nennen, „wir rechnen jedoch infolge der Corona-Krise mit einem Fahrgastrückgang von über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“.

Nach Ende der Saison wieder in Kurzarbeit

Der wirtschaftliche Schaden wird sich nach Angaben des Unternehmenssprechers auf mehrere Millionen Euro belaufen. „Wir hoffen, dass sich dies in der Jahresgesamtbilanz im niedrigen Millionenbereich bewegen wird“, so Pape. Viele Mitarbeiter werden laut BSB nach Saisonende wieder in Kurzarbeit gehen. „So wie dies auch aufgrund des verspäteten Saisonstarts im Frühjahr bereits der Fall war. Entlassungen sind derzeit nicht zu befürchten“, betont Christopher Pape.

Christopher Pape
Christopher Pape | Bild: FEZE
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Die Schiffe der Bodensee-Schiffsbetriebe – die BSB verfügen über 13 Fahrgastschiffe und eine Autofähre, ein weiteres Fährschiff wird gemeinsam mit der Schweizerischen Bodenseeschifffahrt (SBS) betrieben – werden während der Wintermonate in Konstanz und Friedrichshafen gewartet und für die neue Saison vorbereitet. In Friedrichshafen werden Schiffe auch für Revisionsarbeiten an Land geholt. „Im Sommer bleibt an den Ausflugsschiffen maximal Zeit für Notreparaturen“, sagt Alexander Münich, Leiter der Instandhaltung bei den Bodensee-Schiffsbetrieben. Größere Arbeiten werden daher ins Winterhalbjahr geschoben.

Arbeiten an einem Katamaran in der Werft: Alexander Münich (links), Leiter der Instandhaltung bei den Bodensee-Schiffsbetrieben, und Teamleiter Pascal Schiller.
Arbeiten an einem Katamaran in der Werft: Alexander Münich (links), Leiter der Instandhaltung bei den Bodensee-Schiffsbetrieben, und Teamleiter Pascal Schiller. | Bild: Fabiane Wieland

Coronabedingt kümmere man sich in der Friedrichshafener Werft momentan vor allem um sicherheitsrelevante Arbeiten an den Schiffen. Bis Weihnachten seien ansonsten keine größeren Landnahmen geplant. „Ab Januar stehen dann Arbeiten an der MS Überlingen und der MS Reichenau an“, sagt Alexander Münich.

Nicht für alle Arbeiten müssen die Schiffe ins Trockene gebracht werden. Viele Wartungsarbeiten könne man vornehmen, während die Schiffe im Wasser liegen. In der Werft fallen etwa Lackier- und Unterwasserschutzarbeiten an. Neben den 15 Mitarbeitern der Technik helfen bei den Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten im Winter auch Besatzungsmitglieder wie Kassierer oder Matrosen mit.

Für die Arbeiten am Kat muss der Propeller abgenommen werden.
Für die Arbeiten am Kat muss der Propeller abgenommen werden. | Bild: Fabiane Wieland

Wie geht es im kommenden Jahr weiter?

Im Frühjahr 2021 beginnt für die Bodensee-Schiffsbetriebe die nächste Saison. „Unter welchen Bedingungen wir nächstes Jahr in die neue Saison starten können, müssen wir abwarten“, sagt Christopher Pape mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie. Die Planungen für die neue Saison würde bereits laufen. „Ein Programm steht allerdings noch nicht fest, was jedoch für diese Jahreszeit vollkommen normal ist.“

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