Waschlappen benutzen statt ewig unter die Dusche stehen. Ist das ein guter Tipp, um Energie und Geld zu sparen? Nicht für die Großelterngeneration. Sie kennen es eh nicht anders. Um dieser These auf den Grund zu gehen, reihten wir uns ein in den Lauftreff des Seniorenrats von Uhldingen-Mühlhofen. Wir wollten in Erfahrung bringen, ob sie Energiespartipps auf Lager haben. Daraus wurde ein Gespräch – über das Leben.

Heute regnet es, sie sind zu viert: Karin Hoch (Jahrgang 1941), Magda Schuchter (1940), Gertraud Krake (1941), Horst Krake (1941). Geboren im Krieg, kennt jeder von ihnen ein besonderes Bild, eine Anekdote, die Armut erklärt: der Anblick der ersten Banane, der Geschmack einer Tomate, eine Puppe im Schaufenster, Schnecken als Armenessen.

Gertraud Krake: Schnecken als Armenessen

Gertraud Krake, Jahrgang 1941
Gertraud Krake, Jahrgang 1941 | Bild: Hilser, Stefan

Sie stapft mit tief ins Gesicht gezogener Regenmütze der Seniorengruppe voraus. Gertraud Krake stammt aus dem Kahlgrund bei Aschaffenburg. „Bei Regenwetter hat mich meine Oma immer raus geschickt“, erinnert sie sich an ihre Kindheitstage. Sie solle mit den Schnecken spielen, die im Weinberg krochen. „Die mit dem Häuschen.“ Ihre Mutter war weit fort, auf Arbeit in Speyer, ihr Vater blieb im Krieg. Nach dem Spielen brachte sie der Oma ihre Schnecken mit. „Die gab‘s dann zum Essen.“

Magda Schuchter: Die erste Banane

Magda Schuchter, Jahrgang 1940.
Magda Schuchter, Jahrgang 1940. | Bild: Hilser, Stefan

Die Laufgruppe dreht ihre Runde am Kanalweg. Magda Schuchter zeigt auf ein Haus, in dem sie früher wohnten, als ihr Mann noch lebte. Im großen Garten baute sie viel Gemüse an. Selber kochen, eigene Nudeln machen: „Das ist für mich Leben.“ Sie stammt von einer kleinen Landwirtschaft im Allgäu, war die älteste von sechs Mädchen. „Meine Kindheit war schön.„ Doch die Zeiten waren hart. Man sei liebevoll miteinander umgegangen. Deshalb ist der 82-Jährigen vor kargem Leben nicht bange, sie verbindet schöne Gedanken mit dieser Zeit. Herausragend war aber der Tag, an dem ein Ordensbruder aus der Mission eine Banane mitbrachte. So etwas hat die Welt noch nicht gesehen.

Karin Hoch: Puppen im Schaufenster

Karin Hoch, Jahrgang 1941
Karin Hoch, Jahrgang 1941 | Bild: Hilser, Stefan

Karin Hoch stammt aus Pillau in Ostpreußen. Sie war drei Jahre alt, als die Russen näher rückten. Flucht mit dem Schiff in ein Lager in Dänemark. Vier Jahre wie in Gefangenschaft, bevor Adenauer sie nach Deutschland holte. Angekommen in Villingen, lebte sie erneut in einem Lager, spazierte in die Stadt und betrachtete in einem Schaufenster diese Puppen: „Was ist das, ich kannte so etwas nicht.“ Zwei Mädchen neben ihr, sagt die eine auf Alemannisch: „ Säli wett ich.“ Sie habe kein Wort verstanden, es waren aber drei Wörter, die sie bis heute sichtlich berühren. Denn sie fühlte sich ausgegrenzt. Erinnerungen an das damals karge Leben sind für Karin Hoch nicht schön, sondern belastend.

Horst Krake: Der Geschmack von Tomaten

Horst Krake, Jahrgang 1941
Horst Krake, Jahrgang 1941 | Bild: Hilser, Stefan

Horst Krake erlebte seine Kindheit in Leipzig. Verwandte wohnten auf dem Land. „Das war 1946, als ich zum ersten Mal eine Tomate gesehen habe.“ Sie muss fantastisch geschmeckt haben. Jedenfalls wurde Krake Koch. Und er lernte früh, wie man die Restwärme eines Ofens nutzt. Aufkochen und ausschalten. Energie sparen und trotzdem besser essen, lautet sein Credo. Heute benutzt er einen Induktionsherd.

Die Energiespartipps der vier Senioren

Heizen: Die Teilnehmer der Laufgruppe beweisen, dass sie nicht aus Zucker sind. Den Regen wettern sie ab mit guter Kleidung und wärmen sich anschließend im Hotel Sternen bei einer Tasse Kaffee. Dort berichtet Magda Schuchter, die Allgäuerin, dass sie nie im Wohlstand lebte und ihr eine auf 18 Grad geheizte Wohnung reicht. Horst Krake pflichtet ihr bei: „Man kann auch im Haus einen Pulli tragen.“ Gertraud Krake ergänzt: „Oder sich eine Wolldecke umwickeln.“ Karin Hoch: „Ein paar Sonnenstrahlen reichen, dann wird das Haus von ganz alleine warm.“

Waschen: Die Gruppe ist sich einig, dass die Waschmaschine erst dann angeworfen wird, wenn sie voll ist. Duschen geht ganz schnell. „Und sowieso nicht bei heißem Wasser, das trocknet eh die Haut zu sehr aus“, sagt Karin Hoch.

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Licht: Gertraud Krake lässt die Lampe im Fenster im Flur, die nur der Gemütlichkeit diente, aus Solidarität schon lange aus. Und sie hadert mit dem Gedanken, in diesen Zeiten eine Weihnachtsbeleuchtung anzumachen. Als noch kein Mensch Energiesparlampen kannte, habe sie in den 80er Jahren ihre Gästezimmer schon damit ausgestattet. Sie schenke dem Rathaus gerne einen Weihnachtsbaum, ihre große Fichte, die im Garten steht. Sie appelliert aber daran, dass die Gemeinde ihre Lichterkette von Glühbirnen auf LED umstellt.

Kochen: Selber kochen, eigene Nudeln, regionale Zutaten: Für Magda Schuchter sind das Selbstverständlichkeiten. Zudem überlegt sie zu Beginn des Kochvorgangs, welche Zutaten sie aus dem Kühlschrank und der Gefriere braucht. „Dann reicht es, wenn man die Türe einmal öffnet.“ Die Runde diskutiert die Frage, ob die Nudeln lätschig werden, wenn man sie in der Tupperschüssel in heißem Wasser quellen lässt, so wie man das beim Reis ganz selbstverständlich macht, um Strom zu sparen. Gertraud Krake erinnert sich an eine „Kochkiste“ aus der Kindheit, die war für diese Zwecke mit Stroh ausgekleidet. Karin Hoch spart Strom, indem sie für die ganze Familie kocht, für ihre Kinder und Enkelkinder. Deren Küche bleibt dann kalt, das kostet gar kein‘ Strom. Horst Krake kocht Gulasch gleich in großer Menge, „da habe ich nur einmal den Energieaufwand“. Er portioniert und gefriert ein. „Das funktioniert aber nur, so lange wir Strom haben. Bei Stromausfall sehen wir alt aus.“