Als „historische Hiobsbotschaft für die Region“ bezeichnet Barbara Herzig für die Initiative Zukunftsfähiger Regionalplan die Entscheidung des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben (RVBO). Der hatte am vergangenen Freitag mit großer Mehrheit den Regionalplan für die nächsten 15 Jahre verabschiedet -und damit die Grundlage für den künftigen Flächenverbrauch geschaffen. Der Verband verfehle die Klima- und Nachhaltigkeitsziele in der Raumplanung. Das Votum hinterlasse bei den Menschen, die um deren Einhaltung kämpfen, „große Enttäuschung und Unverständnis“, so Herzig.

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Alternativen für eine zukunftsfähige Raumplanung hätten die Umweltverbände und andere zur Genüge und sehr detailliert aufgezeigt. Statt „weiter so“ gelte es, die Verbräuche deutlich zu reduzieren. „In diesem Sinne kritisieren wir den Beschluss des RVBO aufs Schärfste und fordern die Landesregierung dazu auf, einzugreifen und ihrer Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder endlich gerecht zu werden“, nimmt die Initiative Stellung. Sie lädt am nächsten Samstag um 10 Uhr zu einem Demonstrationszug mit anschließender Kundgebung in Ravensburg ein. Voraussichtlicher Treffpunkt sei der Bahnhof, heißt es in der Mitteilung. Aktuelle Informationen gebe es auf www.ländle4future.de.

„Anreize zum Flächensparen? Fehlanzeige! Diese Entscheidung im Weiter-So-Modus wird den Flächenverbrauch bei uns nur weiter vergrößern.“
Aus der Stellungnahme der vier grünen Bundestagskandidaten aus der Region

Genauso enttäuscht über den Beschluss äußern sich die vier grünen Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden (Wahlkreis Sigmaringen), Martin Hahn (Bodenseekreis), Petra Krebs (Wahlkreis Wangen-Illertal) und Manne Lucha (Wahlkreis Ravensburg). „Anreize zum Flächensparen? Fehlanzeige! Diese Entscheidung im Weiter-So-Modus wird den Flächenverbrauch bei uns nur weiter vergrößern“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Die lautstärksten Klima-Aktivisten harrten über sechs Stunden bis zum Ende der Sitzung des Regionalverbands am vergangenen Freitag aus, bei dem der neue Regionalplan beschlossen wurde.
Die lautstärksten Klima-Aktivisten harrten über sechs Stunden bis zum Ende der Sitzung des Regionalverbands am vergangenen Freitag aus, bei dem der neue Regionalplan beschlossen wurde. | Bild: Cuko, Katy

Mit dieser Entscheidung distanziere sich die Region vom Einhalten des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens. „Wir setzen nun auf die Kommunen und appellieren an sie, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die der Regionalplan bietet, um in Zukunft sorgsam mit Flächen umzugehen“, fordern die Grünen-Politiker. Möglichkeiten gebe es viele, zum Beispiel Gewerbegebiete besser zu nutzen, Brachflächen zu aktivieren oder platzsparende Bauweisen bei ausgewiesenen Wohngebieten mitzudenken.

IHK lobt „weitsichtige Entscheidung“

In der Entscheidung zum Regionalplan sieht die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben hingegen ein positives Signal. „Es ist eine verantwortungsvolle und weitsichtige Entscheidung ganz im Sinne der Region und nicht gegen sie“, so IHK-Präsident Martin Buck. Angesicht der teilweise sehr emotionalen Diskussion der vergangenen Wochen hätten es sich die Vertreter die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht und gleichzeitig Mut bewiesen, der Region die Handlungsperspektiven und -freiheiten für die kommenden Jahre zu geben, die eine attraktive Wirtschafts- und Zuzugsregion auch braucht, so Buck.

Nun seien die einzelnen Kommunen gefordert, in den dafür vorgesehenen Genehmigungsverfahren zu entscheiden, ob und in welchem Umfang Flächen für Wohnen und Gewerbe in einer guten Ausgewogenheit von Bedürfnissen der Bürger, der Wirtschaft und ökologischen Zielen in Anspruch genommen werden können.

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